Flugschreiber ausgewertet

Parallelen zwischen den beiden Abstürzen der Boeing 737 Max 8

Boeing 737 Max 8
Nach dem Absturz einer zweiten Boeing 737 Max 8 herrscht Unsicherheit – und Ratlosigkeit über die Ursachen (Symbolfoto)
Foto: Getty Images

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien ist weltweit der Luftraum für Maschinen dieses Typs gesperrt, viele Airlines und auch der weltgrößte Reisekonzern Tui stoppten alle Flüge mit dem umstrittenen Flugzeugtyp. Erste Ermittlungen zeigen nun einen Zusammenhang zwischen der abgestürzten Ethiopian-Airlines-Maschine und der bereits im vergangenen Oktober verunglückten indonesischen Lion-Air-Passagiermaschine.

Beim Absturz einer Maschine der Ethiopian Airlines kamen am Sonntag, 10. März, 157 Menschen ums Leben, darunter auch fünf Deutsche, wie das Auswärtige Amt laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) bestätigt. Innerhalb von nur fünf Monaten ist es bereits das zweite Flugzeug des Typs Boeing 737 Max 8, das abgestürzt ist. Insgesamt kamen 347 Menschen ums Leben. Inzwischen ist weltweit der Luftraum für die Boeing 737 Max 8 gesperrt.

Flugschreiber-Daten zeigen Ähnlichkeiten

Mittlerweile wurden die ersten Flugschreiber-Daten ausgewertet – und zeigten ersten Ermittlungsergebnissen zufolge deutliche Parallelen zwischen der Ethiopian-Airlines-Maschine und der im vergangenen Oktober verunglückten Lion-Air-Passagiermaschine. Nach den bisherigen Erkenntnissen aus den gesicherten Daten gebe es eine „klare Ähnlichkeit“ zwischen beiden Fällen, sagte die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges, wie unter anderem die Tagesschau berichtete. Die Regierung werde in einem Monat detaillierte Informationen basierend auf den Daten veröffentlichen.

US-Luftfahrtbehörde soll Boeing unzureichend geprüft haben

Aktuell muss neben Boeing auch die die zuständige US-Luftfahrtbehörde FAA mit schweren Vorwürfen kämpfen: Die Boeing 737 Max 8 seien nicht nach den üblichen Standards überprüft worden sein. Das berichtete unter anderem das Wall Street Journal.

Unsicherheit bei Reisenden

18China, Singapur, Australien und Indonesien sowie Äthiopiens nationale Airline zogen als erstes  Konsequenzen und verboten Fluglinien bis auf Weiteres den Einsatz des betroffenen Boeing-Modells.

Verständlich, dass es plötzlich unter Reisenden Unsicherheiten gibt. Viele stellen sich die Frage: Sollte man überhaupt noch mit diesem Flugzeugtyp fliegen? TRAVELBOOK hat mit einem Experten gesprochen –und verrät auch, bei welchen Airlines die Boeing 737 Max 8 aktuell noch eingesetzt wird.

„Zwei Abstürze in so kurzer Zeit sind natürlich ungewöhnlich“

Stefan Eiselin vom Nachrichten- und Informationsportal „aeroTelegraph“ zu TRAVELBOOK: Bei beiden Flügen sei es wenige Minuten nach dem Start und nach unregelmäßigen Geschwindigkeiten zum Crash gekommen. Es gebe aber auch Unterschiede, so habe es beim Ethiopian-Absturz anders als bei Lion Air im Oktober 2018 vorher keinerlei Auffälligkeiten am Flugzeug gegeben.

Eiselin appelliert daher an die Airlines: „Ich würde mir wünschen, dass die Luftfahrtbehörden jetzt eine schnelle Entscheidung treffen. Absolute Sicherheit, mithin also ein Verbot der Maschinen, wenn auch nur vorläufig, würde aber natürlich einen massiven Eingriff bedeuten sowohl in den Flugbetrieb, die Planung der Airlines, aber auch des Herstellers.“ China hatte als eines der ersten Länder reagiert und den Start der Maschine verboten. Eiselin: „Ich kann mir vorstellen, dass andere Länder jetzt nachziehen.“ So kam es dann auch, nicht auszuschließen, dass noch weitere folgen.

Diese europäischen Airlines besitzen den Boeing-Typ

Weltweit gibt es etwa 350 Maschinen des Typen Boeing 737 Max 8, die in 22 Ländern im Einsatz waren – darunter auch bei folgenden Fluggesellschaften:

  • die tschechische Smartwings
  • die belgische und schwedische Tui
  • Icelandair
  • Norwegian

Laut Eiselin seien vor der Bereitstellung, wie übrigens bei jedem neuen Flugzeugtyps üblich, vor der Markteinführung im Mai 2017 monatelange Tests sowohl am Boden als auch in der Luft vorausgegangen, die auch ausführlich dokumentiert wurden.

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Tui stoppt alle Flüge mit Boeing 737 Max 8

Der deutsche Reiseveranstalter Tui stoppte am Dienstag alle Flüge mit dem umstrittenen Flugzeugtyp. Der Schritt umfasse alle Fluggesellschaften des Konzerns, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Maximal ungünstig ist, dass das Unternehme gerade erst 25 Flugzeuge des Typen Boeing 737 Max 8 bestellt hatte. Dies bestätigt Martin Riecken, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Tui: „Insgesamt haben wir für unser Unternehmen sogar 72 dieser Maschinen bestellt, 25 für den deutschen Markt.“

Für Tui ist diese Situation auch insofern unangenehm, da die erste der 25 bestellten Boeing 737 Max 8 laut Plan der Firma bereits am 13. April ihren Betrieb aufnehmen sollte. Dazu wird es vorerst nicht kommen.

Auch die norwegische Fluggesellschaft Norwegian und Turkish Airlines zogen Konsequenzen: Beide stoppten den Einsatz ihrer Boeing-Flugzeuge des betroffenen Typs.

 

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