Experte erklärt

Was passiert bei Boeings Software-Update für die 737-Max-8-Maschinen?

Boeing 737 Max 9
Die Boeing 737 Max ist nach zwei Abstürzen in nur fünf Monaten heftiger Kritik ausgesetzt (Symbolfoto)
Foto: Getty Images

Boeing hat für all seine Maschinen ein Update der MCAS-Software angekündigt, die mutmaßlich für den Absturz der 737 Max 8 in Äthiopien ist. Ein Experte erklärt, was das bedeutet, wann es soweit sein wird – und ob nicht vielleicht doch menschliches Versagen eine Rolle spielte...

Die Spekulationen häufen sich, dass die in den Boeing 737 Max 8-Maschinen installierte MCAS-Software letztlich für den Absturz von zwei Flugzeugen dieses Typs innerhalb von nur fünf Monaten verantwortlich sein könnte.

TRAVELBOOK hat mit Luftfahrt-Experte Stefan Eiselin gesprochen und erklärt, was überhaupt geändert werden soll, wie lange das dauert, und wer bzw. was letztlich Schuld an den beiden Crashs ist.

Weltweit müssen 370 Flugzeuge überprüft werden

Eiselin bestätigt, dass das neue Update auf Anordnung der FAA bis Ende April in allen Boeing 737 Max 8 abgeschlossen sein soll: „Das ist eine Herkulesaufgabe. Alleine in den USA gibt es 72 Boeing 737 Max. Sie alle müssen zur Wartung, wo das Update eingespielt wird. Das Grounding macht es insofern einfacher, da alle Maschinen nun sowieso am Boden stehen und nicht erst außer Betrieb genommen werden müssen.“ Weltweit seien es sogar 370 Flugzeuge dieses Typen, die das Update benötigten – „das dauert schon eine ganze Weile.“

Doch wie funktioniert so ein Software-Update überhaupt, und was muss dabei beachtet werden? Eiselin erklärt, solche Updates würden normalerweise während eines geplanten Wartungsaufenthaltes gemacht und seien so gewöhnlich wie ein Update auf dem heimischen PC – nur, dass es eben in dem konkreten Fall Software auf den Bordcomputer des Flugzeuges überspielt und im Anschluss genau geprüft werde. „Konkret geht es hier um eine Korrektur des umstrittenen MCAS, des Systems, das einen Strömungsabriss verhindern sollte und zumindest am Absturz von Lion Air mitschuldig zu sein scheint.“

Wurde die Boeing 737 Max 8 wegen Zeitdruck unzureichend geprüft?

„Es deutet Einiges auf technische Probleme“

Zwar habe Boeing bislang nicht erklärt, welche Neuerungen das Update enthalten solle, aber „zentral wird sicher sein, dass das System künftig auf Messdaten von mehr als einer Sonde reagiert – was beim Absturz der Lion Air noch nicht der Fall war. Zudem wird es einfacher zu überstimmen sein.“ Doch wie werden Piloten auf solche Ernstfälle vorbereitet, falls das überhaupt möglich ist? Laut Eiselin würden Verfahrensweisen immer wieder geübt und Automatismen so verinnerlicht – dabei würden immer wieder auch Notfallszenarien durchgespielt.

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Flugzeughersteller informierten zudem regelmäßig alle Kunden über Änderungen an den Fliegern, und diese Informationen reichten die Fluggesellschaften dann an ihre Piloten weiter. „So soll sicher gestellt werden, dass diese auch wahrgenommen und beachtet werden.“

Eiselin selbst möchte sich nicht zu einer konkreten Aussage zur Unfallursache äußern: „In sehr vielen Unglücken ist menschliches Versagen der zentrale Grund. Oftmals gibt es aber kleinere technische Auslöser, auf die Piloten dann falsch reagieren. Gerade auch darum übt man immer und immer wieder im Simulator. Bei Flug ET302 (Die Unglücksmaschine der Ethiopian Airlines, Anmerkung der Redaktion) weiß man noch zu wenig, um seriös eine Aussage treffen zu können. Aber es deutet Einiges darauf hin, dass technische Probleme zumindest vorhanden waren.“

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