Aktuelle Lage

Coronakrise trifft Airlines mit voller Wucht

Ein Flugzeug steht auf einem Flughafen
Stillstand: Europäische Airlines mit Verbindungen in die USA müssen aktuell am Boden bleiben
Foto: Getty Images

Das wegen der Coronakrise von US-Präsident Trump verhängte Einreiseverbot für Europäer trifft viele Airlines extrem hart. TRAVELBOOK gibt einen Überblick, welche Fluggesellschaften besonders gebeutelt sind.

Nicht erst seit der Thomas-Cook-Pleite steckt die Luftfahrtbranche immer mehr in der Krise. Doch mit Ausbruch der Corona-Pandemie sind einige Airlines existenziell bedroht. Denn schon mehrere Länder haben Einreisestopps verhängt und infolgedessen werden weltweit immer mehr Flüge gestrichen.

Ganz hart trifft die Branche die nun durch US-Präsident Donald Trump beschlossene Maßnahme: Er verhängte für alle Menschen, die aus dem europäischen Schengen-Raum in die USA wollen, ein Einreiseverbot. Dieses soll vorerst für 30 Tage gelten. Die Regelung tritt in der Nacht von Freitag (13. März) auf Samstag (14. März) in Kraft. Betroffen sind alle Menschen, die sich in den vergangenen 14 Tagen vor ihrer Reise im Schengen-Raum aufgehalten haben, dem 26 Länder angehören. Wer nicht dazu gehört: Großbritannien. Zurückkehren in die USA dürfen übrigens US-Amerikaner, soweit sie sich auf Corona testen lassen.

Mehr als 3 Millionen Fluggäste in die USA – pro Monat

Für viele Airlines ist das US-Einreiseverbot ein herber Schlag, denn sie verdienen mit den Flugrouten über den Nord-Atlantik viel Geld. Um sich die Dimensionen klar zu machen: Die Entscheidung betrifft etwa 3500 wöchentliche Flugverbindungen und rund 800.000 Passagiere. Das wären in einem Monat mehr als drei Millionen Fluggäste, die nicht in die USA fliegen können. Damit ist das Verbot weitreichender als die Streichung vieler Fluglinien nach China.

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Lufthansa will Hilfe vom Staat beantragen

Nach neuesten Meldungen erwägt Lufthansa, Hilfe seitens des Staates zu beantragen. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, gehe es vor allem um Liquiditätshilfen. Dies sei von einem Sprecher des Unternehmens bestätigt worden.

Außergewöhnlich: Lufthansa hat bislang eine solide Bilanz vorweisen können. Die Fluggesellschaft stand bislang für einen freien Wettbewerb ein und lehnte Staatshilfen für Fluggesellschaften strikt ab. Infolge der Coronakrise und des US-Einreisestopps kann jedoch niemand voraussagen, wie lange das Geld noch reichen wird. Geht die Krise noch mehrere Monate weiter, könnten trotz massiven Kürzungen des Flugplans und Kurzarbeit für Personal sehr schnell die Mittel erschöpft sein.

Vorerst will Lufthansa jedoch einen Sonderplan in die Staaten aufrechterhalten. Durch Umsteige-Flüge über Kanada, Mexiko, Irland und Großbritannien können Passagiere derzeit noch versuchen, in die USA zu gelangen. Zu der Lufthansa-Gruppe zählen auch die Airlines Swiss, Brussels Airlines, Austrian und Eurowings. Nach Einschätzung des Analyse-Hauses „Bernstein Research“ kommt die Gruppe auf den Flügen zwischen Schengen-Europa und den USA auf einen Marktanteil von 21 Prozent.

Betroffen vom US-Einreisestopp sind aber auch US-Fluglinien: Delta Airlines hat einen Marktanteil von 17 Prozent, American Airlines 7 Prozent. Air-France-KLM wiederum ist mit 12 Prozent Marktanteil betroffen. Ferienflieger wiederum werden wohl weniger stark vom Einreiseverbot geschädigt werden.

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Condor-Übernahme wankt

Ins Trudeln gerät die geplante Übernahme der deutschen Airline Condor durch die polnische LOT. Zwar habe nach Angaben von Condor die Fluggesellschaft wegen des Coronavirus bislang keine Flüge streichen müssen. Dennoch bestehen Zweifel, ob der Übernahme-Deal im Zeitplan über die Bühne geht – oder ganz gecancelt wird.

 

Marode Alitalia kaum zu retten

Als noch nicht an die Coronakrise zu denken war, war es um Alitalia finanziell bereits schlecht gestellt. Nun soll das Aus der italienischen Fluggesellschaft kurz bevorstehen. Noch ringen Regierung und Airline um einen Käufer, das Coronavirus macht dem Angebot jedoch einen Strich durch die Rechnung. Bisher wurde Alitalia vonseiten des Staates mit Finanzspritzen aufrechterhalten, die jedoch nicht länger gewährt werden sollen.

Pläne für eine mögliche Zerschlagung der Airline liegen auf dem Tisch. Bisher galt die Lufthansa als heißer Übernahme-Kandidat. Ob das in diesen turbulenten Zeiten noch so ist – fraglich. Als ein weiterer Bieter um das marode Flugunternehmen gilt das Bündnis um Delta Air Lines, Air France und KLM. Doch auch diese Gruppe hat mit den Folgen wegen der Coronakrise schwer zu kämpfen.

Wegen Coronavirus! Britische Airline Flybe pleite

Ryanair fliegt im Sparmodus

Europas größte Billig-Airline Ryanair fliegt infolge der Coronakrise derzeit nur rund 75 Prozent ihrer Strecken. Italien wurde jetzt ganz aus dem Programm genommen, betroffen sind rund 460 Flüge. Das dürfte der irischen Fluggesellschaft erhebliche Umsatzeinbußen bescheren.

Qantas nur noch mit zwei Airbus in der Luft

Auch die australische Fluggesellschaft Qantas, die zumeist den asiatischen Luftraum bedient, hat heftig mit der Coronakrise zu kämpfen. Acht der zehn Superjumbos Airbus A380 sind am Boden, zwei weitere in Wartung. Geplant ist der Stopp für ein halbes Jahr. In der Luft verbleiben nun noch zwei Airbus A380. In einer Mitteilung vom 10. März erklärt das Unternehmen, zu dem auch der Billig-Flieger Jetstar zählt, dass man die Flugfrequenzen reduzieren und kleinere Maschinen einsetzen werde. So wolle man vermeiden, Strecken ganz aufgeben zu müssen.

Schrammt Norwegian jetzt ins Aus?

Der bereits finanziell angeschlagene Billigflieger Norwegian wird die Entscheidung der Trump-Regierung stark zu spüren bekommen. Die Airline setzt auf Langstreckenflüge über den Nord-Atlantik zu sehr niedrigen Preisen. Bislang gilt Norwegian als einer der größten ausländischen Fluganbieter nach New York und zu weiteren Zielen in den Staaten. Für die Airline zählen die USA als wichtigster Markt mit rund 20 Prozent Marktanteil.

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