Lion-Air-Katastrophe

Ermittler geben Boeing Schuld an 737-Max-Absturz

Boeing
Die 737-Max von Boeing sind gegrounded, dürfen aktuell also nicht fliegen
Foto: Getty Images

Die Ermittler im Fall der in Indonesien abgestürzten Boeing 737-Max präsentierten jetzt ihren Abschlussbericht – für den Flugzeugbauer bedeutet er ein weiteres verheerendes Urteil. Der Konzern schreibt mittlerweile tiefrote Zahlen.

Konkret bedeutet das: Eine Fehlfunktion des Kontrollsystems sei für den Absturz genauso mitverantwortlich wie unzulängliche Anleitungen des Herstellers beim Umgang mit Problemen im Bordsystem, wie der „Spiegel“ berichtet. Auch habe es „Mängel“ in der Kommunikation der Flugbesatzung und der manuellen Steuerung des Flugzeugs gegeben. Immer wieder hatte es auch die Vermutung gegeben, die Kontrollsoftware Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) könnte mit am Absturz schuld sein: Diese hatte die Nase des Flugzeugs nach unten gedrückt. Eigentlich sollten Piloten in der Lage sein, die Software abzuschalten – jedoch hatte im konkreten Fall wohl ein Sensor den Piloten ganz einfach falsche Daten übermittelt. Der zu späte Versuch, die Maschine manuell nach oben zu ziehen, misslang, sie stürzte ab, 189 Menschen kamen ums Leben.

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Unvollständige Überprüfung

Der Bericht legt nun offen, Boeing habe beim Umgang mit „Fehlfunktionen“ Angaben gemacht, die zwar im Einklang mit geltenden Richtlinien stünden, dennoch aber „unkorrekt“ seien. Der „Spiegel“ zitiert weiter aus dem Bericht: „Auf der Grundlage von falschen Annahmen über die Reaktion der Piloten und einer unvollständigen Überprüfung der damit verbundenen Auswirkungen mehrerer Flugfehler wurde die Abhängigkeit von MCAS von einem einzigen Sensor als angemessen erachtet.“ Da das System nur auf diesen einen Sensor ausgerichtet gewesen sei, sei es auch anfällig für Fehler gewesen.

Der Konzern, infolge zweier 737-Max-Abstürze mit insgesamt 346 Toten mit einem weltweiten Flugverbot dieser Maschinen belegt, schreibt mittlerweile tiefrote Zahlen: Im zweiten Quartal 2019 fiel demnach ein Nettoverlust von 2,9 Milliarden Dollar an, was auch auf eine Rückstellung von insgesamt fünf Milliarden Dollar zurück zu führen ist. Der Abschlussbericht der Ermittler soll erst am Freitag offiziell vorgestellt werden. Boeing wollte gegenüber dem „Spiegel“ keine Stellungnahme abgeben, genauso wenig wie Lion Air, denen die Unglücks-Maschine gehörte.

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