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Neues System genehmigt

Superjet 777x von Boeing bekommt einklappbare Flügelspitzen

Boeing 777x
Die Flügel der Boeing 777x werden einklappbar sein – so wird man sich 3,5 Meter auf jeder Seite sparen, damit die Maschinen an Flughäfen problemlos parken könnenFoto: Screenshot Youtube / Boeing

Das gab es noch nie: Um mit der großen Spannweite der Boeing 777x von 71,80 Metern am Boden umgehen zu können, entwickelten Ingenieure ein System, bei dem die Flügelspitzen um 3,5 Meter auf jeder Seite hochgeklappt werden können. Nun wurde das Konzept offiziell genehmigt – unter bestimmten Bedingungen. TRAVELBOOK erklärt, was die 777X außerdem noch besonders macht.

Das Modell 777x soll der neue Superjet von Boeing werden. 2014 ging er in die Produktion, bereits kurz nach der Ankündigung im Jahr 2013 gingen rund 260 Bestellungen von unterschiedlichen Airlines ein. Damit schrieb Boeing Geschichte. Der Jungfernflug der Boeing 777x ist für Ende 2019 geplant, könnte sich aber bis 2020 verschieben.

Klappsystem ist Lösung für enorme Spannweite

Ein Problem, mit dem sich die Ingenieure bereits in der Anfangsphase auseinandersetzen mussten, war die enorme Spannweite des Boeing-Modells. Mit 71,80 Metern würde die Maschine nicht in die Parkpositionen und Hangarhallen an Flughäfen passen. Der Trick, um das zu vermeiden: einklappbare Flügelspitzen. Im Flug wäre die volle Spannweite im Einsatz, am Boden würden auf jeder Seite jeweils 3,50 Meter eingeklappt, damit die Maschinen in die herkömmlichen Parkpositionen passen.

Die Idee von Boeing musste so wie jede Neuerung an Flugzeugen von der US-amerikanischen Bundesluftfahrtbehörde „Federal Aviation Administration“ genehmigt und Sicherheitsbedenken aus dem Weg geräumt werden.

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Bundesluftfahrtbehörde erteilt Erlaubnis mit Vorlagen

Am 18. Mai 2018 erlaubte die „FAA“ schließlich den Klappmechanismus – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Die Vorschriften betreffen vor allem das Scharniersystem der Vorrichtung: Es muss gewährleistet werden, dass die Flügelspitzen auf keinen Fall in großen Höhen ihre Position verändern, sondern durchgehend ausgeklappt sind.

Das bedeutet für Boeing den Einbau von mehrstufigen Schutzmechanismen, die zeigen, dass auch unter Einwirkung von hohen Kräften die Flügelspitzen nicht einklappen. Zudem soll es ein Warnsystem geben, das die Piloten bei einer Störung sofort benachrichtigt. Auch die Lichter an den Klappen müssen durchdacht platziert sein, damit bei Vorgängen am Boden mit hochgestellten Flügeln die Sichtbarkeit der Lichter gewährleistet ist. Die Flügelklappen müssen darüber hinaus einer Windstärke von 120 km/h am Boden standhalten können.

Wie „aero.de“ berichtet, sollen die klappbaren Flügel aus stabilen Kohlefaserverbundwerkstoffen vom Hersteller Liebherr Aerospace gebaut werden.

Enorme Spannweiten sind nichts Neues, das Klappsystem schon

Es gibt bereits Maschinen, die aufgrund ihrer enormen Spannweite eine Sonderbehandlung an Flughäfen benötigen, zum Beispiel der Airbus A380 mit 80 Metern Spannweite. Das System mit den klappbaren Flügeln wäre jedoch ein so noch nie da gewesenes Konzept in der zivilen Luftfahrt.

Hohe Reichweite, relativ weniger Verbrauch

Zu den Airlines, die den Superjet bereits geordert haben, gehören Lufthansa, Emirates, Etihad und Qatar Airways. Die 777x bietet ihnen einen entscheidenden Vorteil: die Reichweite. Mit 16.110 Kilometern wäre die Variante 8X mit Platz für 350 bis 375 Passagiere in der Lage, von Berlin direkt nach Sydney zu fliegen, oder von Dubai nonstop nach Los Angeles. Das größere Modell 9X mit Platz für 400 bis 425 Passagiere kommt immerhin noch auf 14.075 Kilometer Reichweite.

Ein weiterer Vorteil ist der Verbrauch der 777X, der 20 Prozent geringer sein soll als bei dem Vorgänger-Modell 777-300 ER. Das liegt unter anderem an den neueren, leistungsfähigeren Triebwerken (GE9X von General Electric) und den leichteren Karbon-Flügeln, die in der Luft eine größere Spannweite haben als die 777-300 ER und zwar insgesamt 72 Meter.

Zudem wurde die Aerodynamik des zweistrahligen Passagierflugzeugs verbessert, was ebenfalls den Verbrauch senkt. Auch die Betriebskosten sollen um rund 15 Prozent niedriger sein.

Boeing 777x
Die Boeing-Modelle sollen ab Ende 2019 fliegen

Weniger Kosten, besseres Design

Beim Design rüstet Boeing die neuen Modelle ebenfalls auf: Neben einem größeren Rumpf sollen auch größere Gepäckfächer zu den Neuerungen gehören. Außerdem sind die Fenster etwas größer und häufiger platziert als bei der vergleichbaren Boeing 777. Die Kabine ist zudem größer gebaut und das Cockpit mit Touchscreens ausgestattet, was es laut Boeing-Homepage so noch nicht in der kommerziellen Luftfahrt gab.

Tragfläche einer Boeing 787
Bei der Boeing 777x sind die Tragflächen ähnlich wie bei der Boeing 787 geschwungen, inspiriert von den Flügen von Albatrossen. Foto: Getty Images