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Insekten, untrainierte Piloten, wütende Passagiere

Experten warnen: »Fliegen ist aktuell riskanter als vor Corona

Flug-Risiko Corona
Müssen Passagiere die Flugzeug-Gurte jetzt noch fester ziehen? Versicherungsexperten jedenfalls gehen nach einem Ende der Corona-Pandemie von erhöhten Flug-Risiken aus Foto: Getty Images

„Eingerostete“ Piloten, wütende Passagiere und Insektenbefall – die Versicherer der Luftfahrtbranche machen sich auf ganz neue Risiken beim Fliegen nach einem Ende der Corona-Krise gefasst.

 

Ein neuer Bericht des Luftfahrtversicherers Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) hebt einige der besonderen Herausforderungen hervor, mit denen Fluggesellschaften und Flughäfen bei der Wiederaufnahme ihres Betriebs konfrontiert sind. Dabei reicht das Spektrum von „eingerosteten“ Piloten bis hin zu Insektenbefall von Flugzeugen. Die neuen Flug-Risiken im Überblick:

Als der Flugbetrieb Anfang des Jahres langsam wieder anlief, hätten Dutzende Piloten Fehler – etwa beim Landeanflug – gemeldet, weil ihnen die Flugpraxis fehle, berichtete Axel von Frowein, der bei der Industrieversicherungs-Sparte der Allianz, AGCS, für die Luftfahrt verantwortlich ist.

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Allein in den USA meldeten die Fluggesellschaften in 3000 Fällen randalierende Passagiere, die sich etwa gegen die Maskenpflicht wehrten. In normalen Jahren sind es 150. Oft beklagten sie im Nachhinein, dass sie von der Fluggesellschaft diskriminiert worden seien. „Derartige Vorfälle treten in Europa seltener auf, kommen aber ebenfalls vor“, sagte der für Zentral- und Osteuropa zuständige Schaden-Chef der AGCS-Luftfahrt-Sparte, Till Kürschner.

Startabbrüche wegen Insektennestern

Weitere Flug-Risiken sind auf Insekten zurückzuführen. Es gab eine Reihe von Berichten über unzuverlässige Fluggeschwindigkeits- und Höhenmessungen während der ersten Flüge nach dem Grounding. In vielen Fällen wurde das Problem auf unentdeckte Insektennester in den Pitot-Rohren des Flugzeugs zurückgeführt, schreibt die AGCS in einer Pressemitteilung. Dabei handele es sich um druckempfindliche Sensoren, die Daten an einen Avionik-Computer lieferten. Solche Vorfälle hätten zu Startabbrüchen und der Rückkehr zum Flughafen geführt. „Das Risiko eines Tierbefalls steigt, wenn die Richtlinien für die Einlagerung nicht eingehalten werden.“

Versicherer rechnen mit mittelfristigem Pilotenmangel

Doch die Branche habe sich verändert, stellen die Allianz-Manager fest. Sie stehe mittelfristig vor einem Pilotenmangel, damit drohten viele Flugzeuge von unerfahrenen Piloten gesteuert zu werden. Die Pandemie habe zudem den Ersatz älterer Maschinen durch neue, kleinere beschleunigt, bei denen Reparaturen wegen neuartiger Materialien teurer würden. Kollisionen und Abstürze waren von 2016 bis 2020 nach AGCS-Daten für 30 Prozent der gemeldeten Versicherungsfälle verantwortlich, aber für mehr als die Hälfte der Schäden von zusammen rund 14,5 Milliarden Euro. Fehlerhafte Verarbeitung und Wartung machten 13 Prozent der Schadenfälle und 24 Prozent der Schäden aus.

Weniger Schadenfälle seit Beginn der Corona-Pandemie

Mit dem während der Corona-Pandemie darniederliegenden Flugbetrieb waren die Schadenfälle bei AGCS um gut ein Drittel gesunken. Gründe waren laut Kürschner, dass weniger Passagiere auf dem Weg zum Flugzeug stürzten oder ihnen die Koffer abhanden kamen. Aber das sei nur ein vorübergehender Effekt. „Wir erwarten, dass die Schadenaktivität wieder auf ein normales Niveau zurückkehrt, sobald die Passagierzahlen wieder steigen.“ Einige Fluglinien wollten schon bis zum Jahresende wieder mit 70 Prozent ihrer Kapazitäten fliegen.

Mit Material von Reuters

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