Kurz nach dem Start

Notlandung! Ladegerät löst Brand im Flugzeug von Virgin Atlantic aus

Virgin Atlantic Boeing
Ein Flieger der Virgin-Atlantic-Flotte musste in Boston notlanden (Symbolfoto)
Foto: dpa picture alliance

Eine Maschine der Fluggesellschaft Virgin Atlantic musste notlanden, weil an Bord ein Feuer ausbrach. Grund dafür: Eine Powerbank. Die Gefahr der Akkus im Flugzeug wird noch immer unterschätzt.

Kurz nach dem Start des Virgin-Atlantic-Flugs 138 in New York ist es zu einem Brand in der Passagier-Kabine des A330 gekommen. Die Crew reagierte sofort und löschte die Flammen. Die Folge: Notlandung in Bosten! Ursprüngliches Ziel des Flugs war London. Ein Sitz habe gebrannt, berichtet „CBS Boston“. Sofort nach der Landung sei die Feuerwehr an Bord gegangen, sogar als die Passagiere noch im Flieger waren. Sie fanden nach Angaben eines Polizei-Beamten eine Powerbank für ein Handy zwischen den Sitzen.

„Die Leute waren schon nervös, weil sie nicht wussten, was hier vor sich geht“, wird ein Passagier von „CBS Boston“ zitiert. Die gute Nachricht: Niemand wurde verletzt, alle 217 Passagiere wurde aus der Maschine raus und in Sicherheit gebracht. Die Fluggesellschaft Virgin Atlantic gab anschließend folgende Mitteilung raus: „VS138 von JFK nach London Heathrow (4. Juli 2019) wurde nach Boston umgeleitet aufgrund von Berichten von Rauch in der Kabine. Unsere Crew hat sofort reagiert und das Flugzeug landete sicher in Boston. Die Sicherheit unserer Kunden und der Crew hat bei uns immer höchste Priorität und aktuell stellen wir weitere Untersuchungen an, um die genauen Umstände zu klären. Wir möchten uns bei unseren Kunden für ihre Geduld bedanken, während wir bemüht sind, vor Ort Unterkünfte zu organisieren oder auf alternative Flüge zu ihren Zielorten umzubuchen.“

Wie gefährlich kann es sein, wenn ich einen Akku oder eine Powerbank mit an Bord eines Fliegers nehme? Wie schnell kann sich eine Lithiumbatterie, z.B. in einem Laptop, in Brand setzen?

Bisher unterschätzt: Das mögliche Ausmaß eines Akkubrands

Es ist also nichts Neues, dass elektronische Geräte in Brand geraten können. Allerdings war man sich bisher nicht über das enorme Ausmaß bewusst. Aufsichtsbehörden hatten nämlich geglaubt, dass eine Ausbreitung von einzelnen, von Lithiumbatterien ausgelösten Bränden, durch ein flammenhemmendes Gas, welches in den Laderäumen von Passagierflugzeugen benutzt wird, verhindert werden würde. Doch Tests der US-Bundesluftfahrtbehörde (U.S. Federal Aviation Administration, kurz FAA) ergaben, dass die Batteriefeuer in besonderen Fällen eben nicht gelöscht werden könnten, wie „Bloomberg“ unter Berufung auf die Studie der FAA berichtete.

Wie viele Akkus darf ich mit in den Flieger nehmen?

Richtig gefährlich wird es dann, wenn sich das erhitzte Gerät in der Nähe anderer leicht entflammbarer Materialien befindet. Dazu gehören zum Beispiel Kosmetika und Sprühdosen wie Haarspray oder Deo – genau die Dinge also, die üblicherweise von Reisenden aufgrund der strikten Flüssigkeitskontrollen in den Koffer gepackt werden. Sollte ein Akku in der Nähe dieser Produkte brennen und auf sie übergreifen, kann auch die Brandsicherung nicht mehr helfen, wie die Tests beweisen. In diesem Fall wäre dann das gesamte Flugzeug betroffen, betonte Duane Pfund von der U.S. Pipeline- und Gefahrenstoffsicherheitsverwaltung, die ebenso wie die Luftfahrtbehörde für gefährliche Materialien an Bord von Flugzeugen verantwortlich ist.

Ein Verbot der Akkus im Frachtraum gibt es nicht

Die Studie zeigt eindringlich die Risiken von Lithiumbatterien auf, die nicht nur in Laptops, sondern auch in Tablets, Smartphones und Spielekonsolen eingesetzt werden. Es ist zwar bereits verboten, dass Massen dieser Geräte beispielsweise von Firmen an Bord von Passagiermaschinen transportiert werden – für derartige Lieferungen müssen sie ein Frachtflugzeug in Anspruch nehmen. Ein generelles Verbot von Lithiumakkus im Aufgabegepäck gibt es bisher allerdings, trotz Forderung der US-Behörden, noch nicht.

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Im Gegenteil: Es scheint sogar so, als würden zukünftig mehr elektronische Geräte im Frachtraum aufgegeben werden. Normalerweise scheuen viele Fluggäste dieses Risiko – nicht nur, wegen eines möglichen Brandes, sondern auch wegen der Gefahr, dass der Koffer verloren gehen könnte. Doch mit immer strengeren Regeln fürs Handgepäck auch bei Billigairlines wie Ryanair oder Easyjet, die häufig nur noch ein Gepäckstück in der Kabine erlauben, oder politischen Restriktionen, wie in den USA, bleibt vielen Passagieren keine andere Wahl.