Experten erklären

Warum wir im Flugzeug leichter weinen

Flugzeug Tränen
Fliegen ist eine Extremsituation, die an den Nerven zehren kann
Foto: Getty Images

Ist Ihnen das auch schon mal passiert: Sie schauen im Flugzeug einen Film – und müssen plötzlich weinen? Laut Experten ist das ein häufiges Phänomen. Warum wir ausgerechnet über den Wolken häufiger weinen, könnte gleich mehrere mögliche Ursachen haben.

Auch wenn es bestenfalls in den Urlaub geht – Fliegen ist eine absolute Ausnahmesituation: Die Anreise zum Flughafen, der langwierige und oft nervtötende Check-in und die Sicherheitskontrollen, die Wartezeiten in überfüllten Gates und schließlich das Gefühl, mit unzähligen Unbekannten für Stunden in einer kleinen Sardinenbüchse eingepfercht zu sein. Das alles strapaziert die Nerven, sagen Experten – ist aber wohl nur einer der möglichen Gründe dafür, warum wir im Flugzeug leichter weinen als in anderen Situationen.

„Wir“, damit sind 55 Prozent der Befragten gemeint, die bei einer Umfrage der Fluggesellschaft „Virgin Atlantic“ angaben, auf Flügen unter besonderer emotionaler Spannung zu stehen. Wie die britische Zeitung „The Times“ berichtet, kam eine Studie des Gatwick Airports in London 2017 zu einem ähnlichen Ergebnis: Demnach gaben 15 Prozent der männlichen und sechs Prozent der weiblichen Befragten an, häufiger als sonst zu weinen, wenn sie einen Film über den Wolken anschauen.

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Woran das liegen könnte, versuchen verschiedene Experten zu erklären. So sagte der Mediziner Dr. Nick Knight dem „Telegraph“: „Sich in einer unbekannten Umgebung 10.000 Meter über dem Boden zu befinden, abgeschnitten von den angenehmen Alltäglichkeiten und zudem unter lauter Fremden und komischen Geräuschen, kann verstärkte Emotionen hervorrufen.“ Verhaltenspsychologe Jo Hemming gibt Knight im selben Bericht recht: „Die Einsamkeit, die wir während eines Fluges verspüren können, mit Kopfhörern aufgesetzt und mit einem Bildschirm direkt vor dem Gesicht, kann einen emotionalen Aufruhr verursachen.“

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In der Luft sind wir wie Kinder

Jason Solomons, der für „Virgin Atlantic“ als Filmkritiker arbeitet, sagte dazu dem „Business Insider“: „Auf einem Flug sind wir einsam und lassen geliebte Menschen zurück oder sehen uns danach, zu ihnen zurückzukehren. Wir sind müde, nervös und haben vielleicht auch schon einen Drink zu einer Zeit gehabt, wo wir sonst nüchtern wären. Fliegen und Filme sind ein heftiger Mix, die Bilder und Gefühle so nah an deinen Augen, so intim.“ Studien berichten zudem, der geringere Kabinendruck könne dazu führen, dass der Sauerstoffgehalt im Blut um bis zu 25 Prozent sinke – auf diese Weise beeinträchtigt, neige der Körper zu sensibleren Reaktionen.

Ebenfalls ein möglicher Faktor sei die Tatsache, dass man während eines Fluges weniger abgelenkt sei und sich mit seinen Emotionen direkter befassen müsse. Verhaltenspsychologe Hemmings sagte dem „Telegraph“ auch, während eines Fluges zeigten sich verstärkt kindliche Eigenschaften bei Passagieren: „Flugbegleiter bedienen uns und kümmern sich um uns, dadurch nehmen sie eine Art Erzieher-Rolle ein – wir reagieren darauf, wie ein Kind es vielleicht tun würde, sodass wir wenig Macht oder Kontrolle über unsere Gefühle haben.“

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