26. Dezember 2025, 16:17 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Skurril, schön, unheimlich: Versteckt in einem Tal nördlich von Rom gibt es einen Park mit bizarren, riesigen Skulpturen, aus rohem Stein gehauen und mit Moos bewachsen. Der „Heilige Wald der Ungeheuer” wurde im 16. Jahrhundert von einem Adeligen angelegt und geriet dann in Vergessenheit. Erst Jahrhunderte später wurde er von dem Künstler Salvador Dalí neu entdeckt.
Versteckt in einem Tal außerhalb des Ortes Bomarzo in Italien, etwa 80 Kilometer nördlich von Rom, liegt der „Sacro Bosco”, der „Heilige Wald”. Man nennt ihn auch „Den Park der Ungeheuer”, denn bizarre Steinfiguren versetzen die Besucher in ungläubiges Staunen.
Übersicht
Kämpfende Riesen, Götter und Sirenen
Orkus, der Gott der Unterwelt, lockt mit weit geöffnetem Mund Spaziergänger in seinen Rachen, zu dem eine Treppe führt. Innen steht ein Tisch, der zu einem Festmahl einlädt. Die rätselhafte Inschrift „Ogni pensiero vola“ steht über seinen Lippen: „Jeder Gedanke fliegt“.
Zwei Riesen kämpfen miteinander, eine mysteriöse Frauengestalt thront stehend auf einer überdimensionalen Schildkröte, eine Sirene blickt mit gespreizten Flossenbeinen auf liegende Löwen. Zwischen griechischen Vasen trägt ein riesiger Elefant einen Turm auf seinem Rücken. Neptun ruht an einer Mauer. Ein Drache wird von Löwen angegriffen.
Mystische Wesen und rätselhafte Inschriften
Zerberus, der dreiköpfige Höllenhund, das geflügelte Pferd Pegasus, griechische Göttinnen, Nymphen, Bären, Wale, riesige Früchte, wundersame Brunnen, verwirrende Inschriften – sie alle ziehen den Besucher in einen Bann der Fantasie. Und keiner weiß, was sie bedeuten.
Seiner Ehefrau gewidmet
Wundersam ist auch die Geschichte des skurrilen Parks unterhalb der Burg Castello Orsini. Angelegt wurde er bereits im 16. Jahrhundert. Vicino Orsini, der letzte Feudalherr von Bomarzo, erträumte den Figurenwald und widmete ihn seiner 1564 verstorbenen Frau Giulia Farnese.
Mehr als 30 Jahre seines Lebens ließ der Adelige mehrere Künstler riesige Figuren aus Vulkangestein hauen. Dabei ließ er auch ein schiefes Haus und weitere seltsame Gebäude errichten. Er versah diese zusätzlich mit Inschriften, weshalb Kunsthistoriker bis heute über deren Bedeutung rätseln.
Eine mögliche Erklärung dafür liefert die Inschrift von Orkus „Ogni pensiero vola“. Denn sie spielt auf Dantes „Divina Commedia“ an. Dort heißt es beim Eintritt in die Vorkammer zur Unterwelt: „Lasciate ogni speranza voi ch’entrate“. Deshalb lässt sich der Satz sinngemäß mit „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“ übersetzen.
300 Jahre Dornröschenschlaf
Nach Orsinis Tod anno 1585 geriet der „Heilige Wald“, wie er ihn genannt hatte, in Vergessenheit. Rund 300 Jahre vergingen, bis die verwitterten, mit Moos und Ranken bewachsenen Skulpturen wiederentdeckt wurden. Unter anderem durch den Künstler Salvador Dalí. Er war 1938 der erste prominente Besucher des Monster-Parks. In seinem berühmten Gemälde „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ (1946) lassen sich einige Motive wiedererkennen.
In den 50er Jahren kaufte ein italienisches Ehepaar das Grundstück und richtete es mit viel Aufwand wieder her. Kunsthistoriker wurden auf den Park aufmerksam. Heute ist der Park ein beliebtes Ausflugsziel für Familien und Paare, die staunend zwischen den riesigen Ungeheuern wandeln.
Der Eintritt zum Park kostet 13 Euro, ermäßigt 8 Euro.