Der höchste Unterwasser-Wasserfall der Welt liegt in Europa
Blick aus der Luft auf einen Teil der Dänemarkstraße. Hier befindet sich unter der Oberfläche der höchste Unterwasser-Wasserfall der Welt, der Dänemarkstraßen-Katarakt. Foto: Getty Images
Der Dänemarkstraßen-Katarakt ist der größte und höchste Unterwasser-Wasserfall der Erde, mit einer Falltiefe von etwa 3500 Metern. Er liegt tief unter dem Meeresspiegel im Atlantischen Ozean zwischen Grönland und Island in der Dänemarkstraße. Doch wie funktioniert eigentlich ein Wasserfall unter Wasser? TRAVELBOOK erklärt das faszinierende Phänomen.
Wasserfälle gehören zu den größten Naturwundern unserer Erde. Spektakulär stürzen sie sich rauschend in teils schwindelerregende Tiefen, beeindrucken und verzaubern mit ihrem Schauspiel den Betrachter. Aber während viele der Kaskaden längst auch touristisch erschlossen sind, kann man den höchsten Wasserfall unserer Erde weder besuchen noch beobachten. Und das hat einen verblüffenden Grund. Denn der höchste Wasserfall der Welt liegt tatsächlich unter Wasser. Es handelt sich dabei um den sogenannten Dänemarkstraßen-Katarakt zwischen Grönland und Island.
Das Wort Katarakt leitet sich von dem altgriechischen Wort „katarrhaktēs“ ab und bedeutet so viel wie „herabstürzen“. Der Begriff ist heute ein Synonym für „Wasserfall“. Und im Dänemarkstraßen-Katarakt stürzen sich jede Sekunde unvorstellbare Wassermassen in die Tiefe des Meeres. Laut der Seite „National Ocean Service“ trennt dieses Naturwunder die Grönlandsee im Norden von der Irmingersee, einem Teil des Nordatlantiks, im Süden. Und genau hier kommt es zu dem Prozess, der den größten Wasserfall unseres Planeten entstehen lässt.
Das Wasser stürzt bis zu 3500 Meter tief
Denn an der Stelle, wo der Dänemarkstraßen-Katarakt die beiden Meeresteile voneinander trennt, stürzt sich das Wasser über seine „Kante“ in eine Tiefe von bis zu 3500 Metern. Zum Vergleich: Der Salto Ángel in Venezuela, der höchste Wasserfall an Land, hat eine Höhe von 978 Metern. Damit ist der Dänemarkstraßen-Katarakt also mehr als dreimal so hoch wie der Rekordhalter auf festem Boden. Doch wie kommt dieses erstaunliche Phänomen eigentlich zustande? Was sorgt dafür, dass sich hier jede Sekunde mehr als 3,5 Millionen Kubikmeter Wasser in die Tiefe ergießen?
Nun, das alles hat mit der Wassertemperatur zu tun. Im Dänemarkstraßen-Katarakt trifft kälteres Wasser aus der Grönlandsee auf wärmeres Wasser aus der Irmingersee. Die kältere Flüssigkeit hat eine höhere Dichte, was bewirkt, dass sie in Richtung Meeresgrund absinkt. Und dabei stürzt sie sich eben über den Unterwasser-Wasserfall, der eigentlich nur eine beachtliche Erhebung des Meeresbodens mit einer Höhe von bis zu 3500 Metern ist. Das Ganze kann allerdings nur mit wissenschaftlichen Hilfsmitteln „beobachtet“ werden, da das Wasser hier gerade einmal mit einer Geschwindigkeit von einem halben Meter pro Sekunde in die Tiefe fällt.
Der Dänemarkstraßen-Katarakt ist laut „Live Science“ nicht nur hoch, sondern auch etwa 480 Kilometer breit. Er entstand während der letzten Eiszeit in einem Zeitraum von 6000 Jahren. Wasser aus der Grönländischen, der Isländischen und der Norwegischen See mischt sich hier mit solchem aus der Irmingersee. Die Region spielt eine bedeutende Rolle bei der Wasserzirkulation im gesamten Atlantik. Im Übrigen ist der Dänemarkstraßen-Katarakt nicht der einzige Unterwasser-Wasserfall auf der Erde. Aber er ist bei Weitem der höchste. Allerdings stürzt sich hier das Wasser nicht wie bei einer Kaskade an Land mehr oder weniger senkrecht in die Tiefe, sondern läuft eher gemächlich den Hang des Katarakts herab.
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