Trips nach SeaWorld werden eingestellt

Thomas Cook unterstützt keine Wal-Gefangenschaft mehr

Shamu Show im SeaWorld
Seit Jahren verbuchen die SeaWorld-Parks bereits sinkende Besucherzahlen
Foto: Getty Images

Wem das Beobachten von Unterwassertieren in einem Aquarium nicht reicht, bekommt von Themenparks wie SeaWorld oder dem Loro Parque mehr geboten: Einmal einen Delfin streicheln, mit Pinguinen tanzen oder beim Training eines Orcas dabei sein, sind nur einige der umstrittenen Angebote. Und genau solche vermeintlichen Attraktionen will der Reiseanbieter Thomas Cook bald nicht mehr verkaufen. Die Gefangenschaft der Tiere verstoße gegen die Tierschutz-Richtlinien des Reiseanbieters.

Im Frühjahr 2017 hatte Thomas Cook neue Tierschutzrichtlinien angekündigt. Der klare Grundsatz: Jede Attraktion mit Tieren müsse zu 100 Prozent konform sein mit den Standards von Englands größtem Reiseverband ABTA. Unter diesem Gesichtspunkt seien 49 der bislang vom Reiseveranstalter angebotenen Attraktionen überprüft worden – von denen jetzt 29 aus dem Programm entfernt werden sollen.

Dazu gehören auch das SeaWorld in Orlando, Florida, und der Loro Parque auf der Kanareninsel Teneriffa. 

Thomas Cook-Kunden setzen auf Tierschutz

Zu der Entscheidung gegen eine weitere Zusammenarbeit mit den umstrittenen Parks habe vor allem die Meinung der Thomas-Cook-Klienten geführt. „Wir haben Feedback von unseren Kunden eingeholt, von denen über 90 Prozent mitgeteilt haben, dass es ihnen wichtig sei, dass ihr Reiseveranstalter den Tierschutz ernst nehme. Und wenn so viele unserer Kunden so klarer Meinung sind, kann ich unserem Unternehmen nicht gestatten, das zu ignorieren“, so Frankhauser.

Zusätzlich soll Thomas Cook Einschätzungen von Spezialisten bezüglich der Behandlung der Tiere eingeholt haben. Beide Parks hätten ihre Standards bei der Haltung der Tiere verbessert. Dennoch würde der britische Tourismuskonzern nur noch die kommenden zwölf Monate mit ihnen zusammenarbeiten, um in dieser Zeit ihren Ausstieg vorzubereiten.

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SeaWorld schränkte Orca-Züchtung bereits ein

SeaWorld selbst hatte eine Veränderung seines Orca-Angebots bereits im Jahr 2016 öffentlich gemacht. In einem Statement auf der Homepage „SeaWorld cares“ verkündete der Vergnügungspark, sein hauseigenes Orca-Zuchtprogramm einstellen zu wollen. Die Schwertwale, die jetzt in dem Park gehalten werden, seien die letzte Generation.

Im SeaWorld Orlando leben derzeit noch sechs Orcas, in San Diego zehn und in San Antonio fünf. Im Loro Parque bekommen Zuschauer derzeit sechs zu sehen. Auch Delfine dienen in den Parks nach wie vor als zweifelhafte Touristen-Attraktion

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Da einige der in SeaWorld lebenden Orcas noch relativ jung sind, ist anzunehmen, dass die Tiere noch viele Jahre lang für Touristen zur Schau gestellt werden, worauf auch SeaWorld in seiner Veröffentlichung hinwies. Schwertwal-Kühe haben nach den ersten sechs Lebensmonaten, die aufgrund einer 43 prozentigen Sterblichkeitsrate mitunter schwer zu erreichen sind, eine mittlere Lebenserwartung von etwa 50 Jahren in freier Wildbahn. In manchen Fällen kann auch ein Alter zwischen 80 und 90 Jahren erreicht werden. Die Bullen haben hingegen eine mittlere Lebenserwartung von etwa 30 Jahren und können maximal 50 bis 60 Jahre alt werden. In Gefangenschaft werden die meisten Weibchen allerdings nur circa 29 Jahre, Männchen sogar nur 17 Jahre alt.

Eine Orcakuh mit ihrem Jungen

Schon in jungen Jahren wurden Orcas eingefangen und in die Meeresparks verfrachtet
Foto: Getty Images

Große SeaWorld-Kritik nach Orca-Dokumentation

Eine große Welle der Kritik musste SeaWorld bereits im Jahr 2013 einstecken, nachdem der Streaming-Dienst Netflix die Dokumentation „Blackfish“ veröffentlicht hatte. In dem Film wurde das Schicksal des Orcas Tilikum aus dem SeaWorld in Orlando kritisch beleuchtet. Der Schwertwal war 1983 im Alter von zwei Jahren in der Nähe von Island aus seinem natürlichen Lebensraum gerissen worden.

Während seiner Gefangenschaft war der 2017 verstorbene Tilikum in drei Todesfälle verwickelt. Die erste Tote war seine Trainerin, die auf dem Beckenrand ausgerutscht und ins Wasser gefallen war, wo sie von dem Bullen und zwei Orca-Weibchen so lange unter Wasser gezogen wurde, bis sie ertrank. Der zweite Tote war ein Obdachloser, der sich offenbar über Nacht in dem Park versteckt hatte. Er soll im Wasser an Unterkühlung verstorben sein, wies aber außerdem Bissspuren von Tilikum auf. Ob diese zu seinem Ableben geführt haben, blieb unklar. Die dritte Tote war ebenfalls eine Trainerin, die von Tilikum ins Wasser gezogen worden war und ertrank.

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Der Dokumentarfilm stellte zwischen den Todesfällen und dem Leben der Orcas in Gefangenschaft eine unmittelbare Verbindung her. Außerdem machte er auf Misshandlungen von Trainern und die damalige Haltung der Meerestiere in kleinen Stallbehältern aufmerksam. SeaWorld selbst hatte den Streifen in einem Kommentar als ungenau und irreführend bezeichnet: „Der Film zeichnet ein verzerrtes Bild […], das relevante Tatsachen vorenthält — unter anderem […], dass SeaWorld jedes Jahr Hunderte wilde Tiere rettet, rehabilitiert und wieder in die Wildnis entlässt und dass SeaWorld Millionen von Dollar in den Naturschutz und die wissenschaftliche Forschung investiert.“

Orca Tilikum im SeaWorld Orlando

Tilikum soll 2017 im Alter von 36 Jahren an den Folgen einer bakteriellen Infektion der Lunge gestorben sein
Foto: Getty Images

Trotz der öffentlichen Reaktion von SeaWorld verfehlte die Dokumentation ihre Wirkung bei potentiellen Gästen nicht: Die öffentliche Diskussion über die Gefangenschaft von Meeressäugern führte zu einem Rückgang der Besucherzahlen und Einnahmen.