Barry Gletscher

500 Meter hohe Wellen! Vor Alaska droht ein gigantischer Tsunami

Ein Satellitenbild zeigt den Prince-William-Sund und auch den Barry Gletscher – noch ist die Katastrophe nicht geschehen
Ein Satellitenbild zeigt den Prince-William-Sund und auch den Barry Gletscher – noch ist die Katastrophe nicht geschehen
Foto: NASA Earth Observatory images by Lauren Dauphin

Er könnte der größte Tsunami werden, der je beobachtet wurde. Am Barry Gletscher in Alaska drohen gigantische Eismassen abzustürzen. Forscher rechnen mit Monsterwellen, die mehrere 100 Meter hoch werden könnten.

Der bislang höchste, jemals beobachtete Tsunami entstand 1958, als sich in der Lituya Bay in Alaska nach einem Erdbeben Millionen Kubikmeter Fels lösten und in das eisige Wasser fielen. Die Folge: Eine gigantische Welle, die etwa 500 Meter hoch war. Zum Vergleich: Das Empire State Building ist 382 Meter hoch, die höchsten Wellen des verheerenden Tsunamis, der 2004 Südostasien traf, waren 51 Meter hoch.

Doch die Rekordwelle aus den 50er Jahren könnte bald noch getoppt werden. Denn nur 500 Meter von der Lituya Bay entfernt bahnt sich in der Prince-William-Sund-Bucht aktuell eine Katastrophe für die Anwohner an. Wie der „Spiegel“ berichtet, stellte die Postdoktorandin Chunli Dai der Ohio State University bei einer Untersuchung des Barry Gletschers in der Bucht fest, dass sich Felswände rund um den Gletscher langsam nach vorne bewegten. Sollten diese Erdmassen abfallen, würde das zu einem riesigen Tsunami führen – vor allem, da die Form der Bucht die Entstehung verstärken würde.

Laut Dai kann es mehrere Auslöser für ein schnelleres Abrutschen des Gletschers geben. Starker Regen sei genauso wie warmes Wetter und das damit verbundene Schmelzen des Permafrostbodens ein relevanter Faktor.

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Tsunami könnte schon im kommenden Jahr entstehen

Über das Wasser der Prince-William-Sund-Bucht blickt man auf den gigantischen Barry Gletscher

Über das Wasser der Prince-William-Sund-Bucht blickt man auf den gigantischen Barry Gletscher
Foto: Getty Images

Mittlerweile veröffentlichte Dai zusammen mit weiteren Forschungsgruppen einen offenen Brief, in dem sie die dramatische Situation vor Ort wiedergibt. Darin heißt es, dass es bereits im nächsten Jahr so weit sein könnte, sehr wahrscheinlich aber in den kommenden 20 Jahren. Sollte es dazu kommen, wären die Folgen für die Bewohner der Region verheerend. In der Region liegt auch der 200-Einwohner-Ort Whittier, dessen Hafen oft von Kreuzfahrtschiffen angesteuert wird, da die Stadt eine direkte Verbindung zur Hauptstadt Anchorage bietet. Sollte es zum Abbruch und Tsunami kommen, würde die Stadt mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls betroffen sein. Laut dem Wissenschaftsmagazin „Spektrum“ könnte der Tsunami hier immer noch eine Höhe von zehn Metern haben – obwohl sich die Stadt in einem anderen Arm des Sunds befindet.

2017 gab es bereits am Karrat Fiord in West-Grönland einen Tsnuami, der ähnliche Ursachen hatte. Damals wurde die ca. 32 Kilometer entfernte Stadt Nuugaatsiaq zu großen Teilen zerstört, vier Menschen starben. Die Überlebenden sind bis heute nicht in die Region zurückgekehrt, da die Gefahr von weiteren Abbrüchen noch immer zu groß ist.

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In Alaska bauen aktuell Behörden, Forscher und Institutionen wie das U.S. Geological Survey und die National Atmospheric and Oceanic Administration (NOAA) ein Überwachungssystem auf, das unter anderem mit Satelliten und Radar die Bewegung des Felsens überwachen und somit die Anwohner früh genug warnen soll.

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