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Tipps für norddeutsche Region

Was es im „Alten Land“ alles zu entdecken gibt

Obstanbau
Das Alte Land ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas.Foto: Larissa Loges/dpa-tmn

Altes Land - wird da nicht ganz viel Obst angebaut? Aber klar. Doch die wenigsten verbinden mit der Region feine Sandstrände und eine ausgeprägte Möbeltradition. Es lohnt sich, danach zu suchen.

Wer durch das Museum Altes Land in Jork schlendert, findet in der Abteilung für Möbel und Trachten ein Ausstellungsstück mit Namen Tittengevstohl. Was aussieht wie ein Kinderstuhl, ist schlicht eine praktische Erfindung. „Ein Stillstuhl eben“, erklärt Museumsführer Kurt Kühl. Die geringe Sitzhöhe ist optimal fürs Stillen. „Da brauchte Frau kein Extrakissen. Die Knie waren automatisch nah an der Brust.“ Plattdeutsch ist eben sehr direkt. Auch das trägt zum Charme des Alten Landes in Hamburg und Niedersachsen bei.

Altes Land ist Rekordhalter in Nordeuropa

Die Region ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas – hat aber noch deutlich mehr zu bieten. Kurt Kühl präsentiert einen weiteren hölzernen Schatz, den das kleine Museum unter seinem Reetdach parat hält – einen Hamburger Schapp aus der Zeit um 1720. „Solche barocken Dielenschränke findet man auf den großen Höfen des Alten Landes“, weiß der Museumsführer. Stellte man das Prunkstück früher in die Diele, um seinen Wohlstand zu zeigen, schlummert mancher Schapp heutzutage in Kellern oder auf Dachböden.

„Bei uns steht auch ein Schapp im Keller“, bestätigt Annegret Beckmann vom Altländer Obsthof in Hollern-Twielenfleth unweit von Jork. „Er ist einfach zu groß. Aber wer weiß, vielleicht kann ihn die nächste Generation eines Tages doch wieder gebrauchen.“

Die Möbeltradition im Alten Land

Tittengevstohl
Der niedrige Tittengevstohl – ein Stuhl zum Stillen – war eine praktische Erfindung.Foto: Larissa Loges/dpa-tmn

Die Möbel der Altländer Bauern hatten einen ganz eigenen Charakter, der die soziale Stellung und den Wohlstand der Hofbesitzer präsentierte. Truhen und Stühle trugen die Namen ihrer Eigentümer. Wer heute Altländer Wohntraditionen bewahren möchte, sollte auch nicht unvermögend oder zumindest gut im Sparen sein.

Auf dem Altländer Obsthof, der seit 1756 in Familienbesitz ist, wurden zuletzt 2004 traditionelle Hochzeitsstühle für den Besitzer handgefertigt. Mit Herzen, Tulpen, Enten, fein geschnitzt. Insgesamt 14 Stühle säumen die zu besichtigende, lange Tafel im Esszimmer des Hofes. Die Kosten pro Stuhl: rund 700 Euro.

„Man bekam traditionell einen Stuhl zur Geburt, zur Konfirmation oder zur Hochzeit“, sagt Kühl über die vierbeinigen Schnitzkunstwerke. Annegret Beckmann ergänzt: „Keiner hatte alle drei Stühle, denn die sind ja teuer, es gab sie ohnehin nur auf vermögenden Höfen. Wer sich so einen Stuhl leisten konnte, saß dann auch sein Leben lang darauf.“

Was es mit den Brauttüren auf sich hat

Museum
Das Museum Altes Land präsentiert sich mit einer Prunkpforte.Foto: Larissa Loges/dpa-tmn

Die sogenannten Brauttüren waren ein ebenso wichtiges Element der alten Höfe: Reich geschnitzte, bemalte Türen, die nur geöffnet wurden, wenn die neue Hausherrin einzog, ein Leichnam hinausgetragen wurde oder eine Katastrophe geschah.

Etliche schöne Fachwerkhöfe, manche mit fein gestalteten Brauttüren, finden sich entlang der Straße Bergfried in Guderhandviertel. „Eine Klinke oder einen Griff haben die Brauttüren übrigens nur auf der Innenseite der Bauernhäuser“, sagt Museumsführer Kühl. Unmittelbar dahinter standen in der sogenannten Kofferkammer die Aussteuertruhen mit allen Werten und Papieren: Abschließbare, mit kräftigen Klappgriffen versehene Deckelkisten, die bei Überflutungen oder Bränden schnell ins Freie geschafft werden konnten.

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Wo man sich im Alten Land fast wie am Meer fühlt

Bassenflether Strand
Vom Bassenflether Strand aus lassen sich die ganz großen Schiffe auf der Elbe beobachten.Foto: Larissa Loges/dpa-tmn

Nach Altländer Lebens- und Wohnkultur wartet eine Auszeit am Strand von Bassenfleth mit seinem feinen weißen Sand. Dazu ein einzigartiger Blick zur anderen Elbseite, Bäume, Wiesen – und Wellen, die von riesigen Schiffen hinter dem Deich verursacht werden. Allein das Baden ist wegen der Strömung durch den Elbbetrieb nicht zu empfehlen.

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Wer es etwas schicker mag – mit Pier und ohne Blick auf ein Atomkraftwerk – findet ein Stückchen an Stade vorbei das nächste Highlight: die Elbinsel Krautsand mit vier Kilometern Sandstrand, Leuchttürmen und nordischer Idylle.