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Scharfe Kritik von DRV und DFV

Empörung in der Reisebranche: Prüfung von Auslandsreiseverbot „ein verheerendes Signal“

Passagiere stehen am Flughafen Hannover und warten auf den Flug nach Palma de Mallorca – aktuell sind Auslandsreisen noch erlaubt
Passagiere stehen am Flughafen Hannover und warten auf den Flug nach Palma de Mallorca – aktuell sind Auslandsreisen noch erlaubtFoto: dpa picture alliance

Das Chaos geht weiter. Nachdem die Bundesregierung verkündet hatte, die Osterruhe nun doch nicht durchzusetzen, wird zeitgleich ein Verbot von Auslandsreisen überprüft. Die Empörung in der Reisebranche ist schon jetzt groß.

Kommt jetzt das Auslandsreiseverbot? Nach BILD-Informationen werde momentan zumindest geprüft, ob es möglich wäre. So soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesagt haben, dass es nicht sein könne, „dass man sich nicht 15 Kilometer vom Wohnort entfernen soll, aber 1500 km fliegen darf“. Der entsprechende Prüfauftrag liegt laut stellvertretender Regierungssprecherin Ulrike Demmer (48) bereits vor.

Erst wird Mallorca von der Liste der Risikogebiete genommen, dann werden neue Beschlüsse zu Tests für alle gefasst und nun soll alles wieder rückgängig gemacht werden – der Kurs der Bundesregierung stößt momentan vielen auf. Dabei betreffen die Änderungen nicht nur Urlauber, sondern auch und vor allem die Tourismusbranche. Und die ist genervt.

Auslandsreiseverbot ist ein „Rückwärtssalto“

„Aus dem Zickzackkurs der Bundesregierung wird nun ein Schlingerkurs mit doppeltem Rückwärtssalto“, sagt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig, TRAVELBOOK. Die Balearen aufgrund niedriger Corona-Inzidenzen von der Liste der Risikogebiete zu nehmen sei eine faktenbasierte Entscheidung gewesen. Die anschließenden Beschlüsse hingegen könne man nicht mehr nachvollziehen.

Auch beim Deutschen Ferienhausverband (DFV) ist man frustriert. „Der Wunsch der Bundesregierung, Reisen ins Ausland zu verbieten, passt leider ins Bild. Statt einer vernünftigen Strategie reagiert man reflexartig mit kopflosen Verboten“, sagt Geschäftsführerin Michelle Schwefel TRAVELBOOK. Sollte das Auslandsreiseverbot kommen, sei dies ein „weiteres verheerendes Signal für die Reisebranche“.

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Verbot wäre „nächster Rohrkrepierer“

Zudem stellt Schwefel den Nutzen der Maßnahme infrage. So sei es bislang noch fraglich, ob ein angedachtes Auslandsreiseverbot überhaupt verfassungs- und europarechtlich möglich sei, da es die persönliche Freiheit umfassend einschränken würde. „Es ist aus unserer Sicht sinnvoller, die bestehenden Instrumente wie Hygieneprotokolle, Schutzmaßnahmen, Nachverfolgung und Testung zu nutzen, Freiräume zu schaffen und Normalität zu ermöglichen“, sagt Schwefel. Man könne auf diese Weise auch gewährleisten, dass die Bevölkerung die notwendigen Maßnahmen weiter mehrheitlich mittrage.

Hoffnung, dass das Auslandsreiseverbot nicht kommt, machte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Carsten Schneider, im ZDF Morgenmagazin. Dort sagte er, Reisen sei ein Grundrecht und ein angedachtes Verbot wäre „der nächste Rohrkrepierer“. Noch sind also weiterhin viele Fragen offen. DRV-Präsident Fiebig resümiert ernüchtert: „Die Bundesregierung hat Kurs und Kompass verloren.“

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