Hunderttausende Fahrgäste betroffen

Bahn sperrt ab 2019 monatelang mehrere Hauptstrecken

Ein ICE fährt über die Bahnstrecke Hannover-Göttingen. Auf die Bahnreisenden kommen in den nächsten Jahren monatelange Vollsperrungen von ICE-Routen zu. Die Deutsche Bahn erneuert u.a. die 27 Jahre alte Schnellfahrstrecken Hannover-Würzburg. Als erstes wird 2019 der Abschnitt Hannover-Göttingen sechs Monate lang gesperrt - vom 11. Juni bis 14. Dezember
Ein ICE fährt über die Bahnstrecke Hannover-Göttingen. Auf die Bahnreisenden kommen in den nächsten Jahren monatelange Vollsperrungen von ICE-Routen zu. Die Deutsche Bahn erneuert u.a. die 27 Jahre alte Schnellfahrstrecken Hannover-Würzburg. Als erstes wird 2019 der Abschnitt Hannover-Göttingen sechs Monate lang gesperrt - vom 11. Juni bis 14. Dezember
Foto: dpa picture alliance

Die Bahn hat bereits viel Ärger, weil ihre ICE zu oft verspätet sind. Jetzt kommt es für Reisende noch dicker. Vom kommenden Sommer an müssen Strecken gesperrt werden, die zu den wichtigsten Verkehrsadern gehören.

Auf die Bahnreisenden kommen in den nächsten Jahren monatelange Vollsperrungen von ICE-Routen zu. Die Deutsche Bahn erneuert die 27 Jahre alten Schnellfahrstrecken Hannover-Würzburg und Mannheim-Stuttgart grundlegend, wie das Unternehmen in Berlin mitteilte.

Als erstes wird 2019 der Abschnitt Hannover-Göttingen sechs Monate lang gesperrt – vom 11. Juni bis 14. Dezember. Es folgt die Strecke Mannheim-Stuttgart, die vom 10. April bis 31. Oktober 2020 nicht befahrbar sein wird. Der Abschnitt Göttingen-Kassel wird von April bis Juli 2021 unterbrochen. Dann kommt im Jahr 2022 die Trasse Fulda-Würzburg dran und schließlich 2023 der Gleisstrang von Kassel nach Fulda.

Bei einigen Strecken sind jeden Tag 66.000 Fahrgäste betroffen

Die Bahn warb um Verständnis für die Serie von Großbaustellen. Sie sei unvermeidbar: Die beiden ICE-Strecken seien seit ihrer Eröffnung 1991 im Dauerbetrieb. Auf der 327 Kilometer langen Trasse zwischen Hannover und Würzburg fahren täglich 110 Fernzüge mit rund 42.000 Reisenden durch Niedersachsen, Hessen und Bayern, außerdem im Durchschnitt 26 Güterzüge.

Noch höher ist die Belastung auf den 99 Kilometern von Mannheim nach Stuttgart: Dort verkehren jeden Tag 185 Fernzüge mit 66.000 Fahrgästen, hinzu kommen 24 Güterzüge.

Die übliche regelmäßige Instandhaltung reiche nun nicht mehr aus, heißt es bei der Bahn. „Wir müssen jetzt grundlegend ran, um die Qualität der Schnellfahrstrecke für künftige Generationen weiter gewährleisten zu können“, machte der Leiter des Sanierungsprojekts Hannover-Würzburg, Hannes Tesch, deutlich.

Bei den Bauarbeiten werden Gleise, Weichen, Schotter, aber auch die Oberleitungsmasten sowie die Strom- und Sicherungstechnik erneuert. Für die Arbeiten von Hannover bis Göttingen hat die Bahn 175 Millionen Euro veranschlagt. Die Sanierung der gesamten Strecke von Hannover nach Würzburg soll 640 Millionen Euro kosten. Die Trasse Mannheim-Stuttgart wird für 185 Millionen Euro auf Vordermann gebracht. Da es sich um eine sogenannte Ersatzinvestition handelt, übernimmt der Eigentümer Bund die Kosten fast vollständig, wie ein Bahnsprecher erläuterte.

Meine irre ICE-Odyssee mit der Deutschen Bahn

Auch nicht gesperrte Hauptstrecken werden betroffen sein

Auch alle Fahrgäste, deren Verbindungen über die gesperrten Strecken fahren, werden länger unterwegs sein. Zu diesen Routen gehören zum Beispiel Hamburg-Frankfurt, Berlin-Frankfurt und Frankfurt-München. Weil auf den Umleitungsstrecken weniger Züge Platz haben, können dort auch weniger ICE und Intercitys eingesetzt werden als sonst üblich.

Bei der Bahn sind Verspätungen gerade in den vergangenen Monaten ein großes Thema. Im August kamen drei von zehn Fernzügen unpünktlich ans Ziel. In den ersten acht Monaten lag die Pünktlichkeitsquote unter 76 Prozent. Eigentlich wollte die Bahn 82 Prozent erreichen. Hauptgrund für die Verspätungen waren aber nicht die vielen Baustellen, sondern Störungen an Fahrzeugen und Infrastruktur in den Hitzemonaten des vergangenen Sommers sowie mehrere Unwetter.