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Traditionsstrecke

Bahn streicht ersatzlos beliebte Verbindung – jetzt hagelt es Kritik

Bahn Berlin Sylt
Eine direkte Bahnverbindung zwischen Berlin und Sylt wird es künftig nicht mehr gebenFoto: dpa picture Alliance

Mehr als 40 Jahre lang konnte man von Berlin bequem mit einem Direktzug nach Sylt fahren. Doch damit ist nun Schluss: Die Deutsche Bahn hat die eigentlich gut gebuchte Direktverbindung ersatzlos gestrichen. Die Entscheidung stößt bei vielen auf Unverständnis.

Der Intercity fuhr täglich um kurz nach 9 Uhr am Berliner Hauptbahnhof los, etwa fünfeinhalb Stunden später rollte er in Westerland auf Sylt ein. Doch wegen Bauarbeiten auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg fährt dieser Zug bereits seit September nicht mehr, Fahrgäste nach Sylt müssen seitdem in Hamburg umsteigen. Und das soll auch zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember so bleiben: Eine Direktverbindung von Berlin nach Sylt wird es bis auf Weiteres nicht mehr geben.

„Das ist schon sehr enttäuschend“, sagt Peter Cornelius vom Landesverband Berlin-Brandenburg des Fahrgastverbandes Pro Bahn zu TRAVELBOOK. „Vor allem für ältere Leute ist es schwierig, wenn sie mit Gepäck am ständig überfüllten Hauptbahnhof in Hamburg umsteigen müssen.“ Er könne sich vorstellen, dass viele Berliner künftig andere Reiseziele als Sylt bevorzugen, die leichter zu erreichen seien.

Auch bei der Sylt Marketing GmbH, die die Insel bewirbt, stößt die Streichung der Zugverbindung auf Unverständnis: „Das Aus für die direkte Bahnanbindung zwischen Berlin und Westerland ist aus unserer Sicht ein herber Verlust“, sagt Sprecherin Jutta Vielberg zu TRAVELBOOK. Sylt werde zwar trotz des Wegfalls der direkten Zugverbindung ein beliebtes Urlaubsziel für die Berliner bleiben. „Allerdings werden womöglich weniger Gäste mit der Bahn anreisen und stattdessen auf weniger klimafreundliche Verkehrsmittel umsteigen – ein falsches Signal für die Zukunft.“

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Warum hat die Bahn die Verbindung Berlin-Sylt gestrichen?

Der Ärger über die gestrichene Verbindung Berlin-Sylt ist also groß. Aber warum hat die Deutsche Bahn diese Entscheidung überhaupt getroffen? Zumal die Verbindung laut dem Bericht der „Berliner Zeitung“ für den Konzern ein durchaus lukratives Geschäft gewesen sein soll.

Laut Peter Cornelius vom Fahrgastverband Pro Bahn hat die endgültige Streichung der Verbindung Berlin-Sylt wohl mit dem Bahn-Konkurrenten Flixtrain zu tun. Die Bahn habe den Zug zwischen Berlin und Sylt künftig eine Stunde früher um 8:05 Uhr einsetzen wollen. Allerdings ist dieser Slot bereits von Flixtrain auf der Strecke Berlin-Hamburg besetzt.

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn bestätigt auf TRAVELBOOK-Nachfrage: „Im Zuge des diskriminierungsfreien Vergabeverfahrens der Fahrplantrassen im bundesdeutschen Schienennetz durch die DB Netz AG wurde die von DB Fernverkehr bestellte Trasse zwischen Berlin und Hamburg einem anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen im Fernverkehr zugesprochen. Daher ist auf der Verbindung von Berlin nach Westerland zunächst ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 ein Umstieg in Hamburg notwendig.“

So weit, so nachvollziehbar. Doch Pro-Bahn-Sprecher Cornelius betont: „DB Fernverkehr und Flixtrain können ihren Trassenstreit nicht auf dem Rücken der Fahrgäste austragen. Wir als Fahrgastvertreter werden massiv darauf hinwirken, dass beim Deutschlandtakt die Angebote verbessert werden und die Verkehrsunternehmen sich systemgerecht verhalten.“

Eine gute Nachricht für potenzielle Sylt-Urlauber aus Berlin gibt es aber. In der Gegenrichtung, also von Sylt nach Berlin, wird es ab 12. Dezember wieder einen direkten Intercity geben. Und auch für die umgekehrte Richtung besteht zumindest noch Hoffnung, dass sie bald wieder befahren werden könnte. „Spätestens für den Sommer 2022 arbeitet DB Fernverkehr an einer Alternativlösung für eine durchgehende Verbindung von Berlin nach Westerland“, erklärt die Bahn-Sprecherin.