Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

Corona drängte Urlauber nach Bayern

Bayerische Alpen: 2021 gab so viele Unfälle wie noch nie

Wandern in den Alpen in Bayern
Beim Wandern in den Alpen in Bayern sind in diesem Jahr ungewöhnlich viele Unfälle passiert. Foto: Getty Images

Skifahren ist ein gefährlicher Sport, auf der Piste gehören Unfälle zum Alltag. In den bayrischen Alpen sind in diesem Jahr so viele Menschen verunglückt, wie noch nie zuvor. Doch die meisten Unfälle passierten nicht auf der Skipiste, sondern beim Wandern.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie musste der Urlaub häufig vom Ausland nach Deutschland verlegt werden. So war es im vergangenen Winter schwierig, den Skiurlaub in Österreich oder der Schweiz zu verbringen. Aber auch den Sommer haben 2021 viele Menschen in den bayerischen Alpen verbracht. Das führte zu volleren Wanderwegen – und einem traurigen Rekord.

2021 gab es so viele Unfälle in den Alpen wie noch nie zuvor. Das geht aus Daten der Bergwacht Bayern hervor. 3650 Mal mussten Bergretter im Sommer ausrücken. Das waren 250 Einsätze mehr als im Vorjahr. Ein paar Jahre zuvor, 2017, hatte es nur 2.840 Einsätze gegeben.

Hoher Druck auf die bayerischen Alpen

Grund für die starke Zunahme an Unfällen ist unter anderem die Pandemie. Grenzschließungen und komplizierte Regelungen haben dazu geführt, dass mehr Menschen in den bayrischen Alpen geurlaubt haben, als in den vergangenen Jahren. Und weil vor allem im Sommer deutlich mehr Menschen im Gebirge unterwegs waren, kam es zu häufigeren Einsätzen der Bergrettung. Das erklärt Bergwachtsprecher Roland Ampenberger. „Der Zuspruch zur Aktivität im Freien auf dem Hintergrund der Infektionsgefahr, die eingeschränkten Möglichkeiten für andere Sportarten und die Reiseerschwernisse führten auch in diesem Sommer zu einem sehr hohen Nutzungsdruck.“

In Berchtesgaden war 2021 ein besonderes Unglücksjahr. Denn alleine in den Berchtesgadener Bergen starben im vergangenen Jahr 18 Menschen – sonst sei mit zehn bis zwölf zu rechnen, wie der Polizeibergführer Jörg Fegg sagt. Auch ihn hat der Ansturm überrascht: „Mit der Aufhebung des Lockdown hat es mit den Skitouren angefangen. Wir sind überrannt worden in dem kleinen Talkessel, weil man nicht nach Österreich durfte. Das hat sich im Sommer fortgesetzt.“

Auch interessant: Was unterscheidet eigentlich Trekking von Wandern?

Unfälle in den Alpen nehmen bereits seit einigen Jahren stetig zu. Das dürfte daran liegen, dass Bergsport im Trend ist. Im österreichischen Tirol aber sind die Unfallzahlen im vergangenen Sommer sogar leicht zurückgegangen. Von Anfang Mai bis Anfang Oktober sind in Österreichs Bergen 3860 Menschen in Unfälle verwickelt gewesen, 200 weniger als im Vorjahr. Das geht aus den Zahlen des österreichische Kuratoriums für alpine Sicherheit hervor.

Wie vor Unfällen in den Alpen schützen?

Das häufigste Problem sei die fehlende „alpine Basisausbildung“ erzählt Fegg. So verlassen sich Kletterer häufig lieber auf das GPS als auf die Markierungen und Eltern nutzen mit Kindern Klettersteige, die für diese noch zu schwierig sind. Die meisten Unfälle geschehen beim Wandern, gefolgt vom Mountainbiken. Denn das E-Bike ermöglicht auch eher unerfahrenen Sportlern Pfade, die diese vorher nicht genutzt hätten. Das hat Folgen.

Auch interessant: Extremwandern für Anfänger – so klappt’s!

Das Jahr 2022 könnte sogar noch gefährlicher werden. Denn anders als im Vorjahr sind die Skilifte nun wieder in Betrieb. Obwohl selten jemand auf der Piste stirbt, sind Unfälle sehr häufig. Im vergangenen Jahr hatte die ausgefallene Saison in den bayerischen Alpen für weniger Skiunfälle gesorgt, als sonst.

mit Material der dpa

Themen