Berlin

Keine Flüge mehr von Tegel – was wird jetzt aus dem Flughafen?

Mitglieder der Crew des letzten Linienflugs vom Flughafen Tegel winken zum Abschied – wie geht es nun mit dem Berliner Flughafen weiter?
Foto: dpa picture alliance

Der BER hat eröffnet, der innenstadtnahe Flughafen Tegel ist nun Geschichte. Am Sonntag, dem 8. November, hob das letzte Flugzeug ab. Warum der letzte Flug mit einer Air-France-Maschine war, ob Besucher noch einmal in den Flughafen dürfen und was nun mit dem Gelände passiert – TRAVELBOOK weiß Bescheid.

Am 31. Oktober hat, mit vielen Jahren Verspätung, der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet und somit das Ende des Flughafens Tegel besiegelt. Der „Flughafen der kurzen Wege“ war eng und chaotisch – aber stadtnah und geliebt.

Die Berliner hätten ihren Flughafen „Otto Lilienthal“ gerne noch länger behalten. Im September 2017 stimmten 56 Prozent für den Weiterbetrieb, aber der rot-rot-grüne Senat ließ sich vom nicht bindenden Volksentscheid in seiner Politik nicht beirren. Kritiker plädierten zwar dafür, wegen knapper Kapazitäten am BER Tegel noch weiterzubetreiben. Aber die Corona-Krise räumte diese Zweifel aus dem Weg, denn der Flugbetrieb brach ein.

Am Samstag nutzten Tausende Menschen beim Besuchertag die Gelegenheit, sich am Flughafen noch einmal zwischen Tower und Terminal A umzusehen und von ihrem Flughafen zu verabschieden. Am Tag darauf, dem 8. November, startete um 15.00 Uhr eine Air-France-Maschine als letzter Flieger vom innerstädtischen Flughafen im Westteil der Stadt. Symbolträchtig wurde ein Flug von Air France gewählt, weil die Airline vor 60 Jahren als erste Linienflüge ab Tegel anbot.

Ganz alleine steht der Abflug um 15:00 Uhr der letzten Linienmaschine vom Berliner Flughafen Tegel (TXL) nach Paris auf der großen Anzeigetafel in Terminal A

Ganz alleine steht der Abflug um 15:00 Uhr der letzten Linienmaschine vom Berliner Flughafen Tegel (TXL) nach Paris auf der großen Anzeigetafel in Terminal A
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Etwa eine Stunde nach dem letzten Abflug übergab Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup einen symbolischen Schlüssel an den Regierenden Bürgermeister Müller und am Abend wurde das Licht gelöscht.

Der schwerste Abschied ist der von Tegel selbst

„Ich wusste, dass der Tag kommen und Tegel für immer schließen würde. Aber als es jetzt tatsächlich so weit war, traf mich die Erkenntnis hart und ließ mein Herz schwer werden.

Ich bin gebürtige Berlinerin und der Flughafen Tegel gehört(e) für mich zur Hauptstadt wie für Touristen der Fernsehturm oder das Brandenburger Tor. Kaum eine Großstadt hat mitten in ihrem Herzen einen so besonderen, einzigartigen Flughafen, der Fliegen so einfach und unkompliziert machte. 28 Minuten von der Autotür zum Flieger – das gab es nur in Tegel. Ich war nicht mal ein Jahr alt, als ich mit meinen Eltern zum ersten Mal in meinem Leben geflogen war. Abflughafen: Tegel. Die Mehrzahl meiner Sommerferien begann am Terminal A in Tegel.

Wenn mich als Teenager das Fernweh gepackt hatte und keine Reise in Sicht war, stieg ich mit meiner besten Freundin in den Bus. Zielhaltestelle: Flughafen Tegel. Das Gelände zu betreten, durch die Halle mit den eigentlich eher langweiligen Geschäften zu schlendern, den Ansagen zu lauschen und Abreisenden voller Neid hinterherzuschauen, hat mich mit Glück erfüllt. Als junge Erwachsene trat ich auch meine erste Fernreise von Tegel aus an.

In den vergangenen Jahren habe ich zahlreiche, emotionale Wiederkehrten und Abschiede am Flughafen Tegel miterlebt – der schwerste Abschied ist jetzt der von Tegel selbst. Für viele nur ein Flughafen wie jeder andere auch, wird er für mich immer ein ganz besonderer Ort bleiben, den ich mit Fernweh, Vorfreude, Glück und Herzschmerz verbinde. Und an den ich mich bis zu meiner letzten Reise immer gerne erinnern werde.“ – Laura Graichen, Ur-Berlinerin und Redakteurin bei myHOMEBOOK

Nun fliegt niemand mehr von Tegel ab – doch wie geht es nun mit dem Flughafen weiter?

Flughafen Tegel wird Wohnungs- und Innovations-Viertel

Zunächst einmal bleibt er ein Flughafen – zumindest auf dem Papier. Erst in einem halben Jahr, am 5. Mai 2021, wird der Flughafen Tegel „aus der verwaltungsrechtlichen Planfeststellung entlassen und ist dann endgültig kein Flughafen mehr“, wie es in einer Pressemitteilung der Tegel Projekt GmbH heißt, die das Gelände des Flughafens übernehmen wird.

Auf 500 Hektar soll dann „eine Stadt der Zukunft entstehen, sozial, nachhaltig, hochinnovativ“, sagt Dr. Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH. Konkret ist bisher laut Website geplant, dass in den ehemaligen Gebäuden des Flughafens mit der „Urban Tech Republic“ bis zu 1000 große und kleinere Unternehmen mit 20.000 Beschäftigten, sowie die Beuth Hochschule mit mehr als 2500 Studierende einziehen. Außerdem ist das neue Wohnviertel „Schumacher Quartier“ geplant, in dem 5000 Wohnungen, dazu Kitas, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten entstehen sollen.

Pläne und ein Nutzungskonzept seien bereits fertig und man wolle schon 2021 mit den Vorbereitungen für den ersten Bauabschnitt beginnen. Ab 2022 werden die bestehenden Gebäude saniert und es beginnen erste Baumaßnahmen. Fünf Jahre später, als0 2027, sollen dann, wenn alles nach Plan läuft, die ersten Mieter einziehen können.

Flughafen Berlin Tegel

So kannte man bisher den Berliner Flughafen „Otto Lilienthal“ in Tegel
Foto: Getty Images

Kann man den Flughafen Tegel jetzt noch besichtigen?

Bevor die ersten Bagger anrollen, wird der Flughafen im Sommer 2021 noch ein letztes Mal seine Tore öffnen. Im August plant die Tegel Projekt GmbH einen „Tag der offenen Tür“. Dann sollen nicht nur die Terminals und Hallen begehbar sein, sondern auch das Rollfeld und die Start- und Landebahnen.

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Der Flughafen Tegel war mit mehr als 24 Millionen Fluggästen im vergangenen Jahr unter den deutschen Standorten die Nummer 4 im Passagier-Ranking nach Frankfurt, München und Düsseldorf.