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„Disgusting Food“

Neue Ausstellung in Berlin feiert ekliges Essen

Tarantula als Suppeneinlage
Eine Tarantula als Suppeneinlage gibt es im Disgusting Food Museum Berlinzu sehen.Foto: Annette Riedl/dpa

Mit gegrilltem Meerschweinchen oder Schafsaugen in Tomatensaft lockt die Ausstellung „Disgusting Food“. Mitten in Berlin lassen sich Gerichte anschauen und riechen, die auch Ekel auslösen können.

Rosenkohl, Blutwurst oder Leberkäse – das weckt bei manchen Menschen Kindheitserinnerungen an nicht leer gegessene Teller. All das kann noch getoppt werden, von den vermeintlich ekligsten Gerichten der Welt. Die Ausstellung „Disgusting Food Museum“ in Berlin präsentiert etwa einen Smoothie aus einem Frosch, ein Schnitzel aus dem Euter einer Kuh oder Milbenkäse.

Sortiert sind die gewöhnungsbedürftigen Speisen nicht nach Ländern, sondern nach Lebensmitteln. „Man kann es quasi wie ein Menü aus mehreren Gängen erleben“, sagte Direktor Martin Völker. Los geht es mit Drinks: Bibergeil ist ein Schnaps, angereichert mit dem Aroma aus den Analdrüsen des Bibers. Oder Eierlikör aus Straußeneiern.

Eingelegte Schlange
Eingelegte Schlange – der Schlangenschnaps „Habushu“ soll dem Volksglauben nach anregend auf die Libido wirken.Foto: Annette Riedl/dpa

Gänsestopfleber, Hunde und heilige Kühe

Wer glaubt, es seien lediglich Gerichte aus fernen Ländern ausgestellt, liegt falsch. „Wir wollten nicht mit einem kolonialen Blick auf andere Länder schauen“, sagt Völker. „Deshalb haben wir versucht, zu jedem Gericht auch ein ähnliches aus Deutschland zu finden.“ So gibt es in der nächsten Abteilung ein bekanntes Gericht: Gänsestopfleber. „Hier steckt der Ekel nicht im Produkt, sondern in der Produktion“, erzählt Völker. Auf einem Monitor sieht man Videos von Gänsen, die gemästet werden.

„Wir ekeln uns vor Sachen, die uns fremd sind oder zu nah“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann. „Wir würden hier keinen Hund essen, weil der uns zu nah ist.“ In Indien hingegen sei es unvorstellbar, die heilige Kuh zu essen.

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„Wir triggern die Leute mit dem Begriff Ekel“, sagt Direktor Völker. Grundsätzlich will er mit der Ausstellung nicht nur Aufmerksamkeit erreichen, sondern auch aufklären – zu Themen wie Nachhaltigkeit und Tierwohl. So werden für die Ausstellung keine Tiere unnötig getötet. „Die Bullenhoden bekommen wir als Schlachtabfall von einem Zerlegebetrieb“, sagt Völker. Andere Gerichte, die sich nicht so lange halten, wie das gegrillte Meerschweinchen aus Peru, wurden aus speziellen Kunststoffen möglichst authentisch nachgeformt.

„Disgusting Food“ – Punkband der Berliner Museen

Die Besucherinnen und Besucher dürfen nah ran an die Objekte, Fotos machen und riechen – in der Abteilung Fisch zum Beispiel an einem fermentierten Hai aus Island. „Wir wollen die Punkband der Berliner Museen sein“, so Völker.

Bullenhoden
Kutteln (l-r) , Bullenhoden und Bullenpenis im Disgusting Food Museum Berlin, dem Museum gegen den guten Geschmack.Foto: Annette Riedl/dpa

Zum Abschluss darf ein Dessert natürlich nicht fehlen, sie wirken vergleichsweise harmlos: Schokoriegel mit Wasabi-Füllung aus Japan liegen neben salziger Lakritze. Die Idee der Ausstellung stammt aus dem schwedischen Malmö. Die Macher hinter dem deutschen Ableger haben laut Völker selbst alle Exponate getestet.

Wer sich traut, kann zum Abschluss auch probieren. „Die Tasting Bar ist der wichtigste Ort der Ausstellung“, sagt Völker. Los geht es mit einem kleinen Wurm. Die hartgesottenen Besucherinnen und Besucher dürfen dann auch in einen Käfer beißen. Wenn der Magen rebelliert, gibt es eine Kotztüte dazu.

Süßes ist nicht giftig

Evolutionär gesehen ist der Ekel laut Ernährungswissenschaftlerin Neumann ein Schutzmechanismus des Körpers. „Natürlicherweise mögen wir süß gerne, weil die Lebensmittel meist sehr nährreich und nicht giftig sind“, sagt Neumann. Ekel könne zudem auch eine kollektive Haltung sein, die erlernt wurde. Diese Form des Ekels könne trainiert werden: „Das Gefühl kann sich normalisieren. Je häufiger man mit etwas konfrontiert wird, umso eher sinkt die Hemmschwelle.“