Joon, Wow Air, Primera

Diese Billig-Airlines stecken in der Krise

Diese drei Airlines haben aktuell Probleme: Primera Air, Joon und Wow Air
Diese drei Airlines haben aktuell Probleme: Primera Air, Joon und Wow Air
Foto: dpa picture alliance / Getty Images

Nach dem Flugchaos-Sommer stecken wir nun offenbar mitten in einem Pleiten-Herbst: Aktuell gibt es fast wöchentlich Nachrichten über Airlines, die vor dem Aus stehen. TRAVELBOOK erklärt, welche Airlines aktuell Probleme haben und warum das so ist..

Wer schon einmal Langstreckenflüge gebucht hat weiß, wie schnell die Preise in die Höhe schießen. Deswegen freuen sich viele Reisende über günstige Tickets von Billig-Airlines.

Was steckt dahinter? Und welche Airlines sind bereits abgeschrieben? TRAVELBOOK klärt auf.

Joon

Die Airline, die erst im Dezember 2017 startete, bietet Flüge in Europa und auch auf der Langstrecke an. Als Tochter von Air France sollte sie besonders Millenials ansprechen – also junge Leute mit wenig Geld. Doch der neue Chef von Air France, Benjamin Smith, verkündete in der vergangenen Woche, dass Joon eingstellt werden solle, wie die französische Tageszeitung „Le Figaro“ berichtete.  Es mangele an einem klaren Konzept.

Tatsächlich hatte Air France ursprünglich geplant, mit der Linie „Transavia“ günstige Langstreckenflüge anzubieten. Ob „Transavia“ nun doch kommt, ist aktuell noch genauso offen wie das endgültige Ende von Joon, denn bisher hat der Aufsichtsrat den Beschluss nicht nicht abgesegnet.

Joon – was taugt die neue Billig-Tochter von Air France?

Wow Air

Bei Wow Air gibt es bereits seit Monaten immer wieder schlechte Nachrichten. Nachdem das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, unter anderem auf Grund von gestiegenen Kerosinpreisen, großen Verlusten und unbezahlten Flughafengebühren, sollte es eine Übernahme von Icelandair geben. Die platzte jedoch.

Kurz vor der endgültigen Pleite wurde Wow Air dann noch von dem US-Alleininvestor Indigo Partners, zu dem u.a. auch Wizz Air gehört, gerettet. Dennoch musste Wow Air einsparen und gab bereits je zwei Airbus A320 und A330 zurück.

Die Regeln für Handgepäck und Gepäck bei Wow Air

Primera Air

Nach 14 Jahren Betrieb verkündete Primera Air im Oktober das Aus. Die dänisch-lettische Fluggesellschaft flog bis dahin nach eigenen Angaben 97 Ziele in 20 Ländern an. Als Grund für das Ende gab Primera Air neben der zunehmenden Abnutzung der eigenen Flotte vor allem die erst 2018 eingeführten und unerwartet zu kostspielig gewordenen Langstreckenflüge an.

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Auch hier waren gestiegene Treibstoffpreise eine der Ursachen. Aber auch große Verzögerungen bei den Flugzeugauslieferungen hätten zu weitere Problemen geführt: Wegen fehlender Flugzeuge mussten Flüge storniert werden und andere angemietet werden.

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Small Planet und Monarch Airlines

Neben den Low-Cost-Airlines hatten auch weitere Airlines 2018 große Probleme. Der deutsche Ferienflieger Small Planet musste ebenfalls im Oktober den Betrieb einstellen, nachdem es im Sommer immer wieder zu extremen Verspätungen und daraus folgenden hohen Entschädigungszahlungen gekommen war. Auch die britische Monarch Airlines, die bis dato die fünftgrößte Airline des Landes mit fast 50-jähriger Tradition, stellte dieses Jahr nach der Pleite den Betrieb ein.

Warum haben so viele Airlines finanzielle Schwierigkeiten?

Das Problem ist, dass viele Airlines auch in guten Zeiten nur eine kleine Gewinnspanne haben, wie Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt auf Nachfrage von TRAVELBOOK erklärt. „Der Luftverkehr ist ein Geschäft mit hartem Wettbewerb, der vor allem über den Preis ausgetragen wird.“

Ein Problem sei dabei der Ölpreis. Kerosin sei der mit Abstand größte Kostenblock in der Kalkulation einer Airlines – von Oktober 2016 bis Oktober 2018 hat sich Kerosin um 45 Prozent verteuert. „Hinzu kommt der Verdrängungswettbewerb, in dem die Großen der Branche aufgrund ihrer finanziellen Reserven einfach die besseren Karten haben“, so Großbongardt. Auch Flugausfälle könnten in Extremfällen wie bei Small Planet zu einem bedeutenden Faktor werden.

All diese Faktoren kosten die Airlines viel Geld. Wenn wie in diesem Jahr die Kerosinpreise stark steigen, dann schmilzt dieser Gewinn von wenigen Euro pro Ticket ganz schnell dahin, weil es praktisch nicht möglich ist, diese Mehrkosten durch Preiserhöhungen an den Kunden weiterzugeben. „Viele Kunden wollen billig fliegen oder überhaupt nicht“, sagt Großbongardt.

Dennoch prophezeit Großbongardt, dass wir auch in Zukunft Billig-Airlines auf der Langstrecke sehen werden. Zu hoffen bleibt uns, dass sich zumindest das Flugchaos von 2018 nicht im neuen Jahr wiederholt – auch wenn Experten genau das schon befürchten.