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Coronakrise

Tourismusbeauftragter der Bundesregierung: »Ich rechne mit einem Reiseboom im Sommer

ein leerer Strand auf Mallorca
Zurzeit sind Reisen noch schwierig vorstellbar. Im Foto: ein leerer Strand auf Mallorca.Foto: dpa Picture Alliance

Ab wann kehrt wieder so etwas wie Normalität in der Reisebranche ein? Können wir vielleicht zu Ostern schon wieder verreisen, und wie steht es um Pfingsten und den Sommer? Diese Fragen stellen sich derzeit Millionen Deutsche. Nun hat sich der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung zu diesem Thema geäußert und erste Prognosen gemacht.

Die Bundesregierung geht ab Sommer von einem deutlich verbesserten Geschäft der krisengebeutelten Tourismusbranche aus. Ostern werde vermutlich noch schwach ausfallen, aber Pfingsten dürfte es wieder größere Freiheiten geben, sagte der Tourismusbeauftragte der Regierung, Thomas Bareiß, in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich glaube aber, dass im Sommer schon ein Boom entstehen wird.“ Teilweise könne die Branche dann Einbußen aus dem Winter und Frühjahr aufholen.

Eine Pleitewelle befürchtet er nach eigener Aussage wegen der umfangreichen staatlichen Corona-Hilfen nicht. Mit zunehmenden Impfungen und mehr Schnelltests könne Reisen Schritt für Schritt wieder möglich werden. „Natürlich wird das Jahr 2021 noch ein Krisenjahr sein“, ergänzte der CDU-Politiker. Seine Hoffnung ruhe auf dem Sommer und dem zweiten Halbjahr.

Zuerst Deutschland und Europa, dann Fernziele

Reisen seien vermutlich zunächst in Deutschland und Europa wieder möglich, erst später im fernen Ausland. Viele Geschäftsreisen seien zuletzt weggefallen, hier könnten Messen und Kongresse aber teilweise nachgeholt werden. Insgesamt sei die Lust aufs Reisen hoch.

„Ich glaube nicht, dass wir eine Pleitewelle bekommen“, sagte Bareiß. Die Reisebranche sei gestärkt von zuvor zehn Boom-Jahren in die Corona-Krise gegangen. „Ich hoffe, dass wir auch relativ schnell eine Perspektive schaffen können.“ Dann könnten viele Anbieter wieder an alte Erfolge anknüpfen. Der zu Beginn der Pandemie geschaffene Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) wird vor allem von Tourismusfirmen in Anspruch genommen, darunter neben TUI und FTI auch die Lufthansa.

Die Zahl der Übernachtungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr wegen der staatlich angeordneten Einschränkungen in der Pandemie um 40 Prozent auf 299 Millionen eingebrochen. Das war der tiefste Stand seit dem Vorliegen gesamtdeutscher Ergebnisse 1992. „Verzweiflung und Existenzängste machen sich breit“, hatte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Guido Zöllick, zuletzt gesagt. Gut 75 Prozent der Betriebe bangten um ihre Existenz. Bareiß sagte, es werde wohl noch ein bis zwei Jahre dauern, bis die Reisebranche das Vorkrisenniveau wieder erreiche.

Ostern noch schwer einschätzbar

Das ist dieses Jahr Ende Mai. Inlandsreisen würden zuerst anspringen. Vor allem bei Ferienwohnungen zeichne sich bereits eine große Nachfrage ab. Hier sei eine Abgrenzung von anderen Gästen leichter möglich als in großen Hotels. „Da ist der Bedarf natürlich sehr, sehr groß.“

Die Zahl der positiven Corona-Tests ist zuletzt deutlich gefallen, weswegen aus der Wirtschaft die Rufe nach Lockerungen immer lauter werden. Die Bundesregierung will auf eine Inzidenz von unter 50 kommen, um Infektionsketten nachvollziehbar zu machen – also 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von einer Woche. Deutschlandweit liegt der Wert bei rund 80, einige Landkreise sind aber schon wieder unter der 50er-Marke. Ab dieser Grenze müsse mehr möglich sein, vor allem in Regionen mit niedrigen Neuinfektionen, so Bareiß. „Die Menschen wollen ja auch, dass es eine Perspektive gibt, dass es eine Öffnung gibt.“

Schnelltests als Grundlage für Reisen

Eine Zweiklassengesellschaft für Geimpfte und Nicht-Geimpfte dürfe es allerdings nicht geben, sagte Bareiß, ähnlich wie es auch der Ethikrat empfiehlt. Ziel müsse es sein, schnell die Impfungen auszuweiten. Im Sommer seien hoffentlich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft, was für einen ausreichenden Schutz sorgen sollte. Für Fluggesellschaften und Hotels seien zudem Tests wichtig. „Schnelltests können eine ganz wichtige und auch gute Grundlage sein für gewisse Aktivitäten, also für Reisen oder Veranstaltungen.“ Ob Passagiere auch wirklich mit vorgeschriebenen Tests reisten, müsse stichprobenartig an Flughäfen überprüft werden.

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