Europäische Lösung gesucht

Wie Tui den Sommerurlaub noch retten will

Tui Flugzeuge
Mit einem Zehn-Punkte-Plan will der Resieveranstalter Tui trotz Corona-Beschränkungen ins Sommergeschäft 2020 starten
Foto: dpa Picture Alliance

In Deutschland wird der Tourismus wieder etwas geöffnet, an vielen ausländischen Zielen bleibt die Unsicherheit für Urlauber im Sommer aber groß. Branchenprimus Tui, von der Corona-Krise hart getroffen, blickt jetzt auf entscheidende Monate.

Tui ist als weltgrößter Tourismuskonzern schwer von der Corona-Pandemie gebeutelt – das wichtige Sommergeschäft soll trotz vieler Einschränkungen aber zumindest in Teilen noch gerettet werden.

Vorstandschef Fritz Joussen hatte bereits drastische Folgen der Krise angedeutet, Tui musste fast alle Aktivitäten bis zunächst Mitte Juni einstellen. Während der Fremdenverkehr etwa in Deutschland nun wieder vorsichtig geöffnet wird, sitzt die Branche in vielen anderen Ländern praktisch weiter auf dem Trockenen. Die kommenden Monate dürften entscheidend werden.

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Tui beschloss nach der vorläufigen Absage des nahezu gesamten Programms aus Pauschalreisen, Flügen und Kreuzfahrten für den Hotelbetrieb inzwischen einen Zehn-Punkte-Plan zur Wiederaufnahme. Dieser sieht zum Schutz vor Infektionen zum Beispiel vor, dass Kunden online einchecken können, Abstandsregeln greifen, die Kapazitäten von Restaurants und Teilnehmerzahlen von Sport- und Unterhaltungs-Events verringert oder Zimmer mit speziellen Mitteln gereinigt werden. „Die Maßnahmen werden zusätzlich zu den gesetzlichen Vorschriften der jeweiligen Urlaubsländer eingeführt“, betonte der Reiseanbieter.

Die großen Veranstalter machen ihr Geschäft vor allem mit Pauschalreisen für klassische Urlaubsziele rund um das Mittelmeer. Allerdings haben sie zuletzt auch ihre Aktivitäten auf dem Heimatmarkt ausgeweitet. „Wir können relativ schnell in wenigen Tagen Vorlauf Hotels und Ferienclubs startklar machen“, hieß es bei Tui.

Veranstalter setzen auf Urlaub in Deutschland

Urlaub in Deutschland dürfte bald wieder etwas leichter möglich sein. Für Ferienwohnungen oder Campingplätze gibt es bereits Lockerungen, bis Ende Mai könnten in einigen Regionen Hotels hinzukommen. Ganz ohne Einschränkungen wie deutlich geringere Gästezahlen in Lokalen dürfte der Betrieb in diesem Jahr aber eher unrealistisch sein.

Die Kreuzfahrttochter Tui Cruises hatte zuletzt mit einer besonders schwierigen Lage zu kämpfen. Auf der „Mein Schiff 3“ versammelte sie rund 2900 eigene Beschäftigte sowie Kollegen weiterer Dienstleister, die in der Corona-Krise nicht an Land gehen durften. Dann gab es einige Infektionsfälle an Bord, der Dampfer saß in Cuxhaven fest, die gesamte Besatzung wurde getestet. Erst mit etlichen Tagen Verspätung konnten erste Crew-Mitglieder in ihre Heimatländer geflogen werden.

Tui versucht, die Kunden schon auf die Hauptsaison 2021 einzustimmen. Der Flugplan für Mitte kommenden Jahres wurde freigeschaltet. Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember 2019 war der saisontypische Verlust unterm Strich um 8 Prozent auf 129 Millionen Euro gesunken.

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Urlaubschancen für Mallorca und Griechenland

Der Reisekonzern sieht von Juli an die Chance auf einen vorsichtigen Neuanlauf von Urlaubsangeboten auf den Balearen und in Griechenland. Sofern die Corona-Infektionszahlen relativ gering blieben, gebe es „keinen Grund, dass man dort nicht hinreisen könnte“, sagte Fritz Joussen. Lokale Betriebe müssten aber die Möglichkeit erhalten, ihr Geschäft aufzunehmen: „Wenn auf Mallorca noch kein Hotel offen hat, fliegt da auch keiner hin. Wenn die aufmachen, fliegen wir die Menschen hin.“ Natürlich müsse dabei der Gesundheitsschutz Priorität haben. „Der Urlaub in Europa, wenn er denn sicher ist, sollte möglich sein.“

Auch an griechischen Zielen bessert sich seinem Eindruck zufolge die Lage. Die Branche bleibe für das Land enorm wichtig, im Sommer trage der Tourismus bis zu 40 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, so Joussen. Tui nimmt an, dass Ferienorte in Griechenland und auf Mallorca, aber auch auf Zypern ab Juli bereit für Gäste sein könnten.

In Spanien, dessen Wirtschaft ebenfalls stark vom Tourismus abhängt, gab es zuletzt jedoch auch viele kritische Stimmen. Die Regionalpräsidentin der Balearen, Francina Armengol, sprach von einer bestenfalls schrittweisen Öffnung Mallorcas in den Sommermonaten – und dabei sollten zunächst Festland-Spanier Vorrang haben. Die Zentralregierung in Madrid hatte Mitte April geschätzt, dass erst gegen Ende des Jahres mit einem größeren Neustart zu rechnen sei.

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Tui will 8000 Stellen abbauen

Tui will wegen des Geschäftseinbruchs durch die Corona-Pandemie rund 8000 Arbeitsplätze abbauen. Man wolle gestärkt aus der Krise hervorgehen. „Aber sie wird eine andere Tui sein und ein anderes Marktumfeld vorfinden als vor der Pandemie. Das macht Einschnitte erforderlich“, erklärte Tui-Chef Fritz Joussen am Mittwoch. Damit soll etwa jede zehnte der mehr als 70.000 Stellen weltweit wegfallen. Die Verwaltungskosten sollen um 30 Prozent sinken, Investitionen zurückgefahren werden. Der Tourismus gehört zu den am schwersten von der Krise betroffenen Branchen. Tui sicherte sich in Deutschland einen staatlich garantierten Überbrückungskredit von 1,8 Milliarden Euro. Aktuell verfüge das Unternehmen über 2,1 Milliarden Euro liquider Mittel.

In den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahres von Oktober bis Februar stieg der Umsatz um sechs Prozent auf 6,0 Milliarden Euro. Das operative, um Einmaleffekte bereinigte Ergebnis belief sich in der Wintersaison auf ein Minus von 240 Millionen Euro, was eine Verbesserung um ein Fünftel zum Vorjahr war. Mitte März setzte Tui dann das Reiseprogramm aus, zuletzt bis Mitte Juni. Jetzt bereitet der weltweit größte Reiseveranstalter die Hotels in Europa auf eine Eröffnung vor. „Die Saison startet später, könnte dafür aber länger dauern“, erklärte Tui.