Maßnahme zur Eindämmung des Infektionsgeschehens

Corona in Portugal – ab sofort gilt Maskenpflicht im Freien

Corona-Lage in Portugal
Masken im öffentlichen Raum sollen, wenn es nach den Vorstellungen der portugiesischen Regierung geht, Pflicht werden. Aktuell gilt in dem südwesteuropäischen Land wegen der Corona-Infektionszahlen der Katastrophenfall. Und das RKI hat auch den Norden zum Risikogebiet erklärt.
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Aufgrund steigender Corona-Neuinfektionszahlen gilt in Portugal nun eine Maskenpflicht im Freien. Ab Donnerstag dürfen Bürger und Touristen zudem die Wohnbezirke nicht verlassen. Die aktuelle Lage.

Der Katastrophenfall mit weiteren Maßnahmen ist bereits ausgerufen (siehe unten) – doch die Corona-Krise in Portugal verschärft sich weiter. Als Reaktion auf die rasant steigenden Zahlen gilt ab Mittwoch, den 28. Oktober, eine Maskenpflicht im Freien. Sie gilt für die kommenden 70 Tage – also bis zum Feiertag Heilige Drei Könige am 6. Januar.

Die genauen Regeln für die Maskenpflicht

Jeder ab einem Alter von zehn Jahren ist verpflichtet, auch im Freien eine Maske zu tragen, wenn ein Abstand von mindestens zwei Metern zu haushaltsfremden Personen nicht gewährleistet werden kann.

Von der Maskenpflicht befreit sind Kinder unter zehn Jahren oder Menschen, die ein ärztliches Attest vorlegen können, das sie von der Nutzung des Mund-Nasen-Schutzes befreit. Ebenfalls keine Maskenpflicht besteht, wenn eine Aktivität sich nicht mit der Nutzung vereinbaren lässt. Sport im Freien, beispielsweise Joggen oder Radfahren, könnten solche Aktivitäten sein, obgleich dies in der Maßnahme nicht explizit erwähnt ist.

Wer gegen die Maskenpflicht verstößt, muss mit Bußgeldern zwischen 10o und 500 Euro rechnen.

Bürger dürfen Wohnbezirke nicht verlassen – Maßnahme gilt auch für Urlauber

Um das Infektionsgeschehen einzudämmen hatte die portugiesische Regierung bereits am vergangenen Freitag auch beschlossen, dass alle Bürger des Landes zwischen dem 30. Oktober und 3. November ihren Wohnbezirk nicht verlassen dürfen. In diesen fünftägigen Zeitraum fallen sowohl Allerheiligen (1. November) als auch Allerseelen (2. November). Ziel der Maßnahme ist es, größere Menschenansammlungen zu verhindern. An Allerseelen kommen für gewöhnlich viele Familien zusammen, um der Toten zu gedenken.

Auch Urlauber dürfen in diesem Zeitraum nicht den Bezirk verlassen, in denen sie untergebracht sind. Der portugiesische Hotelverband AHP hat die Regierung bereits gebeten, Touristen von der Maßnahme auszuschließen. Der Verband weist darauf hin, dass viele Urlauber an diesen Tagen sowohl mit dem Auto, Bus oder Flugzeug reisen müssten.

Darüber hinaus hat die Regierung drei regionale Lockdowns angeordnet. Betroffen sind drei Bezirke im Norden des Landes mit insgesamt rund 161.000 Einwohnern: Paços de Ferreira, Felgueiras und Lousada. Dort sind die Infektionszahlen zuletzt besonders stark angestiegen. Die in den betroffenen Bezirken lebenden Bürger dürfen fortan ihr Haus nicht mehr verlassen. Ausnahme ist der Arbeitsweg. Des Weiteren wurden Wochenmärkte und alle Veranstaltungen mit mehr als fünf Personen untersagt. Die Maßnahmen gelten vorerst bis zum 29. Oktober.

3960 Neuinfektionen in 24 Stunden – neuer Höchstwert

Am Mittwoch meldeten die Behörden mit 2960 Fällen einen neuen Höchstwert bei den Tages-Neuinfektionen. Abzüglich der Genesenen ist die Zahl der aktiven Covid-19-Infektionen auf 51.996 gestiegen.

 Hohe Infektionszahlen werden aktuell im Großraum Porto, Braga und Guimarães verzeichnet.

Corona-Lage in Portugal – Inhaltsverzeichnis

Katastrophenfall in Portugal – die Maßnahmen im Überblick

Bereits am 14. Oktober wurden von der Regierung in Zusammenhang mit der Ausrufung des Katastropfenfalls Maßnahmen beschlossen, die das Infektionsgeschehen eindämmen sollen und noch bis zum 31. Oktober gelten. TRAVELBOOK fasst diese zusammen:

  • In der Öffentlichkeit dürfen sich nicht mehr als fünf Personen versammeln, die nicht in einem Haushalt leben; diese Einschränkung gilt auch für gewerbliche Einrichtungen und die Gastronomie (Bars und Restaurants).
  • Familiäre Feierlichkeiten wie Hochzeiten oder Taufen sind auf maximal 50 Gäste beschränkt. Darüber hinaus gilt dabei, dass „alle die Abstandsregeln einhalten und Mundschutz tragen müssen“.
  • Verbot aller akademischen Feierlichkeiten und nicht-universitären Aktivitäten an Unis und Technischen Hochschulen. Explizit genannt werden die Events für Erstsemester.
  • Verstärkte Überwachung der Einhaltung der Regeln in der Öffentlichkeit, in gewerblichen Einrichtungen und in der Gastronomie.
  • Härtere Strafen bei Verstößen gegen die Regeln. Die Bußgelder können bis zu 10.000 Euro betragen.
  • Dringende Empfehlung zur Installation der Corona-Warn-App „Stayaway Covid“ (Google Play | Apple App Store).

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Weitere Corona-Maßnahmen in Portugal

Bereits seit dem 15. September galten verschärfte Maßnahmen, dazu zählen:

  • Gewerbliche Einrichtungen dürfen nicht vor 10 Uhr öffnen (Ausnahmen: Cafés, Konditoreien, Friseursalons und Fitnessstudios)
  • Die gewerblichen Einrichtungen müssen zwischen 20 und 23 Uhr schließen (wann genau, entscheiden die einzelnen Gemeinden)
  • Der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit ist verboten
  • Kein Verkauf von alkoholischen Getränken an Tankstellen
  • Ab 20 Uhr kein Verkauf von alkoholischen Getränken in allen Einrichtungen außer Restaurants
  • keine Nutzung öffentlicher Sportanlagen

Für den Alltag wichtige Einrichtungen wie etwa Supermärkte, der Lebensmittelhandel und Apotheken müssen sich ebenfalls nicht an Öffnungszeiten halten.

Außerdem ist seit dem Frühjahr die Nutzung eines Mund-Nasen-Schutz in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften verpflichtend, ebenso die Einhaltung eines Mindestabstands von zwei Metern im öffentlichen Raum.

 

Die Corona-Maßnahmen an den Stränden

Auch für die Strände in Portugal gelten seit dem 6. Juni Regeln, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Dazu zählen unter anderem:

  • 1,5 Meter Abstand zwischen Personen, die nicht demselben Haushalt angehören
  • 3 Meter Abstand zwischen Sonnenschirmen
  • Verbot von sportlichen Aktivitäten in Gruppen von mehr als zwei Personen (Wassersport ist davon ausgenommen)
  • Einbahnsysteme: Wer sich am Strand bewegt, muss Fußgängerkorridore nutzen

 

Parallel wird mithilfe eines Ampelsystems angezeigt, wie voll ein Strand ist.

  • Grün: relativ leer (1/3)
  • Gelb: halbwegs belegt (2/3)
  • Rot: voll belegt (3/3)

Zwar ist derzeit in der Nebensaison und aufgrund der Pandemie ohnehin nicht mit vollen Stränden zu rechnen, doch wer sich über die Lage informieren möchte, kann dies anhand der App „Info Praia“ tun (Google Play | Apple App Store).

Was für Reise-Rückkehrer aus Lissabon und dem Norden gilt

Urlauber aus Risikogebieten wie Lissabon und dem Norden sind bei der Rückreise verpflichtet, sich in eine 14-tägige Quarantäne zu begeben. Zudem gilt eine Meldepflicht bei den Behörden. Das Auswärtige Amt schreibt: „Jeder, der sich in den 14 Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss sich bei der zuständigen Gesundheitsbehörde melden und die Aufenthaltsadresse angeben.“

Des Weiteren müssen Rückkehrer aus Lissabon „auf Anforderung des zuständigen Gesundheitsamtes oder der sonstigen vom Land bestimmten Stelle entweder ein negatives Testergebnis auf SARS-CoV-2 nachweisen oder innerhalb von 10 Tagen nach der Einreise einen Test machen“, schreibt das Auswärtige Amt.

 

Muss ich in Quarantäne, wenn ich aus Deutschland nach Portugal einreise?

Aktuell gibt es für Urlauber aus Deutschland keine Einschränkungen, wenn sie das portuguiesische Festland besuchen. Das heißt: Selbst wer aus einem deutschen Risikogebiet kommt, muss in Portugal nicht in Quarantäne.

Um eine Kontaktverfolgung gewährleisten zu können, müssen über den Luftweg in das südwesteuropäische Land einreisende Passagiere anhand eines „Passenger Locator“-Formulars Angaben unter anderem zum Zielort und zur Erreichbarkeit während des Aufenthalts machen. Zudem wird am Flughafen per Infrarotkameras die Körpertemperatur gemessen. Übersteigt diese 38 Grad, müssen Reisende mit weiteren Untersuchungen und Quarantäne rechnen.

Für die Azoren und Madeira gelten andere Regelungen: So wird bei der Einreise ein negativer Corona-Test verlangt, der nicht älter als 72 Stunden ist. Wer keinen Test hat, kann ihn bei der Ankunft machen und muss bis zum Testergebnis in Quarantäne bleiben.

Die Corona-Infektionslage in Portugal

Die 7-Tages-Inzidenz in Portugal

Fast ganz Portugal verzeichnet derzeit eine steigende 7-Tages-Inzidenz, das gilt insbesondere für den Norden; in Lissabon steigt die Inizidenz etwas verlangsamt. Das Auswärtige Amt warnt weiter vor „nicht notwendigen, touristischen Reisen“ in die beiden Regionen. An der Algarve im Süden des Landes liegt der Wert bei rund 60.

Die 7-Tages-Inzidenz in Portugal nach Regionen im Überblick:

  • Portugal gesamt (einschließl. Azoren und Madeira): 215,19
  • Großraum Lissabon: 167,19
  • Norden: 356,78
  • Algarve: 60,31

Die Einstufung eines Landes oder einer Region als Risikogebiet erfolgt durch das RKI in einem zweistufigen Prozess: „Zunächst wird festgestellt, in welchen Staaten/Regionen es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab“, heißt es auf der Seite des Robert-Koch-Instituts. In einem zweiten Schritt werde nach qualitativen Kriterien festgestellt, ob für Staaten/Regionen, die den genannten Grenzwert nominell unterschritten, dennoch die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliege. Kriterien sind:

  • Infektionszahlen
  • Art des Ausbruchs (lokal begrenzt oder flächendeckend)
  • Testkapazitäten und durchgeführte Tests pro Einwohner
  • ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens
  • Verlässlichkeit der Informationen

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Die Infektionslage in Portugal seit Beginn der Pandemie

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Portugal bietet Corona-Versicherung für Reisende

Was beinhaltet die Versicherung?

Da Portugal stark auf den Tourismus angewiesen ist, bietet das Land Reisenden gegen Gebühr nun auch eine Corona-Versicherung an – in Kooperation mit der Firma Bónus Seguros. Die Versicherung greift bei „unvorhergesehenen Ereignissen im Zusammenhang mit Covid-19“ und ermöglicht Rückerstattungen bei Flugstornierungen oder -unterbrechungen, heißt es auf der portugiesisch- bzw. englischsprachigen Webseite von Portugal Travel Insurance. Beim genaueren Blick auf die enthaltenen Leistungen fällt allerdings auf, dass diese recht allgemein gehalten sind. So wird beispielsweise eine Unterstützung bei Gepäckdiebstahl in Portugal zugesichert – was mit Covid-19 nichts zu tun hat.

Relevanter für Urlauber sind die unter dem Punkt „Vollständige Deckung bei unvorhersehbaren Situationen“ vermerkten Leistungen. Im Krankheitsfall bietet die Versicherung:

  • Deckung der Arzt- und Krankenhauskosten in Portugal
  • Deckung der Kosten für die Nachsorge bei einem Krankenhausaufenthalt
  • Deckung der Rückreisekosten im Fall einer Krankheit oder eines Unfalls

Die Preise der Corona-Versicherung für Portugal

Die Kosten für die Versicherung richten sich nach der Dauer des Aufenthalts in Portugal.

  • bis zu 10 Tagen: 37,20 Euro pro Person
  • 10 bis 15 Tage: 43,20 Euro pro Person
  • 16 bis 30 Tage: 48,20 Euro pro Person
  • 30 bis 60 Tage: 65,20 Euro pro Person

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Welche Erfahrungen TRAVELBOOK-Redakteure vor Ort gemacht haben

Portugiesen halten sich an Corona-Regeln, aber...

„Während meines Aufenthalts im Norden Portugals Ende Juli war ich überrascht, wie diszipliniert sich die Menschen an die Regeln hielten. Viele Portugiesen trugen sogar auf der Straße einen Mund-Nasen-Schutz und hielten die Abstandsregeln ein. Auch an den Stränden, in Supermärkten und Einkaufszentren verhielten sich die Besucher umsichtig. Doch die aktuell ansteigenden Infektionszahlen zeigen, dass das Virus sich ungeachtet dessen verbreitet. Die täglichen Neuinfektionen halten sich auf hohem Niveau, überall im Land gibt es Hotspots – vor allem in den Ballungszentren. Das RKI hat darauf reagiert und nach Lissabon auch den Norden zum Risikogebiet erklärt, das Auswärtige Amt sprach eine Reisewarnung aus.

Mit der Ausrufung des Katastrophenfalls ist die portugiesische Regierung nun einen weiteren drastischen Schritt gegangen, der mit einigen weiteren Einschränkungen im Alltag verbunden ist. Kritisch betrachtet wird das Vorhaben, die Installation der Corona-Warn-App verpflichtend zu machen. Portugiesische Datenschützer haben hierzu bereits ihre Bedenken geäußert.“ – Nuno Alves, Editorial Director TRAVELBOOK

Corona-Sicherheitsmaßnahmen in Portugal vorbildlich

„Anders als vielerorts in Deutschland tragen zahlreiche Portugiesen, darunter auch viele junge Menschen, auf der Straße einen Mund- und Nasenschutz. Dies habe ich auf meiner Portugal-Reise im September/Oktober u. a. in Lissabon, Coimbra und Porto beobachten können. Ebenso vorbildlich ist, dass in jedem Straßencafé, das ich besuchte, drinnen wie draußen Tische und Stühle regelmäßig mit Desinfektionsmittel gereinigt wurden, auch Salz- und Zuckerstreuer, Essig- und Ölflaschen. In Supermärkten werden die Kreditkarten-Lesegeräte nach jeder Benutzung desinfiziert. In einigen Geschäften erfolgt die Bezahlung mit Bargeld inzwischen kontaktlos per Kassenautomat. Touristen-Attraktionen wie beispielsweise der Elevador de Santa Justa (Personenaufzug im Zentrum von Lissabon) oder der Torre dos Clérigos (Turm/Wahrzeichen von Porto) sind derzeit nur für sehr kleine Gruppen zugänglich, sodass es – trotz des momentan geringen Andrangs – zu meist langen Wartezeiten kommt. Strenge Corona-Sicherheitsmaßnahmen gelten u. a. auch für Besucher der beliebten Portweinkellereien in Vila Nova da Gaia (Stadt gegenüber von Porto auf der anderen Flussseite des Douro). Zugang zur Portweinkellerei Cálem beispielsweise hat nur, wer sich am Eingang einer Körpertemperatur-Messung unterzieht und keine erhöhten Werte hat. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen und -maßnahmen kämpft Portugal – wie viele andere (europäische) Länder auch – mit einer steigenden Anzahl an Corona-Neuinfektionen. Portugals Staatspräsident Marcelo Nuno Duarte Rebelo sagte laut Medienberichten, dass die Lage „sehr ernst” sei. Möglicherweise müsse darüber nachgedacht werden, ob an Weihnachten Familienfeiern stattfinden könnten.“ – Gudrun Brandenburg, Redakteurin TRAVELBOOK

Im Süden ist es entspannt und leer

„Die Situation in Südportugal ist aktuell (Oktober) ziemlich entspannt. Ich bin in Aljezur an der Algarve und zumindest gefühlt sind hier gerade kaum Menschen. Viele Locals bleiben mehr zu Hause, Touristen sind nicht so viele da. Deshalb trifft man nicht viele, hat teilweise weite Landschaften, Klippen und Strände (fast) für sich allein. In anderen Städten wie Lagos ist ein bisschen mehr los. Und auch in den Supermärkten sind tendenziell ein paar mehr Menschen, an die Maskenpflicht halten sich aber anscheinend alle und die Kassiererinnen putzen jedes Mal das ganze Band ab, bevor man seine Sachen drauflegen darf. Das Gleiche gilt für Restaurants und viele Cafés. Da das Wetter gut ist, sitzen wir außerdem noch viel draußen. Insgesamt fühlt es sich hier ziemlich gut an.“ – Anna Wengel, Autorin TRAVELBOOK