Gesundheitssystem vor dem Kollaps

Die Corona-Lage in Portugal – Einreise, Maßnahmen, Inzidenzen

Corona-Lage in Portugal
Masken im Freien sind in Portugal Pflicht. Aktuell gilt in dem Land der Gesundheitsnotstand und ein harter Lockdown
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Aufgrund der kontinuierlich hohen Corona-Zahlen ist Portugal seit Freitag, den 15. Januar im harten Lockdown. Doch die Entscheidung, das öffentliche Leben konsequent und über mehrere Wochen nachhaltig runterzufahren, fiel möglicherweise zu spät. Im weltweiten Vergleich weist das Land aktuell die höchste Inzidenz auf.

Lange hat Portugal versucht, einen harten Lockdown zu vermeiden. Stattdessen versuchte die portugiesische Regierung bis zuletzt, möglichst viele Wirtschaftsbereiche und weniger betroffene Landkreise zumindest in Teilen offen zu halten. Härtere Maßnahmen wurden unter Berücksichtigung der Inzidenzen anhand eines Vier-Stufen-Konzepts umgesetzt. Doch schnell zeigte sich, dass nur vereinzelt Landkreise unter den Zielwerten blieben. Stattdessen explodieren die Neuinfektionszahlen – besonders seit den Weihnachtsfeiertagen. Seit dem 15. Januar befindet sich Portugal nun im harten Lockdown. Bildungseinrichtungen und Kitas blieben zunächst offen. Doch nun werden auch  (mehr zu den Maßnahmen lesen Sie unten).

 Mehr als Irland, der Nachbar Spanien oder die USA. Das zeigen die Daten von Our World in Data. Basis sind die durchschnittlichen Neuinfektionen am Tag pro eine Million Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Hier erreicht Portugal einen Wert von als 1063. Zum Vergleich: Deutschland liegt bei rund 160.

Die Dunkelziffer könnte sogar noch weitaus höher sein, fürchten einige Experten. Grund: Portugal verfügt nur über eine begrenzte Testkapazität. Täglich rund 50.000 Tests schafft das Land. Angesichts der Lage reichen die Ressourcen nicht aus, um flächendeckend auch asymptomatische Infektionen zu identifizieren und proaktiv das Infektionsgeschehen einzudämen. Virologen vermuten zudem, dass die britische Mutation des Coronavirus bereits in Portugal grassiert.

Schon jetzt steht das Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps, da bereits der Großteil der Intensivbetten belegt ist. Die 7-Tagesinzidenz liegt laut TRAVELBOOK-Berechnungen derzeit bei 784,70 – Tendenz steigend. Insgesamt gibt es in dem Land 157.660 aktive Covid-19-Infektionen.

Nachdem wochenlang der Norden die am stärksten betroffene Region war, ist nun wieder der Großraum Lissabon zum Hotspot des Infektionsgeschehens geworden. Die 7-Tagesinzidenz beträgt hier aktuell 911,03.

Corona-Lage in Portugal – Inhaltsverzeichnis

Die geltenden Corona-Maßnahmen in Portugal

Derzeit gilt in Portugal weiter der Gesundheitsnotstand, der bereits mehrfach verlängert und nun vorerst bis zum 30. Januar anhalten soll. Der sogenannte „estado de emergência“ war bereits im Frühjahr ausgerufen worden und geht für die Bürger – einschließlich Urlauber – mit einigen wesentlichen Einschränkungen und Pflichten einher. Des Weiteren ermöglicht er es der Regierung, zahlreiche weitere Maßnahmen zu verhängen. Dazu zählen u. a. die Möglichkeit zur verpflichtenden Messung der Körpertemperatur, etwa bei der Arbeit, im Personenverkehr, in Bildungseinrichtungen, Einkaufszentren, Sport- und kulturellen Einrichtungen, sowie die Möglichkeit, Corona-Tests verpflichtend zu machen und einzufordern (etwa bei der Ein- und Ausreise, in Gesundheits- und Bildungseinrichtungen und Pflegeheimen sowie Gefängnissen).

Des Weiteren kann die Regierung für Maßnahmen notwendige Ressourcen aus dem privaten und sozialen Bereich anfordern sowie bestimmte Personengruppen aktivieren, um bei der Kontaktverfolgung zu unterstützen, zum Beispiel Lehrer, die aktuell nicht für Unterricht eingesetzt werden, oder Soldaten.

Was der harte Lockdown in Portugal bedeutet

Im Wesentlichen beinhaltet der harte Lockdown in Portugal die gleichen Regelungen wie im Frühling: Fast alle Geschäfte müssen schließen, mit Ausnahme der für das öffentliche Leben wichtigen Einrichtungen, die die Grundversorgung der Bevölkerung gewährleisten. Im Vergleich zum Frühjahrs-Lockdown gab es zunächst aber einen entscheidenden Unterschied: Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten blieben offen. Angesichts der explodierenden Zahlen ist nun auch für Bildungseinrichtungen und Kitas eine 15-tägige Schließung beschlossen. Des Weiteren gelten u. a. folgende Maßnahmen:

  • Es gilt eine allgemeine Ausgangssperre. Lebensmitteleinkäufe, Apothekenbesuche oder sonstige wichtige Erledigungen (Arztbesuche, Pflege von Angehörigen etc.) sind möglich.
  • Pflicht zum Homeoffice, wo immer das möglich ist
  • Anhebung der Strafen bei Verstoß gegen Regeln
  • Schließung von Friseur- und Kosmetiksalons, Fitnessstudios und Kultureinrichtungen (Theater, Kinos, Museen etc.)
  • Schließung von Clubs, Zoos, Freizeitparks und Kasinos
  • Restaurants, Bars und Cafés dürfen nur noch einen Außerhaus-Service anbieten.
  • Individualsport bleibt weiter möglich.
  • Erstligasport sowie Sport auf Nationalauswahlsebene sind erlaubt, allerdings ohne Publikum.

Es gelten weiter folgende Regeln und Pflichten

  • Allgemeine Maskenpflicht im Freien
  • Pflicht zur Nutzung eines Mund-Nasen-Schutz in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften.
  • Einhaltung eines Mindestabstands von zwei Metern im öffentlichen Raum.
  • Dringende Empfehlung zur Installation der Corona-Warn-App „Stayaway Covid“ (Google Play | Apple App Store).
  • Der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit ist verboten.
  • Kein Verkauf von alkoholischen Getränken an Tankstellen.

 

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Die Corona-Infektionslage in Portugal

Die 7-Tages-Inzidenz in Portugal

Aktuell gibt es in Portugal insgesamt 157.660 aktive Covid-19-Infektionen. Die 7-Tages-Inzidenz in Portugal nach Regionen im Überblick laut TRAVELBOOK-Berechnungen:

  • Portugal gesamt (einschließlich Azoren und Madeira):784,70
  • Großraum Lissabon: 911,03
  • Norden: 708,08
  • Algarve: 545,45
  • Azoren: 129,72
  • Madeira: 262,73

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Die Einstufung eines Landes oder einer Region als Risikogebiet erfolgt durch das RKI in einem zweistufigen Prozess: „Zunächst wird festgestellt, in welchen Staaten/Regionen es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab“, heißt es auf der RKI-Seite. In einem zweiten Schritt werde nach qualitativen Kriterien festgestellt, ob für Staaten/Regionen, die den genannten Grenzwert nominell unterschritten, dennoch die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliege. Kriterien sind:

  • Infektionszahlen
  • Art des Ausbruchs (lokal begrenzt oder flächendeckend)
  • Testkapazitäten und durchgeführte Tests pro Einwohner
  • ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens
  • Verlässlichkeit der Informationen

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Was für Reise-Rückkehrer aus Portugal gilt

Seit dem 9. Januar gilt ganz Portugal laut Robert-Koch-Institut (RKI) als Corona-Risikogebiet. Das Auswärtige Amt sprach eine Reisewarnung aus.

Wer sich in den letzten zehn Tagen vor der Einreise nach Deutschland in einem Risikogebiet wie Portugal aufgehalten hat, muss sich direkt in eine zehntägige häusliche Quarantäne begeben. Das Verlassen der Wohnung oder das Empfangen von Besuch ist nicht erlaubt. Vor der Einreise gilt zudem die Verpflichtung, sich digital anzumelden. Dies geschieht auf der Website www.einreiseanmeldung.de und dient dazu, dass die Gesundheitsämter die Quarantänepflicht kontrollieren können. Nach Anmeldung auf der Seite erhält man eine PDF-Datei als Bestätigung. Airlines etwa sind verpflichtet zu überprüfen, ob eine solche Bestätigung vorliegt. Wenn nicht, kann der Flug nicht angetreten werden. In Ausnahmefällen ist eine Ersatzmitteilung in Papierform möglich.

Nach Einreise haben Gesundheitsämter die Möglichkeit, einen negativen Corona-Test zu verlangen, heißt es auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums. Falls ein solcher nicht vorhanden sei, kann man zum Test verpflichtet werden.

Wichtig: Selbst bei Vorliegen eines negativen Tests kann die häusliche Quarantäne frühestens nach fünf Tagen beendet werden.

Muss ich in Quarantäne, wenn ich aus Deutschland nach Portugal einreise?

Aktuell gibt es für Urlauber aus Deutschland keine Einschränkungen, wenn sie das portugiesische Festland besuchen. Heißt: keine Verpflichtung zur Quarantäne oder zu einem Corona-Test.

Um eine Kontaktverfolgung gewährleisten zu können, müssen über den Luftweg in das südwesteuropäische Land einreisende Passagiere anhand eines „Passenger Locator“-Formulars Angaben unter anderem zum Zielort und zur Erreichbarkeit während des Aufenthalts machen. Zudem wird am Flughafen per Infrarotkameras die Körpertemperatur gemessen. Übersteigt diese 38 Grad, müssen Reisende mit weiteren Untersuchungen und Quarantäne rechnen.

Für die Azoren und Madeira gelten andere Regelungen: So wird bei der Einreise ein negativer Corona-Test verlangt, der nicht älter als 72 Stunden ist. Wer keinen Test hat, kann ihn bei der Ankunft machen und muss bis zum Testergebnis in Quarantäne bleiben.

 

Corona-Versicherung für Portugal-Reisende

Was beinhaltet die Versicherung?

Da Portugal stark auf den Tourismus angewiesen ist, bietet das Land Reisenden gegen Gebühr nun auch eine Corona-Versicherung an – in Kooperation mit der Firma Bónus Seguros. Die Versicherung greift bei „unvorhergesehenen Ereignissen im Zusammenhang mit Covid-19“ und ermöglicht Rückerstattungen bei Flugstornierungen oder -unterbrechungen, heißt es auf der portugiesisch- bzw. englischsprachigen Webseite von Portugal Travel Insurance. Beim genaueren Blick auf die enthaltenen Leistungen fällt allerdings auf, dass diese recht allgemein gehalten sind. So wird beispielsweise eine Unterstützung bei Gepäckdiebstahl in Portugal zugesichert – was mit Covid-19 nichts zu tun hat.

Relevanter für Urlauber sind die unter dem Punkt „Vollständige Deckung bei unvorhersehbaren Situationen“ vermerkten Leistungen. Im Krankheitsfall bietet die Versicherung:

  • Deckung der Arzt- und Krankenhauskosten in Portugal
  • Deckung der Kosten für die Nachsorge bei einem Krankenhausaufenthalt
  • Deckung der Rückreisekosten im Fall einer Krankheit oder eines Unfalls

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Die Preise der Corona-Versicherung für Portugal

Die Kosten für die Versicherung richten sich nach der Dauer des Aufenthalts in Portugal.

  • bis zu 10 Tagen: 37,20 Euro pro Person
  • 10 bis 15 Tage: 43,20 Euro pro Person
  • 16 bis 30 Tage: 48,20 Euro pro Person
  • 30 bis 60 Tage: 65,20 Euro pro Person

„Die Portugiesen sind nicht mehr so diszipliniert wie im Frühjahr“

„Ich erlebe die Situation in Portugal zwar derzeit nur aus der Ferne, allerdings stehe ich im regelmäßigen Austausch mit meiner dort lebenden Familie. Meine Mutter erlebt die Situation vor Ort als immer „dramatischer“. Seit Monaten verlässt sie das Haus nur äußerst selten, um zum Supermarkt zu gehen. Die Verwandtschaft hat sie seit dem Sommer nicht mehr getroffen. Doch nicht alle Portugiesen hielten sich zuletzt derart streng an das Gebot, die Kontakte zu beschränken. Vor allem an Weihnachten und Silvester trafen sich viele Familien. Die Folgen dessen zeigen sich jetzt in den sehr hohen Infektionszahlen. Kritisch muss man auch das zögerliche Handeln der portugiesischen Regierung in den vergangenen Monaten betrachten. Um die Wirtschaft des Landes nicht noch tiefer in die Krise zu stürzen, entschloss man sich viel zu spät zum harten Lockdown. Nun droht im schlimmsten Fall beides: der wirtschaftliche Kollaps und der des Gesundheitssystems. “ – Nuno Alves, Editorial Director TRAVELBOOK