Virus breitet sich rasant aus

Coronavirus – was Reisende jetzt wissen müssen

Corona-Virus
Auch in Thailand ist das Virus angekommen. Um sich nicht anzustecken, tragen viele Menschen einen Mundschutz.
Foto: dpa Picture Alliance

Die Zahl der Infektionen und Toten durch das Coronavirus SARS-CoV-2, kurz COVID-19, steigt immer schneller. Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach China ab, immer mehr Airlines setzen Flüge dorthin aus. Alle Infos für Reisenden finden Sie hier.

Wegen der rasanten Ausbreitung der Lungenkrankheit rät das Auswärtige Amt von Reisen nach China ab. Vor einem Besuch in der schwer betroffenen Provinz Hubei wird ausdrücklich gewarnt. „Von nicht notwendigen Reisen in das übrige Staatsgebiet der Volksrepublik China mit Ausnahme der Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao wird bis auf Weiteres abgeraten“, heißt es weiter in den Reisehinweisen. Sofern man sich in China aufhalte, solle man eine  vorübergehende bzw. vorzeitige Ausreise in Betracht ziehen.

Viele Airlines wie auch die Lufthansa haben ihre Flüge nach China bereits ausgesetzt (TRAVELBOOK berichtete). Aus diesem Grund kündigte Peking eine Rückholaktion für im Ausland gestrandete Landsleute an, die aus Wuhan stammen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte Ende Januar die Ausbreitung des Virus zu einer „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite“ erklärt. Die 190 Mitgliedsländer werden damit von der WHO empfohlene Krisenmaßnahmen untereinander koordinieren.

Flugreisende könnten befragt werden

Europa ist bisher nur wenig von der Covid-19-Epidemie betroffen. Doch die EU-Länder wollen sich trotzdem schon jetzt gemeinsam besser wappnen. Das könnte auch Folgen für Flugreisende haben.

Passagiere aus Gebieten mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 könnten bei der Einreise nach Europa demnächst nach möglichen Infektionsrisiken befragt werden. Die EU-Staaten haben sich auf diese Option geeinigt und Deutschland werde sie nun prüfen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).Erfragt werden könnten Kontakte zu Bürgern aus einer von der Covid-19-Epidemie betroffenen Region, etwa der chinesischen Provinz Hubei, sagte Spahn. Es gehe vor allem um schnelle Identifizierung im Falle einer Infektion, auch der Sitznachbarn im Flugzeug. Schon jetzt gelte in Deutschland die Anordnung, dass Kontaktdaten von Reisenden für 30 Tage hinterlegt werden müssen.

Geld zurück bei ausgefallenen China-Reisen


„Es liegen außergewöhnliche Umstände vor“, erklärt die Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk von der Kanzlei Karimi in Berlin. „Reisende bekommen ihr Geld zurück, aber keinen Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden“, sagt die Juristin. „Schadenersatz gibt es nur bei einem Verschulden des Veranstalters, und das liegt hier nicht vor.“ Für Urlauber bestehe durch die neue Lungenkrankheit vielmehr eine ernste Gefahr für die Gesundheit.

Umbuchung auf anderes Land erwägen

Nicht jeder möchte auf seine Reise verzichten, zum Beispiel weil sich die freigenommen Tage bei Arbeit nicht verschieben lassen. In diesem Fall rät Fischer-Volk, den Veranstalter um eine kostenlose Umbuchung auf ein anderes Reiseziel zu gleichwertigen Konditionen zu bitten. Diese Option bieten manche Veranstalter von sich aus an. Ein Recht darauf bestehe aber nicht. Das heißt, der Veranstalter kann die China-Reise auch einfach ersatzlos absagen.

Große Einschränkungen in China

Mehrere deutsche Reiseveranstalter haben ihre nächsten anstehenden China-Reisen vorerst abgesagt, darunter Studiosus, Gebeco, China Tours und Intrepid Travel. DER Touristik zum Beispiel bietet kostenlose Stornierungen und Umbuchungen an. Ein Grund ist neben der Gefahr durch das Virus, dass viele wichtige Sehenswürdigkeiten in China nicht mehr zugänglich sind. Das gesamte Verkehrswesen des Landes ist außerdem massiv beeinträchtigt. Das Coronavirus ist in fast jeder Provinz oder Region Chinas aufgetaucht.

Airlines verlängern Flugpause nach China

Wegen des Coronavirus hat die Lufthansa ihre Flugpause nach China verlängert. Bis zum Ende des Winterflugplans am 28. März werden nun auch Peking und Shanghai von den Fluggesellschaften der Gruppe einschließlich Swiss und Austrian nicht mehr angeflogen, wie der Konzern mitteilte.

Zunächst waren diese Flüge nur bis zum 29. Februar gestrichen worden. Für die übrigen chinesischen Festland-Ziele Nanjing, Shenyang und Qingdao hatte Lufthansa bereits zuvor eine Flugpause bis Ende März angekündigt.

Wegen der stockenden Nachfrage sollen nun auch einzelne Flüge nach Hongkong gestrichen werden, das bislang noch voll mit 19 wöchentlichen Verbindungen bedient worden war. Die Swiss werde im März auf ihren Hongkong-Flügen kleinere Jets einsetzen, kündigte der Lufthansa-Konzern noch an. Man beobachte die Situation weiterhin laufend und stehe mit den Behörden im Kontakt. Gestrichene Flüge werden zurückerstattet, bereits gebuchte Flüge können kostenlos storniert oder umgebucht werden.

Auch die skandinavische Airline SAS verlängert ihren Flugstopp nach China wegen des Coronavirus-Ausbruchs um weitere vier Wochen. Wegen der Lage in der Volksrepublik habe sich das Unternehmen entschlossen, Shanghai und Peking bis zum 29. März nicht mehr anzufliegen, teilte die Fluggesellschaft am Freitag in Stockholm mit. Hongkong wird dagegen weiter regulär bedient.

Keine Flüge mehr zwischen Berlin und Peking

Die einzige direkte Flugverbindung zwischen Berlin und Peking ist wegen des Coronavirus ebenfalls bis Ende März ausgesetzt. Die zuständige Fluggesellschaft Hainan habe alle Flüge zwischen dem 13. Februar und dem 28. März gestrichen, sagte eine Flughafensprecherin. Betroffene Passagiere seien gebeten, sich auf der Internetseite der Fluggesellschaft über ihre Flüge zu informieren.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) reisen jährlich etwa 600.000 bis 650.000 Bundesbürger nach China. Davon sind etwa zwei Drittel Geschäftsreisende. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Provinz Hubei. Allgemein sei derzeit zudem mit erheblichen Einschränkungen der Mobilität innerhalb Chinas zu rechnen.

Aida Cruises beendet Asien-Saison vorzeitig

Wegen des sich weiter ausbreitenden Coronavirus Sars-CoV-2 und der zunehmenden Reiseeinschränkungen in dieser Region hat die Kreuzfahrtreederei Aida Cruises die Asien-Saison vorzeitig beendet. Betroffen seien die Schiffe „Aidavita“ und „Aidabella“ mit insgesamt rund 3300 Passagieren, teilte das Unternehmen mit. Ihre Fahrten enden demnach am Sonntag (16. Februar) beziehungsweise Montag in Laem Chabang/Bangkok (Thailand). Regulär hätte das Asien-Programm noch bis April gedauert, für jedes Schiff seien bis dahin noch vier Reisen geplant gewesen.

„Für Aida Cruises haben die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Gäste und Crew jederzeit oberste Priorität“, sagte Aida-Sprecher Hansjörg Kunze. Alle betroffenen Gäste und Vertriebspartner würden aktuell informiert. Die Schiffe sollen nun in anderen Regionen fahren. Das Alternativprogramm werde in den kommenden Tagen bekannt gegeben. Es habe bis heute keinen Verdachtsfall oder bestätigten Fall von Sars-CoV-2 an Bord eines Aida-Schiffes gegeben, betonte Kunze.

Coronavirus: Schon fast 65.000 Fälle in China

Nach einer neuen Zählweise der Virusfälle in China ist die Zahl der bestätigten Ansteckungen erneut stark gestiegen. Allein in der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina kamen innerhalb eines Tages fast 5000 nachgewiesene Infektionen hinzu, wie die Gesundheitskommission der Provinz laut Staatsfernsehen berichtete. Damit steigt die Zahl landesweit auf fast 65.000.

Außerhalb von China sind in mehr als zwei Dutzend Ländern rund 580 Fälle bestätigt, die meisten davon in Japan.