Kieler Forscher befürchten

Diese weltberühmten Sehenswürdigkeiten könnten bald verschwinden

Pisa, Venedig und Amalfiküste
Vor allem wegen ihrer Sehenswürdigkeiten sind viele Orte an der Mittelmeerküste sehr beliebt bei Urlaubern
Foto: Getty Images

Viele Städte am Mittelmeer sind vor allem wegen ihrer berühmten Sehenswürdigkeiten beliebte Ausflugsziele für Touristen. Umso erschreckender ist das Ergebnis einer Studie, die die Universität Kiel erhoben hat: Aufgrund des Klimawandels und des damit einhergehenden steigenden Meeresspiegels könnten viele weltberühmte Wahrzeichen schon bald nicht mehr existieren.

Forscher um die Doktorandin Lena Reimann von der Universität Kiel haben Daten bezüglich der bedrohten UNESCO-Weltkulturerbestätten erhoben, die in einer Studie auf „Nature Communications“ veröffentlicht wurden.

: „Die Auswirkungen dieser Gefahren können den einzigartigen Wert betroffener Stätten und folglich ihren Status als UNESCO-Welterbe bedrohen. Wenn unser Welterbe erst einmal beschädigt oder gar zerstört ist, ist es nicht möglich, es einfach zu ersetzen oder wieder aufzubauen.“ Zudem sei es so, dass bisher kein großes Bewusstsein für die Bedrohung herrsche.

Ihr Team habe für seine Studie die Mittelmeerregion als Untersuchungsgebiet gewählt, weil es dort eine hohe Konzentration des UNESCO Weltkulturerbes gebe.

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Untersuchungen ergaben Flut- und Erosionsrisikoindex

Mit einer räumlichen Datenbank aller UNESCO Weltkulturerbestätten in tiefliegenden Küstengebieten im Mittelmeerraum konnten die exakten Lagen, Formen und weitere Eigenschaften jeder Sehenswürdigkeit erfasst werden. „Mithilfe dieser Datenbank und computerbasierter Modellsimulationen überschwemmter Gebiete unter Berücksichtigung verschiedener Meeresspiegelanstiegsszenarien konnten wir sowohl einen Flutrisikoindex als auch einen Erosionsrisikoindex für jede Weltkulturerbestätte berechnen. Der Flutrisikoindex basiert auf der potenziell überfluteten Fläche einer jeden Welterbestätte und der maximalen Fluttiefe. Der Erosionsrisikoindex basiert auf der Entfernung einer jeden Weltkulturerbestätte von der Küstenlinie und den physischen Eigenschaften der Küste, die den Grad der Erosion bestimmen, wie Materialbeschaffenheit (beispielsweise sandig, felsig) und die Verfügbarkeit neuen Sediments“, führte Reimann aus.

Risiko der Zerstörung steigt bis zum Jahr 2100

Die Untersuchungen des Überflutungs- und Erosionsrisikos unter Berücksichtigung von vier Szenarien des Meeresspiegelanstiegs seien bis zum Jahr 2100 untersucht worden, wie die Doktorandin gegenüber TRAVELBOOK sagte. „Wir können sicher sagen, dass das Risiko bis Ende des Jahrhunderts ansteigen wird, unabhängig vom Szenario. Aber wir können nicht festmachen, wann welche Welterbestätte zerstört sein wird oder wann sie ihren Welterbestatus verlieren wird.“

Je stärker der Meeresspiegel ansteigt, desto stärker steige auch die Gefahr, dass Sturmfluten und/oder Küstenerosionen einzelne Erbestätten beschädigen oder sogar zerstören. Das Risiko steige auch nach 2100 noch weiter, da der Meeresspiegel laut Reimann auch nach diesem Jahr weiter ansteigen wird.

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Nur zwei Welterbestätten im Mittelmeerraum sind nicht in Gefahr

Nur zwei Welterbestätten im Mittelmeerraum sind der Studie zufolge nicht bedroht. „Die Medina von Tunis und Xanthos-Leeton sind die einzigen Stätten, die laut unserer Studie bis 2100 nicht von Sturmfluten oder Küstenerosion gefährdet sind. Dies liegt insbesondere an ihrer Lage weit genug von der Küste entfernt und daran, dass sie im Verhältnis zu anderen Stätten relativ hoch gelegen sind,“ so Reimann. Trotzdem könne es durchaus sein, dass sie nach 2100 auch gefährdet sein könnten, da Teile von ihnen in tiefliegenden Küstengebieten bis zehn Meter über Normalnull liegen würden.

So kann die Zerstörung verhindert werden

„Auch der letzte Woche veröffentlichte IPCC-Sonderbericht zur globalen Erwärmung von 1,5 Grad zeigt, wie wichtig es ist, die Ziele des Parisabkommens weltweit zu verfolgen, da die Auswirkungen des Klimawandels selbst bei einem Temperaturanstieg von 1,5 Grad enorm sein werden.“

Außerdem müsse die Anpassungsplanung vorangetrieben werden, da viele Stätten bereits jetzt zu einem gewissen Grad gefährdet seien. Angemessene Anpassungsmaßnahmen für verschiedene Welterbestätten würden von ihrer Lage, ihren Eigenschaften und der Art des Welterbes abhängen. Konventionelle Maßnahmen (zum Beispiel Deiche) seien weniger geeignet, da diese den ästhetischen Wert des Standorts beeinträchtigen könnten.

„Ich denke, dass Experten verschiedener Disziplinen wie zum Beispiel der Architektur, Kunst und des Ingenieurwesens zur Gestaltung innovativer Lösungen beitragen müssen. Es können jedoch auch einfache Anpassungsstrategien hilfreich sein, wie das Entfernen von beweglichen Objekten während eines Hochwasserereignisses. Darüber hinaus könnten naturbasierte Anpassungsmaßnahmen dort helfen, wo genügend Platz für solche Massnahmen verfügbar ist“, betonte Reimann.

Diese Weltkulturerbestätten sind bedroht:

– Medina von Tunis
– Carthage
– Paphos
– Altstadt von Dubrovnik
– Historische Komplex in Split mit dem Diocletian Palast
– Kotor
– Valletta
– Arles
– Leptis Magna
– Sabrata
– Tipasa
– Byblos
– Tyros
– Kerkuane und seine Nekropole
– Historischer Teil Istanbuls
– Lagune von Venedig
– Piazza del Duomo in Pisa
– Mittelalterliche Stadt von Rhodos
– Medina von Sousse
– Delos
– die Kasbah von Algier
– Butrint
– Heraion von Samos
– Altstadt von Vicenza und Villen Palladios in Venetien
– Historisches Zentrum von Neapel
– Ferrara und das Po Delta
– Frühchristliche Monumente von Ravenna
– Episcopal Komplex der euphrasischen Kirche in Poreč
– Historische Zentrum von Porec
– Historische Stadt von Trogir
– Archäologisches Areal und die Patriarchische Kirche von Aqui leia
– Portovenere, Cinque Terre und die Inseln Palmaria, Tino and Tinetto
– Pompei, Herculaneum und Torre
– Annunziata
– Amalfiküste
– Nationalpark Cilento und Vallo di Diano
– Archäologische Stätten Paestum and Velia
– Certosa di Padula
– Archäologisches Ensemble von Tárraco
– Kathedrale des heiligen Jakob in Šibenik
– Altstadt Korfu
– Ephesos
– Dörfer von Val di Noto
– Altstadt Acre
– Weiße Stadt in Tel Aviv
– Nekropole von Pantalica
– Palazzi dei Rolli
– Bahá’í Gärten
– Ebene von Stari Grad
– Serra de Tramuntana
– Gorham-Höhle
– Venezianisches Verteidigungssystem des 15. bis 17. Jahrhunderts