Ende der Billig-Angebote?

Fernbus-Tickets werden immer teurer

Unterwegs mit dem Fernbus
Die Fahrt mit dem Fernbus ist zwar meist langsamer, aber dafür oft billiger als die Bahn. Die Preise insgesamt jedoch waren schon mal günstiger.
Foto: Daniel Reinhardt

Sind gelten als gute Alternative zur Bahn, vor allem auch wegen des Preises: Fernbus-Tickets. Besonders Menschen mit wenig Geld freuen sich über das wachsende Angebot an Fernbus-Verbindungen. Doch die Phase extrem billiger Tickets ist wohl vorbei, denn auch hier legen die Preise zu.

, wie aus einer Analyse des Marktforschungsinstituts Iges hervorgeht.

Je Fahrgast und Kilometer machten die Anbieter Ende des vergangenen Jahres 10,7 Cent Umsatz. Der Normalpreis lag damit pro Kilometer um 0,8 Cent höher als ein Jahr zuvor, wie das Institut mitteilte. Rechnerisch erhöhte sich damit der durchschnittliche Fahrpreis für eine Entfernung von rund 600 Kilometern – wie etwa auf der Strecke zwischen Berlin und München – um knapp fünf Euro.

Kann ich ein Fernbus-Ticket auch beim Fahrer kaufen?

Zwar bringen nicht nur die Fahrpreise den Busunternehmen Einnahmen. Es kommen noch Zahlungen etwa für Zusatzgepäck, Reservierungen oder den Snackverkauf hinzu. Diese Einnahmen sind aber in den Zahlen nicht berücksichtigt. Trotz des Preisanstiegs bleibt der Bus den Daten zufolge deutlich billiger als die Bahn – meist nehmen Fahrgäste dafür eine längere Fahrtzeit in Kauf.

Höhere Preise, größeres Gesamtangebot

Die Marktforscher beobachten schon länger, dass es Bus-Anbietern besser gelingt, die einzelnen Preise ähnlich wie Fluggesellschaften der jeweiligen Nachfrage anzupassen und so die Erlöse zu erhöhen. Die Aktionspreise indes blieben in den vergangenen Jahren recht konstant und pendelten zwischen 3,6 und 4,3 Cent je Kilometer.

Zugleich wuchs laut Iges das Gesamtangebot für die Kunden wieder deutlich. Ende 2018 gab es 287 Linien, zuvor hatte sich die Zahl bei etwa 240 bis 250 eingependelt. Auch die Zahl der Fahrten je Woche erreichte mit 3328 den höchsten Stand seit zwei Jahren. Dazu trugen auch Warnstreiks bei der Bahn und bei Ryanair bei.

Der Fernbusmarkt war Anfang 2013 freigegeben worden. Zahlreiche Anbieter rivalisierten mit günstigen Fahrkarten um die Kunden – zwischenzeitlich lag der Normalpreis um 20 Prozent unter dem heutigen. Seit einigen Jahren dominiert Flixbus den deutschen Markt, die grünen Busse fahren gut 95 Prozent der angebotenen Fahrplan-Kilometer.

Wie sicher sind Fernbusse wirklich?

23 Millionen Fernbus-Fahrgäste

2018 konnte der deutsche Marktführer die Zahl seiner Fahrgäste weiter steigern. Weltweit waren es mehr als 45 Millionen Passagiere, wie Flixbus der dpa mitteilte. Mit einem Plus von 12,5 Prozent fiel das Wachstum damit schwächer aus als im Vorjahr, als die Fahrgastzahl noch um ein Drittel auf 40 Millionen gestiegen war.

Dabei ging das Unternehmen 2018 auch in den USA, Bulgarien und Weißrussland an den Start. Es ist damit nun in 29 Ländern aktiv. In Deutschland baute Flixbus sein Angebot auch mit Fernzügen aus. Geschäftszahlen für einzelne Märkte werden aber nicht genannt.

2017 war die Zahl der Fernbus-Fahrgäste laut Statistischem Bundesamt bundesweit leicht auf 23 Millionen zurückgegangen. 2018 wuchs die Konkurrenz für den Bus: Die Bahn punktete mit ihrer neuen Schnellfahrstrecke Berlin-München, und nach dem Billigflieger Ryanair nahm auch Easyjet innerdeutsche Flüge ins Programm.

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Fernbus, Bahn und Flieger im Preisvergleich

Flixbus-Kunden in Deutschland sollen künftig selbst im Bus einchecken können. Statt beim Fahrer können sie den QR-Code ihrer Fahrkarte an einer Scanfläche einlösen und Platz nehmen. Zunächst ist ein Pilotversuch in einzelnen Bussen geplant. Nach dem Start an der US-Westküste sollen die grünen Busse künftig auch in Texas und New York unterwegs sein.

Flixbus besitzt selbst keine Busse, sondern kümmert sich mit 1500 Beschäftigten um die Vermittlung der Fahrten, Marketing, Vertrieb, Netzplanung und Betriebssteuerung. Gefahren werden die Strecken von rund 7000 Fahrern aus 300 meist mittelständischen Busunternehmen.