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Arbeitsalltag während der Pandemie

Flugbegleiterin in Zeiten von Corona: „Ich bin dankbar für jeden Flug“

Flugbegleiterin
Für Flugbegleiter hat sich der Arbeitsalltag in der Corona-Pandemie stark verändert (Symbolfoto) Foto: dpa Picture Alliance

Trotz der Corona-Pandemie und deutlichen Reisebeschränkungen auf der ganzen Welt finden immer noch Flüge statt, wenn auch sehr reduziert. Für Flugbegleiterin Tatjana L., die auf der Langstrecke für eine große deutsche Airline fliegt, bedeutet das, in ständiger Bereitschaft zu sein, oft erfährt sie erst kurz vorher, ob ihr Flug stattfindet oder nicht. Bei TRAVELBOOK berichtet Tatjana L. über ihren schwierigen Arbeitsalltag in Zeiten von Corona.

Wie die meisten von uns verbringt Tatjana L.*, die auf Wunsch lieber anonym bleiben möchte, zurzeit viel Zeit zu Hause. Aber wenn ein Anruf von ihrem Arbeitgeber kommt, muss sie innerhalb von 24 Stunden bereitstehen. „Es gibt seit Monaten nur noch Bereitschaftsdienste“, sagt die Flugbegleiterin zu TRAVELBOOK. „Das ist vor allem für die private Planung sehr schwierig.“ Sie und ihre Kollegen seien alle in Kurzarbeit und dürften nur eine ganz geringe Anzahl an Flügen fliegen, maximal einen pro Monat.

„Die größte Herausforderung ist die Fahrt zur Arbeit“

Dennoch ist Tatjana L. dankbar für jeden Flug, der trotz Corona-Lockdown stattfindet. „Ich bin froh, dass trotzdem noch weiter Menschen fliegen, sonst wäre ich ja arbeitslos“, sagt sie. Im Arbeitsalltag habe sich für sie vieles geändert, so müsse sie sich zum Beispiel ständigen Corona-Tests unterziehen. „Es gibt überall Möglichkeiten, sich zu desinfizieren. Es werden Handschuhe getragen und der Kontakt zum Passagier auf ein Minimum reduziert“. Darüber hinaus gebe es weitere unterschiedliche Quarantäne-Bedingungen im jeweiligen Zielland. Zusätzlich lasse sie sich grundsätzlich nach jedem Dienst testen, um nach der Rückkehr nach Hause Familie und Freunde nicht anzustecken.

Während an den Flughäfen und im Flugzeug strenge Sicherheitsvorkehrungen und Hygienestandards vorherrschen, gibt es für Tatjana L. eine Komponente in ihrem Arbeitsalltag, die immer mit einer gewissen Unsicherheit verbunden ist: „Die Anreise zum Dienst ist meist die größte Herausforderung, da man sich um diese selbst kümmern muss“, sagt sie. Wie viele andere ihrer Kollegen auch lebt Tatjana L. nicht in Deutschland und reist für jeden Flug extra zu ihrem Abflughafen an.

Wie ist der Umgang mit den Passagieren?

Das Verhalten der Passagiere hänge oft an der Destination ab, die angeflogen werde, und auch davon, welches Publikum gerade an Bord sei, also ob Geschäftsreisende oder Urlauber. „Der Großteil der Reisenden ist aber sehr umsichtig“, sagt Tatjana L. „Bis auf wenige Ausnahmen hatte ich noch keine Maskenverweigerer. Diese werden sowieso konsequent ausgeladen, sofern das schon vor Abflug ersichtlich ist.“

Durch das geringe Passagieraufkommen können der Flugbegleiterin zufolge Abstände im Flugzeug gut eingehalten werden. „Viele Passagiere melden jedoch zurück, dass sie die Mimik des Flugpersonals vermissen, zum Beispiel, dass ein Lächeln nicht mehr erkennbar ist. Das ist natürlich schwer rüberzubringen mit der Maske!“

Trotz aller Vorkehrungen, eine gewisse Angst, sich während der Arbeit mit dem Virus zu infizieren, bleibt für Tajana L. dennoch. „Ich habe großen Respekt vor der Krankheit und einer Ansteckung und bin noch vorsichtiger als sonst“, sagt sie. „Ich versuche aber über eine Ansteckung nicht nachzudenken.“

*Name auf Wunsch der Redaktion geändert

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