Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

Dreck, Chaos, Überforderung

Reisende berichtet: »Meine Horror-Quarantäne auf den Malediven

Kathrin Schuler buchte einen Traumurlaub auf den Malediven – der als Alptraum endete
Traumurlaub auf den Malediven? Das kann auch mal als Albtraum enden...Foto: Collage / Getty Images / Kathrin Schuler

Urlaub trotz Corona – ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Kathrin Schuler dachte, dass sie sich über die Lage vor Ort, die Einreise- und Quarantäne-Bestimmungen gut informiert hätte, als sie zu ihrem Tauchurlaub auf die Malediven Ende 2020 aufbrach. Doch als es zum „Worst Case“ kam, waren die Berichte nicht mehr viel Wert. Bei TRAVELBOOK erzählt sie ihren Quarantäne-Albtraum – auch, um andere Urlauber zu warnen.

Eigentlich dachte Kathrin Schuler, dass sie mit ihrem Reiseziel die richtige Wahl getroffen hätte. Die Malediven boten, so schien es, trotz der Pandemie eine große Sicherheit. Als sich die gebürtige Schweizerin, die in London lebt, zu der Reise entschied, gab es einen „Travel Corridor“, also keine Reisewarnung für das Land. Um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren, buchte sie mit ihrem Partner Direktflüge und eine Tauch-Expedition. Zehn Tage wollten sie mit einer festen Gruppe auf einem Schiff verbringen. Alle Urlauber mussten vor der Abfahrt negative PCR-Tests vorweisen. Bei Einreise gab es keine Quarantäne-Pflicht.

Schuler achtete zudem bei ihrer Recherche darauf, wie gut das Land mit der Pandemie umgeht. „Wir wollten in kein Land, das im Moment überfordert ist mit der Krise“, erzählt sie TRAVELBOOK. „Die Malediven haben ein langes Dokument mit Hygienemaßnahmen, an die sich die Hotels und Safari-Boote halten müssen – doch wir mussten schmerzhaft erfahren, dass sich nicht alle daran halten.“

Denn einer von Schulers Mitreisenden aus der Tauchgruppe infizierte sich zwischen dem Corona-Test und dem Urlaubsbeginn auf dem Boot mit Covid-19. Am fünften Tag der Reise entwickelte die infizierte Person Symptome, die aber von der Boots-Gesellschaft ignoriert wurden. Erst als zwei Mitreisende sich einem weiteren Test unterzogen, der positiv ausfiel, informierte der Boots-Manager die Gesundheitsbehörde der Malediven. Diese wiederum schickte alle 24 Urlauber in Quarantäne – runter vom Schiff in ein unbekanntes, von der Behörde vorgegebenes Hotel. Zu diesem Zeitpunkt war Schuler noch ruhig. Die Möglichkeit, sich mit Corona zu infizieren oder in Quarantäne zu müssen, hatte sie schon vor Abreise in Betracht gezogen – und dachte, sie wäre vorbereitet.

Auch interessant: Luxushotel auf den Malediven bietet Urlaubs-Flatrate für ein ganzes Jahr

Quarantäne im Dreck und ohne Ansprechpartner auf den Malediven

Dreck außen und innen von der Unterkunft, in der Kathrin Schuler ihre Quarantäne verbringen musste
Dreck außen und innen von der Unterkunft, in der Kathrin Schuler ihre Quarantäne verbringen musste

Der erste Schock kam bei Ankunft in dem Resort, in das die Urlauber für die Quarantäne geschickt wurden. „Die Zimmer waren voller Ameisen und anderen Krabbeltieren, das Badezimmer schimmlig. Der Boden war bedeckt von Staub und Dreck und viele Matratzen hatten Bettwanzen“, sagt Schuler. Außerdem habe es weder Seife noch Duschgel gegeben und auf die Frage nach Desinfektionsmittel sei die Antwort von den Hotelmitarbeitern gekommen: „Wir haben keins mehr“.

Dennoch waren die katastrophalen Hygienezustände nicht das Schlimmste für Schuler. Sie betont: „Die ganze Quarantäne wäre okay gewesen, wenn wir einfach nur gewusst hätten, was mit uns passiert.“ Denn die Situation war von Anfang an von mangelnder Koordination geprägt.

„Die Regeln haben sich aber ständig geändert – am Anfang wurde gesagt, dass unsere Quarantäne am 13. Januar zu Ende ist, dann plötzlich war es der 14. Januar. Niemand konnte uns sagen, ob wir neu getestet werden können oder was im Anschluss passieren würde.“ In einer Whatsapp-Gruppe, die das medizinische Team im Quarantäne-Resort mit allen Urlaubern erstellte, wurde mitgeteilt, dass man bei weiteren Fragen das zuständige Gesundheitsamt anschreiben oder dort anrufen solle. Doch: „Die waren nicht erreichbar.“

Auch interessant: Ostern, Sommer, Herbst – wo die Deutschen 2021 Urlaub machen wollen

„Man fühlt sich gestrandet und hilflos“

Während der Quarantäne kam es immer wieder zu Situationen, in denen die Ansprechpartner, sowohl im Quarantäne-Resort als auch von Behördenseite, scheinbar plan- und ratlos agierten. So wurden erkrankte Reisende erst nach Aufforderung medizinisch versorgt, für Zahlungen, die immer wieder vor Ort geleistet werden mussten, beispielsweise für die Corona-Tests, gab es keine Quittungen und das Ende der Quarantäne wurde immer weiter verschoben.

Schuler resümiert: „Man fühlt sich gestrandet und hilflos und weiß nicht, wann und ob man je von dort wieder wegkommt. Wenn mir nur jemand gesagt hätte ‚Das ist das Protokoll für diesen Fall, so wird es ablaufen‘, wäre alles viel einfacher gewesen.“

Am 17. Tag der Quarantäne in dem Chaos-Resort dürfen Kathrin und ihr Mann endlich abreisen. Mit einem Speedboot werden sie zum Flughafen gebracht – wofür sie abermals ohne Quittung bezahlen müssen. Der Rückflug verläuft ohne weitere Schwierigkeiten und so erreichen sie fast drei Wochen später als geplant ihre Heimat.

Schuler möchte nun vor allem andere, die über einen Urlaub auf den Malediven nachdenken, über ihre Erfahrungen informieren. „Wenn man sich als Luxusdestination anpreist, muss man auch damit umgehen können, wenn etwas schiefgeht. Man kann nicht damit werben, dass die Malediven so sicher und ‚coronafrei‘ sind, nur um dann im Ernstfall so schlecht zu improvisieren.“

TRAVELBOOK hat bei den Malediven um ein Statement zu den Vorwürfen gebeten. Bislang gab es keine Rückmeldung. 

Haben Sie eine ähnliche Situation im Urlaub erlebt? Schreiben Sie uns an redaktion (at) travelbook.de

Deine Datensicherheit bei der Nutzung der Teilen-Funktion
Um diesen Artikel oder andere Inhalte über Soziale-Netzwerke zu teilen, brauchen wir deine Zustimmung für