In Österreich

Hotelgast beschwert sich wegen Nazi-Fotos – und wird verklagt

Gerlos im Zillertal in Österreich
Das Hotel liegt im Zillertal, eines der beliebtesten Touristengebiete in Österreich
Foto: Getty Images

Ein deutscher Tourist namens Thomas K. hatte gerade gemeinsam mit seiner Frau in einem Hotel in Österreich eingecheckt und freute sich auf seinen Urlaub in den Bergen, als er auf dem Weg in sein Zimmer zwei Bilder an der Wand entdeckte: Porträts, die zwei Männer in der Uniform der Wehrmacht darstellten, mit sichtbarem Hakenkreuz und Reichsadler. Darauf wies er in Hotel-Bewertungen hin – und wurde verklagt.

Nach seinem Aufenthalt in einem laut „Süddeutscher Zeitung“ familiengeführten Vier-Sterne-Hotel im Zillertal in Tirol (Österreich) im August 2018 veröffentliche Thomas K. auf den Onlineportalen Booking.com und Tripadvisor zwei Rezensionen zu dem Hotel, in denen er sein Entsetzen darüber ausdrückte, dass in dem Foyer Nationalsozialisten gewürdigt würden. Unter dem Titel „Am Hoteleingang: Bild von Nazi-Opa“ schrieb er: „Das brachte uns dazu, uns zu fragen, was die Hoteleigentümer uns mit diesem Bild mitteilen wollten“ und spekulierte, dass dieser Vorfall auch auf die allgemeine politische Situation im Zillertal schließen ließe: eine Anspielung auf den Rechtspopulismus in Österreich. Er schrieb die Bewertungen anonym, die Hotelbesitzerin fand den Namen des Gastes aber trotzdem heraus, schreibt die „Süddeutsche“.

Der Tourist musste seine Beiträge löschen

Daraufhin forderte das Hotel die beiden Portale auf, die Kommentare zu löschen. Die Begründung: Die Porträts würden den Großvater der Hotelbesitzerin und einen weiteren Verwandten zeigen. Die beiden Familienmitglieder seien laut der Besitzerin zudem nur Mitglieder der Wehrmacht gewesen, was sie nicht automatisch zu Nazis mache. Booking.com löschte den Beitrag daraufhin, Tripadvisor jedoch nicht. Die Hotelbesitzerin verklagte Thomas K. daher wegen Beleidigung und falscher Tatsachenbehauptung auf Unterlassung, wie ihr Anwalt Stefan Kofler der österreichischen Zeitung „Der Standard“ bestätigte. Der Argumentation der Klage nach könnten die Online-Bewertungen den Eindruck erwecken, dass die Hotelbesitzerin selbst mit dem Nationalsozialismus sympathisieren würde.

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Laut dem Bericht leugnet die Hotelbesitzerin, davon gewusst zu haben, hat die Bilder aber mittlerweile entfernt. Der Prozess wird wohl noch bis Ende des Jahres dauern, ein Urteil steht noch nicht fest. In Deutschland läuft derweil eine weitere Klage von Thomas K. selbst gegen ein anderes Mitglied der Familie der Hotelbesitzerin: Die Person soll Thomas K. mehrfach auch nachts angerufen haben, um ihn dazu aufzufordern, die Posts zu löschen.