Gefährlichstes Land für Frauen?

Indiens Tourismusministerium wehrt sich gegen schlechtes Image

Indien
Indien wurde von der Thomson Reuters Stiftung zum gefährlichsten Land für Frauen gewählt. Das Tourismusministerium wehrt sich dagegen.
Foto: Getty Images

Das Image als das „gefährlichste Land der Welt für Frauen“ gefällt Indien gar nicht. Das Tourismusministerium versucht nun in einem Brief klarzustellen, wie es tatsächlich um die Sicherheit im Land bestellt sei – und dass die Behauptung nicht der Realität entspreche.

In einer Umfrage der Thomson Reuters Stiftung landete Indien auf Platz eins der gefährlichsten Länder für Frauen. Als Gründe dafür wurden unter anderem häufige sexuelle Übergriffe, Säureattacken, Zwangsehen und -arbeit angeführt. Aus Indien kam kurz darauf Kritik an diesem Ergebnis und das Tourismusministerium ergreift nun Maßnahmen, um dem entstandenen Image-Schaden entgegenzuwirken.

Im Ranking der Stiftung wird ausdrücklich erwähnt, dass es sich die ausschlaggebenden Faktoren im Bezug auf die einheimischen Frauen in den betreffenden Ländern handelt. Doch Touristinnen könnten  sich dadurch verunsichert fühlen und das Land daher meiden. Schließlich basieren die Ergebnisse des Rankings lediglich auf den individuellen Meinungen von 548 Experten für Frauenrechte, darunter Akademiker, Gesundheitsfachkräfte, Organisationen, Journalisten und Sozialexperten. 41 von den über 500 Experten sollen aus Indien stammen. Wer die befragten Personen sind, wird von der Stiftung nicht näher dargelegt. Dieses Vorgehen wurde nicht nur in Indien stark kritisiert.

Maßnahmen für mehr Sicherheit in Indien

Laut Medienberichten hat das Tourismusministerium Indiens einen Brief an Hotels, Gastronomen und Reisebüros im eigenen Land sowie an ihre offiziellen Vertretungen im Ausland geschickt. In dem Schreiben werde versucht, einige Dinge klarzustellen. Seit der Massenvergewaltigung einer jungen Frau im Dezember 2012 in Neu-Dehli, die die internationale Aufmerksamkeit auf das Thema der sexuellen Gewalt in Indien lenkte, seien etliche Initiativen und Maßnahmen unternommen worden, die das Land für Frauen sicher machen, heißt es in dem Brief.

So sollen die Strafen für Verbrechen dieser Art enorm verschärft worden sein. Es seien außerdem spezielle Einrichtungen wie „One Stop Centres“ und „Women Helplines“ geschaffen worden, an die sich Frauen rund um die Uhr wenden können – auch wenn es sich nicht um einen akuten Notfall handelt. Dort gebe es rechtlichen Beistand, Hilfe durch die Polizei, aber auch medizinische Unterstützung, falls notwendig. Für Touristen und Touristinnen gebe es Hotlines in zwölf unterschiedlichen Sprachen, die sie jederzeit kontaktieren könnten. Touristen erhielten außerdem Tipps zu Sicherheit und anderen Richtlinien im Land. In vielen größeren Städten gebe es Polizeistationen und -beamte, die explizit Touristen helfen.

Das Ranking entspreche „nicht der Realität“

Des Weiteren steht in dem Brief, dass inzwischen mehr Frauen bei der Polizei arbeiten würden und man sich um mehr Gleichberechtigung und gleiche Chancen in vielen weiteren Berufen bemühe. Insgesamt, heißt es in dem Schreiben, habe sich die Situation der indischen Frauen im Vergleich zum letzten Jahrzehnt verbessert. Die Darstellung von Indien als das gefährlichste Land der Welt entspreche schlicht und einfach „nicht der Realität“.

Die Kriminalstatistik 2018 in Indien zeigt laut einem Bericht von „Financial Express“ einen leichten Anstieg an Verbrechen im Vergleich zum vergangenem Jahr. In den ersten 45 Tagen dieses Jahres wurden demnach 243 Vergewaltigungen und 378 Fälle von Belästigung gemeldet. Das ist ein leichter Anstieg zum selben Zeitraum im Vorjahr.

Obwohl seit Bekanntwerden der Vergewaltigungen viel mehr Verbrechen dieser Art der Polizei gemeldet werden, liegt die Dunkelziffer dem Bericht zufolge wahrscheinlich höher. In der offiziellen Kriminalstatistik des Landes von 2016 wurden 338.954 Straftaten gegen Frauen in ganz Indien aufgeführt, 38.947 davon waren Vergewaltigungen. Doch wie „The Wire“ berichtet, sind die Statistiken aus Indien mit Vorsicht zu genießen. Die Zahlen würden gerne von der Polizei selbst beschönigt, schreibt das Magazin.

Themen