Meinung

Warum sich die ITB für ihr Partnerland Malaysia schämen sollte

Malaysias Tourismusminister Datuk Mohamaddin bin Ketapi auf der ITB. Seine Aussagen zu Homosexuellen und Juden sorgten für einen Eklat.
Malaysias Tourismusminister Datuk Mohamaddin bin Ketapi auf der ITB. Seine Aussagen zu Homosexuellen und Juden sorgten für einen Eklat.
Foto: Getty Images

Das offizielle Partnerland der ITB heißt dieses Jahr Malaysia. Das Problem: Der streng muslimische Staat zeigt sich offen schwulen- und judenfeindlich. Gerade erst sorgte der Tourismusminister beim Auftakt der Messe für einen Eklat: Homosexualität gäbe es seines Wissen nach nicht in Malaysia. Das wäre alles schon schlimm genug, wenn hinter der ITB nicht das Land Berlin stecken würde.

von Markus Hofmann

„Ich bin schwul und das ist auch gut so“ – wenige Zitate fassen so gut den liberalen Geist Berlins zusammen wie Klaus Wowereits berühmt gewordenes Outing. Das war am 7. Juni 2001. Seitdem sind fast 18 Jahre vergangen und Berlin gilt noch immer als Ort, an dem man seine Homosexualität frei ausleben kann. Berlin hat eine bunte Lesben- und Schwulenszene, Berlin feiert den Christopher Street Day und das Lesbisch-schwule Stadtfest. Und in Berlin können seit dem 1. Oktober 2017 gleichgeschlechtliche Paare auch heiraten.

Das macht es umso befremdlicher, was am Dienstag zum Auftakt der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin auf großer Bühne zum „Besten“ gegeben wurde. Dort hatte der malaysische Tourismusminister Datuk Mohammaddin bin Ketapi allen Ernstes zum Thema Homosexualität behauptet: „Ich glaube, wir haben so etwas nicht in unserem Land.“

Solche Worte passen nicht zu meinem Berlin.

Das Hauptproblem bei dieser offensichtlich homophoben (da Homosexualität negierenden!) Aussage: Malaysia ist offizielles Partnerland der ITB. Schlimm genug, dass eine „Fach- und Privatmesse“ so ein Land hofiert. Doch es kommt noch dicker.

ITB heißt: Land Berlin!

Veranstalter der ITB ist nämlich die Messe Berlin GmbH. Und wie heißt der Hauptgesellschafter der Messe Berlin GmbH? Das Land Berlin. Wem gehört das Gelände, auf dem die ITB stattfindet? Dem Land Berlin. Konkret heißt das: Berlin finanziert mit Steuergeldern eine Messe, die einem schwulenfeindlichen Staat den roten Teppich ausrollt.

Jetzt könnte man argumentieren, dass die Veranstalter die diskriminierende Antwort des Tourismusministers nicht vorhersehen konnten. Das wäre aber nur die halbe Wahrheit, denn wirklich überraschend sind solche Statements aus dem Mund malaysischer Politiker mitnichten.

Homosexualität ist in dem streng muslimischen Land strafbar, erst im September 2018 wurde ein lesbisches Paar zu einer Folterstrafe verurteilt und öffentlich ausgepeitscht. Noch ein Beispiel für das homophobe Klima in Malaysia gefällig? Im letzten Jahr soll eine große Tageszeitung seinen Lesern erklärt haben, wie sie Schwule erkennen können, wie das Online-Portal queer.de berichtete. Pro-Tipp: Schwule würden Bärte lieben und immerzu auf hübsche Männer starren.

Malaysias Antisemitismus-Problem

Mindestens genauso schlimm wie seine Schwulenfeindlichkeit ist der offene, von ganz oben vorgelebte Antisemitismus in Malaysia. Nicht nur, dass Menschen mit israelischem Pass nicht einreisen dürfen. Der amtierende Premierminister, Mahathir Mohamad, nannte Juden im vergangenen Oktober nach Tagesspiegel-Informationen „hakennäsig“ – und das nicht zum ersten Mal. Aber keine Sorge, es geht noch widerlicher: Derselbe Politiker kritisierte 2010 den Holocaust – weil dieser „als Endlösung für das Judenproblem versagt“ (!) habe.

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Angesprochen auf die früheren Aussagen des malaysischen Premiers meinte Messe-Sprecher Emanuel Höger, dass er davon wüsste und sie natürlich bedauern würde. Doch Menschenrechte seien bei der Wahl eines Partnerlandes eben nur ein Faktor unter vielen. Die ITB stehe trotzdem für Weltoffenheit und Toleranz und „beweist das auch jedes Jahr“.

Die Wahl von Malaysia als Partnerland der ITB beweist leider das genaue Gegenteil.

 

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