„Unislamisch“!

Malediven-Regierung zerstört Unterwasser-Kunstwerk

Skulpturen im Unterwasser-Museum Coralarium
Die Skulpturen im Unterwasser-Museum Coralarium auf den Malediven wurden von der Polizei abgebaut – nur wenige Wochen, nachdem das Kunstwerk eingeweiht wurde
Foto: dpa picture alliance

Nur zwei Monate nach seiner Einweihung wurde das Unterwasser-Kunstwerk „Coralarium“ von der maledivischen Regierung teilweise zerstört. Zuvor hatte ein Gericht angeordnet, dass die Skulpturen des Künstlers und Meeresbiologen Jason deCaires Taylor entfernt werden müssten, weil sie die „islamische Einheit und den Frieden im Land und die Interessen des maledivischen Staats“ bedrohten.

Mit seinem Unterwasser-Skulpturen-Museum vor der Küste der Malediven wollte der britische Künstler Jason deCaires Taylor die Einheit zwischen Mensch und Natur unterstreichen und den Schutz der Korallenriffe vor den Inseln unterstützen. Ein 100 Meter langer Unterwassersteg führt vom Strand des zur Accor-Hotelgruppe gehörenden Luxus-Resorts Fairmont Maldives Sirru Fen Fushi in den Ozean hinaus. Der Metallwürfel ist bereits von Weitem zu sehen und kann tauchend oder schnorchelnd von Hotel- und Tagesgästen erkundet werden.

Starke Vorbehalte in der Bevölkerung

Jetzt hat jedoch die maledivische Regierung die Skulpturen im Inneren des Metallkubus auf Anordnung eines Gerichts abgebaut, wie das Fachmagazin „Global Construction Review“ berichtet. Angeblich stellten die Skulpturen keine muslimischen Menschen dar. Schon im Juli war seitens der Regierung von starken Vorbehalten in der Bevölkerung gegen das Kunstwerk gesprochen worden. In der englischsprachigen Erklärung schrieb die Regierung laut dem britischen „Guardian“ zwar von „sculptures“ (z. Dt. „Skulpturen“), in der maledivischen Übersetzung sei jedoch von „budhu“ die Rede gewesen, deren Anbetung im Islam eine Sünde darstelle.

Mit Sägen und Spitzhacken ist die maledivische Polizei den Figuren nun zu Leibe gerückt.

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Kunstwerk für die Einheit aus Mensch und Natur

Auf der Website des Fairmont Hotels werden einige Figuren als Mischwesen zwischen Menschen, Pflanzen und Korallen beschrieben. Das Kunstwerk ist so konzipiert, dass sich Wasser und Meerestiere frei zwischen den 30 Skulpturen und dem mit einem korallenförmigen Aussparungen versehenen Metallkorpus bewegen können. Neun Monate lang widmeten sich ein Team von Marine-Ingenieuren, Stahl-Spezialisten, Tauchern und Werkzeugmachern dem Projekt. Die Figuren sind aus einem ungiftigen Material hergestellt, das von Algen und Muscheln besiedelt werden kann. Ähnliche Projekte realisierte Jason deCaires Taylor im Meer vor Mexiko, Lanzarote oder den Bahamas.

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Auf Facebook bedauerte Jason deCaires die Entscheidung der maledivischen Regierung, er sei „extrem geschockt“ gewesen zu hören, dass die Skulpturen zerstört wurden:

Sculptures Destroyed at the Coralarium On Friday last week I was extremely shocked and heartbroken to learn that my…

Posted by Jason deCaires Taylor on Monday, September 24, 2018

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Bald ein neues Kunstwerk?

Auch für die Accor Hotel Gruppe kam die Aktion der Regierung  nach eigenen Angaben überraschend. In einem Statement heißt es, die Entfernung der Skulpturen sei „friedlich und freundlich verlaufen“, der Hotelbetrieb dabei nicht gestört worden. Der Metallkubus des Unterwassermuseums sei insgesamt intakt geblieben, und gemeinsam mit dem Künstler überlege man nun, wie man diesen so gestalten könne, dass alle zufrieden seien.