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Flüge an Ostern fast ausgebucht

Tourismus-Forscher befürchtet: »Mallorca wird an Ostern zweites Ischgl

Mallorca Oster-Urlaub
Viele Deutsche hatten die Hoffnung bereits aufgegeben: Nun scheint ein Osterurlaub auf Mallorca doch möglich zu sein. Seit Sonntag gilt die Insel nicht mehr als Risikogebiet. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach Flügen – und damit verbunden die Sorge zahlreicher Politiker und Tourismus-Experten.Foto: Getty Images

Nach Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca am vergangenen Freitag verzeichnen Airlines wie auch Reiseveranstalter einen regelrechten Buchungsboom. Zahlreiche Flüge von Deutschland nach Mallorca über Ostern sind bereits ausgebucht. Die Reiselust vieler Deutscher scheint trotz der Corona-Pandemie ungebremst – zum Missfallen der Bundesregierung und mancher Tourismus-Experten.

Das allgemeine Reisefieber und der zu erwartende Ansturm auf Mallorca an Ostern gibt vielen Politikern und Tourismus-Experten Anlass zur Sorge. Jürgen Schmude, Professor für Tourismuswirtschaft an der Universität München, hält den gegenwärtigen Ansturm für eine „Katastrophe“. „Wir haben gesehen, was bei Reisegroßereignissen passieren kann, Stichwort Ischgl. Wir laufen nun Gefahr, mit Mallorca ein zweites Ischgl zu produzieren. Es würde mich nicht wundern, wenn die Insel in drei Wochen wieder in einen harten Lockdown muss“, zitiert das Reisenetzwerk Deutschland (RND) Schmude auf seiner Webseite. Hotels und Airlines hätten zwar umfassende Hygienekonzepte umgesetzt, aber: „Wir wissen, dass sich Menschen im Urlaub anders als im Alltag verhalten. Generell versucht man, Probleme im Urlaub auszublenden. Und aktuell wollen diese Leute ja ganz bewusst raus aus der Corona-Situation in Deutschland“, heißt es weiter.

Bundesregierung ruft zum Verzicht auf Urlaubsreisen auf

Schmude ist nicht der einzige, dem die Reiselust der Deutschen Sorge bereitet. Nach dem sprunghaften Anstieg der Urlaubsbuchungen für die Ferieninsel Mallorca hat auch die Bundesregierung wegen der Corona-Pandemie zum generellen Verzicht auf touristische Reisen aufgerufen. „Der Appell ist, auf jede nicht unbedingt notwendige Reise zu verzichten“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Ähnlich äußerte sich die Sprecherin des Auswärtigen Amts, Maria Adebahr: „Das Fehlen einer Reisewarnung ist keine Einladung zum Reisen.“ Die Entscheidung müsse aber jeder für sich treffen.

Keine Quarantäne und Testpflicht mehr

Die Bundesregierung hatte am Freitag (12. März) entschieden, Mallorca und andere Regionen in Spanien, Portugal und Dänemark von der Liste der Corona-Risikogebiete zu streichen und damit auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amts aufzuheben. Damit ist seit Sonntag Urlaub auf der Lieblingsinsel der Deutschen wieder ohne Quarantäne und Testpflicht bei der Rückkehr möglich. Lediglich bei der Einreise nach Spanien muss ein negativer Test vorgewiesen werden. Weitere Einzelheiten zu den Einreisebestimmungen für Mallorca / Spanien sowie die an Ostern auf Mallorca geltenden Corona-Regeln finden Sie in diesem TRAVELBOOK-Artikel.

Nach der Entscheidung der Bundesregierung stiegen die Flugbuchungen für Mallorca sprunghaft. Der größte Anbieter Eurowings legte deswegen für die Osterzeit 300 zusätzliche Flüge auf die Balearen-Insel auf. Tui will die ersten Hotels auf Mallorca nun bereits am nächsten Wochenende öffnen. In zwei Wochen beginnen in den meisten Bundesländern die Osterferien.

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Buchungsboom bei Flügen und Ferienwohnunge auf Mallorca

Die meisten Flüge nach Mallorca über die Osterfeiertage sind mittlerweile bereits ausgebucht. Tickets für derzeit noch verfügbare (Direkt-)Flüge sind von einigen deutschen Flughäfen wie Hamburg, Düsseldorf oder Frankfurt kaum noch unter 400 Euro zu haben – und damit mindestens doppelt so teuer wie gewöhnlich. Wer einen solchen Flug ergattert, darf sich allerdings glücklich schätzen. Denn je nach Abflugtag und Abflugzeit kann der Preis für einen Hin- und Rückflug nach Mallorca über Ostern sogar 600 Euro und mehr betragen.

TRAVELBOOK liegen zudem Daten der Ferienhaus-Suchmaschine FeWo-direkt vor, die zeigen, dass das Interesse an einem Aufenthalt auf den Balearen im April 2021 am Freitag (12. März 2021) fast sechsmal so groß war wie noch am Tag zuvor. Am Wochenende war das Interesse sogar zehnmal so groß, wie noch ein Wochenende zuvor.

Mallorcas Öffnung für den Tourimus sorgt auch in Spanien für Unmut

In Spanien sorgte die Öffnung Mallorcas für Touristen auch für viel Unmut. „Spanien wird zu Ostern ein Bunker für die Spanier und eine Oase für die Touristen aus dem Ausland sein“, titelte am Wochenende ebenso groß wie kritisch die Zeitung „ABC“. Das Blatt „Última Hora“ sprach von „Willkür“, und sogar die „Mallorca Zeitung“ stellte fest: „Osterferien auf Mallorca: für Deutsche Ja, für Spanier Nein“.

Die Bundesregierung stuft die Länder und Regionen im Ausland als Risikogebiete ein, in denen es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen gibt. Das gilt noch für den größten Teil Europas. Auf den Balearen betrug der Wert am Freitag aber nur noch 21,3. Das bedeutete automatisch die Streichung von der Risikoliste und die Aufhebung der Reisewarnung, die eine kostenlose Stornierung von Buchungen ermöglicht. Am Montag sank der Wert nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Madrid weiter auf nur noch 19,40.

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Nicht mehr als eine Empfehlung

In den Reisehinweisen im Internet rät das Auswärtige Amt dennoch weiter von „nicht notwendigen, touristischen Reisen“ ab. Das ist aber nicht mehr als eine Empfehlung, rechtliche Folgen hat das nicht. Bund und Länder hatten bereits in ihrem Beschluss vom 3. März an alle Bürger „eindringlich“ appelliert, „auf nicht zwingend notwendige Reisen im Inland und auch ins Ausland“ zu verzichten.

Auch der Mainzer Virologe Bodo Plachter hält Zurückhaltung beim Reisen für wichtig. „Wenn die Reiseaktivität steigt, dann werden auch die Inzidenzraten steigen. Das ist relativ klar“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Im Urlaub möchte man sich erholen, möchte man dann auch Corona vergessen. Und das führt dazu, (…) dass die Vorsicht sinkt und die Infektionsraten steigen.“ Das sei auch schon im vergangenen Sommer so gewesen.

Testpflicht auf eigene Faust?

Niedersachsen denkt nun darüber nach, die Testpflicht für Mallorca-Rückkehrer auf eigene Faust wieder einzuführen. Die Menschen, die nun dorthin reisen wollten, müssten wissen, dass sie sich einem gewissen Risiko aussetzen, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen. Vor Ort träfen sich Menschen aus ganz Deutschland und Europa, und es bestehe die Gefahr einer Verbreitung von Infektionen. Selbst wenn am Flughafen ein PCR-Test negativ ausfalle, bedeute dies nicht, dass ein Reiserückkehrer das Virus nicht bereits in sich trage. „Man holt sich da sehenden Auges ein richtiges Problem ins Land.“

Tui verdoppelt Mallorca-Flüge zu Ostern

Trotz Aufrufen aus der Politik, auf nicht notwendige Reisen zu verzichten, ist die Nachfrage nach Osterurlauben auf Mallorca groß. Der Reisekonzern Tui hat in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben doppelt so viele Mallorca-Buchungen verzeichnet wie im gleichen Zeitraum 2019, vor der Corona-Pandemie. „Wir haben uns daher entschieden, das Angebot für die Osterferien zu verdoppeln und bieten jetzt über 300 Hin- und Rückflüge an“, teilte der Geschäftsführer von Tui Deutschland, Marek Andryszak, am Dienstag mit.

Nach Einschätzung von Tui sind unter den Mallorca-Reisenden in diesem Jahr weniger Partyurlauber als üblich. Darauf ließen teurere Unterkünfte, aber auch Beschränkungen der Gastronomie und teilweise beim Alkoholausschank schließen. „Um die zurückgewonnenen Freiheiten entsprechend wertzuschätzen, empfehlen wir unseren Gästen, einen ruhigen Urlaub auf Mallorca zu verbringen“, sagte Andryszak.

Mit Material von dpa

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