In der ganzen Stadt verteilt

Über diese (zu) öffentlichen Pissoirs in Paris regen sich alle auf

Paris
Dieses „öffentlich“ ist vielen Parisern zu öffentlich – die neuen „Uritrottoirs“ sorgen für mächtig Aufregung in der Stadt
Foto: Getty Images

Großer Lärm um diese stillen Örtchen: An vielen Orten in Paris stehen seit Kurzem öffentliche Toiletten, die nicht wenigen einfach ZU öffentlich sind. Auf Twitter machen sich bereits zahlreiche Nutzer über die „Uritrottoirs“ lustig – und Feministinnen wittern gar „Sexismus“.

Von wegen Stilles Örtchen – in Paris sorgen seit Kurzem öffentliche Toiletten für Ärger, weil sie, nun ja, für den Geschmack vieler etwas zu öffentlich sind. Die roten „Uritrottoirs“ sehen aus wie Briefkästen mit einem Blumenkübel drauf und bieten quasi keinerlei Privatsphäre respektive Sichtschutz. Den größten Unmut erregt ein Exemplar, welches laut der britischen „Daily Mail“ in unmittelbarer Nähe der weltberühmten Kirche Notre Dame steht – insgesamt sind bereits mehrere der Pissoirs über die Stadt verteilt.

Die Reaktionen der Anwohner fallen heftig aus, von „hässlich“ über „die Stadt macht sich lächerlich“ bis hin zu der Angst, die Urinale könnten Exhibitionismus Vorschub leisten. Dabei ist die Idee öffentlicher Toiletten ja eigentlich gut, denn Paris ächzt seit Jahren unter Touristenmassen, und gerade Männer erleichtern sich in Ermangelung solcher Möglichkeiten immer wieder einfach auf der Straße. Doch diese neuen Pissoirs sind für viele nun wirklich etwas zu öffentlich.

„Supereklig“

Dabei ist das System durchaus innovativ: der Urin wird von einem Strohbett aufgefangen und hilft so langfristig dabei, die Blumen in dem Kübel darüber zu düngen – sie stehen zudem überall dort, wo öffentliches Wasserlassen zuvor ein Problem geworden war. Doch auch im Netz fallen die Kritiken vernichtend aus: „Das ist supereklig“, schreibt eine Nutzerin auf Twitter. „Vor allem, dass man sich hinterher nicht die Hände waschen kann.“

Eine andere beschwert sich: „Warum nicht Toiletten für alle installieren? Was sollen denn die Frauen machen?“

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Eine andere gibt zu bedenken: „Ich verstehe, warum die Pariser die Dinger nicht mögen, aber wäre es besser, wenn die Leute einfach überall wild pinkeln würden?“

Sogar Feministinnen laufen gegen die neuen Urinale Sturm: Gwendolyn Coipeault von der Organisation Femmes Solidaires sagte dazu der „Daily Mail“: „Sie sind mit einer sexistischen Voraussetzung aufgestellt worden: Männer können sich nicht kontrollieren, also muss die Gesellschaft sich anpassen. Das ist doch absurd, niemand muss auf der Straße pinkeln.“

Bezirksbürgermeister Ariel Weil sagte dagegen, die neuen Urinale seien notwendig, und es sollten noch weitere davon aufgestellt werden.

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