Land gilt weiter als Risikogebiet

7-Tages-Inzidenz rückläufig! Corona-Lage in Portugal bessert sich leicht

Frau in Portugal fotografiert mit Maske
Masken im Freien sind in Portugal nun Pflicht. Aktuell wurde in dem südwesteuropäischen Land wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen der Gesundheitsnotstand ausgerufen.
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Aufgrund der stark steigenden Corona-Infektionszahlen gilt das portugiesische Festland seit dem 8. November für deutsche Reisende als Risikogebiet. Vor Ort gelten zurzeit erhebliche Einschränkungen. Die scheinen nun erste Wirkung zu zeigen. Die 7-Tagesinzidenz ist leicht rückläufig. Die aktuelle Lage in Portugal.

Seit Ende des Sommers versucht die portugiesische Regierung mit teils drastischen Maßnahmen, die Coronakrise in den Griff zu bekommen. Nach der zwischenzeitlichen Ausrufung des Katastrophenfalls gilt seit dem 9. November zum zweiten Mal in dieser Pandemie der Gesundheitsnotstand. Dieser wird noch mindestens bis einschließlich 8. Dezember andauern. Der Notstand war bereits im Frühjahr ausgerufen worden.

Nun gibt es erste Anzeichen dafür, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen: Nachdem die 7-Tages-Inzidenz wochenlang mit den üblichen Schwankungen angestiegen war, sind die aktuellen Zahlen laut TRAVELBOOK-Berechnungen nun wieder rückläufig. Auch die Zahl der aktiven Covid-19-Infektionen ist konstant bis rückläufig. Laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) prognostizierte für Portugal sehr niedrige Infektionszahlen im Dezember, sofern die aktuellen Maßnahmen eingehalten würden, wie unter anderem die Zeitung „O Público“ berichtet.

Die portugiesische Regierung hatte strikte Maßnahmen angeordnet, um vor allem das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Das hohe Infektionsniveau stellt das Land angesichts der begrenzten Intensivbetten vor eine enorme Herausforderung. Vor allem der Norden ist die aktuell am stärksten betroffene Region. Im 7-Tages-Schnitt werden dort rund 60 Prozent aller Neuinfektionen verzeichnet. (mehr zu den Infektionszahlen lesen Sie unten).

Trotz erster positiven Anzeichen, bleibt das portugiesische Festland Risikogebiet. „Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Regionen Lissabon, Centro und Norte wird derzeit aufgrund hoher Infektionszahlen gewarnt“, schreibt das Auswärtige Amt (AA) in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für Portugal. Ausgenommen von der Reisewarnung, die mit der Einstufung als Risikogebiet durch das RKI einhergeht, sind die autonomen Regionen Azoren und Madeira.

Corona-Lage in Portugal – Inhaltsverzeichnis

Die geltenden Corona-Maßnahmen in Portugal

Aktuell gelten in Portugal zahlreiche Maßnahmen, die mit der Verlängerung des Gesundheitsnotstand zum Teil verschärft wurden und je nach Infektionsgeschehen gelten. Hierfür wurden vier Stufen definiert:

  • Moderat: Landkreise mit weniger als 240 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten 14 Tage
  • Erhöht: Landkreise mit 240 bis 479 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten 14 Tage
  • Stark erhöht: Landkreise mit 480 bis 959 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten 14 Tage
  • Extrem erhöht: Landkreise mit mehr als 960 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten 14 Tage

Je nach Einstufung gelten dann unterschiedliche Maßnahmen, die vor allem die Mobilität einschränken sollen:

Maßnahmen, die für das gesamte portugiesische Festland gelten

  • Verbot, sich zwischen dem 27. November ab 23 Uhr und 2. Dezember bis 5 Uhr zwischen Landkreisen zu bewegen
  • Verbot, sich zwischen dem 4. Dezember ab 23 Uhr und 9. Dezember bis 5 Uhr zwischen Landkreisen zu bewegen
  • Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes am Arbeitsplatz
  • Schließung von Schulen und Behören zwischen dem 30. November und 7. Dezember

Zu den Maßnahmen für Landkreise mit erhöhtem Infektionsgeschehen gehören

  • Ausgangssperre zwischen 23 und 5 Uhr
  • Die Verpflichtung zur Heimarbeit wird kontrolliert

Maßnahmen für Landkreise mit stark erhöhtem und extremem Infektionsgeschehen

  • Ausgangssperre zwischen 23 und 5 Uhr an Werktagen
  • Ausgangssperre an Samstagen und Sonntagen zwischen 13 und 5 Uhr
  • Schließung der gewerblichen Einrichtungen an den Feiertagen vom 30. November und 7. Dezember
  • Die Verpflichtung zur Heimarbeit wird kontrolliert

Der Gesundheitsnotstand bedeutet für die Bürger – einschließlich Urlauber – einige wesentliche Einschränkungen und Pflichten. Es ermöglicht der Regierung, zahlreiche weitere Maßnahmen verhängen. Dazu zählen:

  • Möglichkeit zur verpflichtenden Messung der Körpertemperatur, etwa bei der Arbeit, im Personenverkehr, in Bildungseinrichtungen, Einkaufszentren, Sport- und kulturellen Einrichtungen
  • Möglichkeit, Corona-Tests verpflichtend zu machen und einzufordern (etwa bei der Ein- und Ausreise, in Gesundheits- und Bildungseinrichtungen und Pflegeheimen sowie Gefängnissen)

Des Weiteren kann die Regierung für Maßnahmen notwendige Ressourcen aus dem privaten und sozialen Bereich anfordern sowie bestimmte Personengruppen aktivieren, um bei der Kontaktverfolgung zu unterstützen, zum Beispiel Lehrer, die aktuell nicht für Unterricht eingesetzt werden, oder Soldaten.

Maskenpflicht im Freien

Seit dem 28. Oktober bis zum 6. Januar (Heilige Drei Könige) gilt eine Maskenpflicht im Freien. Jeder ab einem Alter von zehn Jahren ist verpflichtet, auch im Freien eine Maske zu tragen, wenn ein Abstand von mindestens zwei Metern zu haushaltsfremden Personen nicht gewährleistet werden kann.

Von der Maskenpflicht befreit sind Kinder unter zehn Jahren oder Menschen, die ein ärztliches Attest vorlegen können, das sie von der Nutzung des Mund-Nasen-Schutzes befreit. Ebenfalls keine Maskenpflicht besteht, wenn eine Aktivität sich nicht mit der Nutzung vereinbaren lässt. Sport im Freien, beispielsweise Joggen oder Radfahren, könnten solche Aktivitäten sein, obgleich dies in der Maßnahme nicht explizit erwähnt ist.

Wer gegen die Maskenpflicht verstößt, muss mit Bußgeldern zwischen 10o und 500 Euro rechnen.

Die weiteren Maßnahmen im Überblick

  • Pflicht zur Nutzung eines Mund-Nasen-Schutz in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften.
  • Einhaltung eines Mindestabstands von zwei Metern im öffentlichen Raum.
  • In der Öffentlichkeit dürfen sich nicht mehr als fünf Personen versammeln, die nicht in einem Haushalt leben.
  • In Restaurants gilt: In Gruppen dürfen sich maximal sechs Personen zusammensetzen. Ausnahmen: im selben Hausstand lebende Familien.
  • Familiäre Feierlichkeiten wie Hochzeiten oder Taufen sind auf maximal 50 Gäste beschränkt. Darüber hinaus gilt dabei, dass „alle die Abstandsregeln einhalten und Mundschutz tragen müssen“.
  • Verbot aller akademischen Feierlichkeiten und nicht-universitären Aktivitäten an Unis und Technischen Hochschulen. Explizit genannt werden die Events für Erstsemester.
  • Verstärkte Überwachung der Einhaltung der Regeln in der Öffentlichkeit, in gewerblichen Einrichtungen und in der Gastronomie.
  • Härtere Strafen bei Verstößen gegen die Regeln. Die Bußgelder können bis zu 10.000 Euro betragen.
  • Dringende Empfehlung zur Installation der Corona-Warn-App „Stayaway Covid“ (Google Play | Apple App Store).
  • Gewerbliche Einrichtungen dürfen nicht vor 10 Uhr öffnen (Ausnahmen: Cafés, Konditoreien, Friseursalons und Fitnessstudios)*.
  • Die gewerblichen Einrichtungen müssen zwischen 20 und 23 Uhr schließen (wann genau, entscheiden die einzelnen Landkreise)*.
  • Der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit ist verboten.
  • Kein Verkauf von alkoholischen Getränken an Tankstellen.
  • Ab 20 Uhr kein Verkauf von alkoholischen Getränken in allen Einrichtungen außer Restaurants.
  • Keine Nutzung öffentlicher Sportanlagen.

*Für den Alltag wichtige Einrichtungen wie etwa Supermärkte, der Lebensmittelhandel und Apotheken müssen sich nicht an die eingeschränkten Öffnungszeiten halten.

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Was für Reise-Rückkehrer aus Portugal gilt

Wer sich in den letzten zehn Tagen vor der Einreise nach Deutschland in einem Risikogebiet wie Portugal aufgehalten hat, muss sich direkt in eine zehntägige häusliche Quarantäne begeben. Das Verlassen der Wohnung oder das Empfangen von Besuch ist nicht erlaubt. Vor der Einreise gilt zudem die Verpflichtung, sich digital anzumelden. Diese geschieht auf der Website www.einreiseanmeldung.de und dient dazu, dass die Gesundheitsämter die Quarantänepflicht kontrollieren können. Nach Anmeldung auf der Seite erhält man eine PDF-Datei als Bestätigung. Airlines etwa sind verpflichtet zu überprüfen, ob eine solche Bestätigung vorliegt. Wenn nicht, kann der Flug nicht angetreten werden. In Ausnahmefällen ist eine Ersatzmitteilung in Papierform möglich.

Nach Einreise haben Gesundheitsämter die Möglichkeit, einen negativen Corona-Test zu verlangen, heißt es auf der Seite des Bundesgesundheitsministerium. Falls ein solcher nicht vorhanden sei, kann man zum Test verpflichtet werden.

Wichtig: Selbst bei Vorliegen eines negativen Tests kann die häusliche Quarantäne frühestens nach fünf Tagen beendet werden.

Muss ich in Quarantäne, wenn ich aus Deutschland nach Portugal einreise?

Aktuell gibt es für Urlauber aus Deutschland keine Einschränkungen, wenn sie das portugiesische Festland besuchen. Das heißt: Selbst wer aus einem deutschen Risikogebiet kommt, muss in Portugal nicht in Quarantäne.

Um eine Kontaktverfolgung gewährleisten zu können, müssen über den Luftweg in das südwesteuropäische Land einreisende Passagiere anhand eines „Passenger Locator“-Formulars Angaben unter anderem zum Zielort und zur Erreichbarkeit während des Aufenthalts machen. Zudem wird am Flughafen per Infrarotkameras die Körpertemperatur gemessen. Übersteigt diese 38 Grad, müssen Reisende mit weiteren Untersuchungen und Quarantäne rechnen.

Für die Azoren und Madeira gelten andere Regelungen: So wird bei der Einreise ein negativer Corona-Test verlangt, der nicht älter als 72 Stunden ist. Wer keinen Test hat, kann ihn bei der Ankunft machen und muss bis zum Testergebnis in Quarantäne bleiben.

 

Die Corona-Infektionslage in Portugal

Die 7-Tages-Inzidenz in Portugal

Aktuell gibt es in Portugal insgesamt 80.838 aktive Covid-19-Infektionen.

Die 7-Tages-Inzidenz in Portugal nach Regionen im Überblick laut TRAVELBOOK-Berechnungen:

  • Portugal gesamt (einschließlich Azoren und Madeira): 331,14
  • Großraum Lissabon: 241,69
  • Norden: 522,35
  • Algarve: 130,82

Die Einstufung eines Landes oder einer Region als Risikogebiet erfolgt durch das RKI in einem zweistufigen Prozess: „Zunächst wird festgestellt, in welchen Staaten/Regionen es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab“, heißt es auf der RKI-Seite. In einem zweiten Schritt werde nach qualitativen Kriterien festgestellt, ob für Staaten/Regionen, die den genannten Grenzwert nominell unterschritten, dennoch die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliege. Kriterien sind:

  • Infektionszahlen
  • Art des Ausbruchs (lokal begrenzt oder flächendeckend)
  • Testkapazitäten und durchgeführte Tests pro Einwohner
  • ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens
  • Verlässlichkeit der Informationen

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Die Infektionslage in Portugal seit Beginn der Pandemie

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Portugal bietet Corona-Versicherung für Reisende

Was beinhaltet die Versicherung?

Da Portugal stark auf den Tourismus angewiesen ist, bietet das Land Reisenden gegen Gebühr nun auch eine Corona-Versicherung an – in Kooperation mit der Firma Bónus Seguros. Die Versicherung greift bei „unvorhergesehenen Ereignissen im Zusammenhang mit Covid-19“ und ermöglicht Rückerstattungen bei Flugstornierungen oder -unterbrechungen, heißt es auf der portugiesisch- bzw. englischsprachigen Webseite von Portugal Travel Insurance. Beim genaueren Blick auf die enthaltenen Leistungen fällt allerdings auf, dass diese recht allgemein gehalten sind. So wird beispielsweise eine Unterstützung bei Gepäckdiebstahl in Portugal zugesichert – was mit Covid-19 nichts zu tun hat.

Relevanter für Urlauber sind die unter dem Punkt „Vollständige Deckung bei unvorhersehbaren Situationen“ vermerkten Leistungen. Im Krankheitsfall bietet die Versicherung:

  • Deckung der Arzt- und Krankenhauskosten in Portugal
  • Deckung der Kosten für die Nachsorge bei einem Krankenhausaufenthalt
  • Deckung der Rückreisekosten im Fall einer Krankheit oder eines Unfalls

Die Preise der Corona-Versicherung für Portugal

Die Kosten für die Versicherung richten sich nach der Dauer des Aufenthalts in Portugal.

  • bis zu 10 Tagen: 37,20 Euro pro Person
  • 10 bis 15 Tage: 43,20 Euro pro Person
  • 16 bis 30 Tage: 48,20 Euro pro Person
  • 30 bis 60 Tage: 65,20 Euro pro Person

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Erfahrungen vor Ort

Entspannt und oft mit Maske

„In Portugal wurde jetzt erneut der Notstand ausgerufen. Die Info darüber habe ich direkt als SMS aufs Telefon bekommen, die mich auch darüber informiert hat, dass ich jetzt zu diversen Zeiten zu Hause bleiben soll (siehe oben). Ich bin in der Nähe von Coimbra in einem Dorf und tue das ohnehin schon den Großteil der Zeit. Und den wenigen Menschen nach zu urteilen, die hier am Haus vorbeilaufen, halten sich auch die meisten anderen an die Regelungen. Ein paar gehen regelmäßig spazieren, zu zweit oder zu dritt, an die Maskenpflicht im Freien hält sich dabei niemand. Dafür aber umso mehr im Dorfkern oder auch in der Stadt – wo die Polizei das auch teilweise kontrolliert. Da tragen fast alle ihre Masken auf der Straße und teilweise sogar allein in ihren Autos sitzend. Auch das Abstandhalten scheint für viele inzwischen vollkommen normal zu sein. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass sich in Portugal die meisten an die diversen Regeln halten, dabei aber ziemlich entspannt sind. Das erlebe ich hier in der Region Centro, genauso wie auch vor ein paar Wochen in Lissabon und an der Algarve. “ – Anna Wengel, Autorin TRAVELBOOK