Größte Reisemesse der Welt

ITB soll keine Länder mit Menschenrechtsverletzungen mehr bewerben

Fahnen auf dem Messegelände der ITB
Die ITB ist die größte Tourismusmesse der Welt
Foto: dpa picture alliance

Die Tourismusmesse ITB darf ab 2022 keine Partnerländer mehr bewerben, die Menschen aufgrund ihrer Sexualität, ihres Glaubens oder ihrer Herkunft diskriminieren. Zuletzt war die Messe stark für ihr diesjähriges Partnerland Malaysia kritisiert worden, da dort bereits Homosexuelle mit Folter bestraft wurden.

Als die Internationalen Tourismus-Börse (ITB) im März 2019 eröffnet wurde, kam es schon zu Beginn zu einem Skandal: Der Tourismusminister von Malaysia, offizielles Partnerland der Messe, hatte zum Thema Homosexualität behauptet: „Ich glaube, wir haben so etwas nicht in unserem Land.“

Wenige Monate zuvor waren in dem südostasiatischen Staat zwei lesbische Frauen vom Obersten Sharia-Gericht von Terengganuzu zu einer Prügelstrafe mit Stockhieben verurteilt worden, wie auch „Queer Amnesty“ berichtete. Daraufhin wurden Forderungen von Aktivisten und Politikern laut, die größte Tourismusmesse der Welt dürfe solche Länder nicht bewerben. Träger der ITB ist das Land Berlin. Nun hat die Messe auf Aufforderung des Berliner Senates hin angekündigt, dass künftige Partnerländer einen Kodex für die Einhaltung der Menschenrechte unterschreiben müssen, durch den Touristen vor Diskriminierung geschützt werden sollen.

Warum sich die ITB für ihr Partnerland Malaysia schämen sollte

Regelung erst ab 2022 in Kraft

Auf Anfrage von TRAVELBOOK sagte eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „ Ab 2022 müssen alle Partnerland-Bewerber einen Code of Conduct für Geschäftspartner der Messe Berlin unterzeichnen. Dieser wird derzeit im Detail ausgearbeitet. Darüber hinaus müssen künftige Partnerländer gegenüber der Messe Berlin zusichern, dass Reisende in ihrer Destination weder wegen ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung noch ihrer Herkunft diskriminiert werden. Zusätzlich fordert die Messe Berlin eine detaillierte Strategie, wie die entsprechenden Anti-Diskriminierung-Maßnahmen im jeweiligen Land umgesetzt werden.“

Nächstes Partnerland ist der Oman

Auf Anfrage von TRAVELBOOK, wie man mit der Situation im Oman umgehen werde, reagierte die ITB ausweichend: Der Oman habe die Messe „insbesondere durch eine nachhaltige Gesamtstrategie für die Tourismusentwicklung in dem Sultanat überzeugt“, sagte ein Sprecher. „Natürlich beschäftigen wir uns gemeinsam fortlaufend mit dem Land und der jeweiligen Lage.“

Damit konfrontiert, ob die Menschenrechtsverletzungen nicht vor allem die Menschen vor Ort und nicht die Touristen betreffen, sagte der ITB-Sprecher: „Wir sind eine internationale Reisemesse und legen unseren Fokus daher naturgemäß vor allem auf das touristische Angebot und die nachhaltige Entwicklung eines Landes bzw. Partnerlandes. Wir selbst setzen uns als Messe laufend für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung ein. Wir erwarten von den neu anzuwerbenden Partnerländern ab 2022, dass sie menschenrechtsrelevante Fragen intern angehen und sich mit diesen Themen aktiv auseinandersetzen.“

 

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