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Sie galten als ausgestorben

Seepferdchen erstmals wieder in der Nordsee gesichtet

Langschnauzen-Seepferdchen (Hippocampus guttulatus) schwimmt in der Lagune von Thau, Bouzigues, Hérault, Frankreich, Europa
Mehrere Funde lebender Seepferdchen in den vergangenen Jahren könnten darauf hindeuten, dass die Fischart in die Nordsee zurückgekehrt istFoto: dpa Picture Alliance

Forscher aus Bremerhaven haben einen überraschenden Fund gemacht: In der Nordsee entdeckten sie zwei lebende Seepferdchen. Das ist insofern etwas Besonderes, als die niedlichen Fische in dieser Region schon seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als ausgestorben galten. Doch der Fund wirft auch Fragen auf.

Wie die Sendung „buten un binnen“ des öffentlich-rechtlichen TV-Senders Radio Bremen berichtet, entdeckten die Biologen des Thünen-Instituts für Seefischerei in Bremerhaven die beiden Seepferdchen während einer Forschungsfahrt Anfang Januar, als sie eigentlich den Bestand an jungen Schollen und Seezungen in der Nordsee zählen wollten.

„Als wir dann gesehen haben, Mensch, da ist ein Seepferdchen, war das natürlich schon ein bisschen aufregend“, zitiert „buten un binnen“ den beteiligten Biologen Holger Haslob. Bei den rund neun Zentimeter langen Tierchen handele es sich sehr wahrscheinlich um Langschnäuzige Seepferdchen, deren lateinischer Name Hippocampus ramulosus lautet.

Mehrfache Sichtungen von Seepferdchen in der Nordsee

Dem Bericht zufolge gab es in den vergangenen Jahren mehrfach einzelne Funde von Seepferdchen, so in den Jahren 1999, 2007, 2008 und zuletzt 2019. Eigentlich galten die Fische seit den 1930er Jahren als ausgestorben, weil damals ein Pilz die Seegraswiesen in der Nordsee zerstört hatte, in denen Seepferdchen üblicherweise leben.

Seepferdchen
Diese beiden Seepferdchen hatten Fischer im Jahr 2008 in der Nordsee gefangenFoto: dpa Picture Alliance

Die Forscher sind sich noch uneins, ob die Funde nun klar darauf hindeuten, dass das Seepferdchen dauerhaft in die Nordsee zurückgekehrt sein könnte. Dass die Sichtungen häufiger würden, sei aber ganz offensichtlich, sagte der Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer in Husum zu „buten un binnen“. Womöglich liege es am Klimawandel, dass die Tiere jetzt zurückkehrten, denn es gebe keine Eiswinter mehr wie früher, in denen viele Arten eingefroren seien.

Die Forscher rätseln aber vor allem darüber, wo genau die Seepferdchen in der Nordsee heute leben. Laut Borcherding gibt es nämlich dort keine größeren Seegraswiesen oder Algenwälder. Die beiden kürzlich entdeckten Exemplare wurden inzwischen übrigens wieder in die Freiheit entlassen.

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