Geänderte Flugrouten

Airlines vermeiden Flüge über Iran und Irak

Flugzeug im Landeanflug
Aus Sicherheitsgründen fliegen viele Airlines derzeit nicht über Iran und Irak.
Foto: Kevin Kurek/dpa

Der Konflikt zwischen Iran und den USA hält auch Fluggesellschaften in Atem – und zwar nicht nur wegen vielleicht steigender Ölpreise. Vor allem gilt es, alle Flugzeuge sicher um die Region herumzusteuern, um eine Katastrophe zu verhindern.

Der Angriff des Iran auf US-Soldaten im Irak stellt den Luftverkehr zwischen Europa, Indien und Australien vor neue Herausforderungen. Fluggesellschaften wie die Lufthansa und die französisch-niederländische Air France-KLM umfliegen seit Mittwochmorgen (8. Januar) sicherheitshalber die Region.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA untersagte Airlines aus ihrer Heimat, überhaupt noch über Irak, Iran, den Persischen Golf und den Golf von Oman zu fliegen. Wie stark sich die neue Lage auf Passagiere und Fluggesellschaften auswirkt, bleibt aber noch abzuwarten.

Lufthansa umfliegt Krisenländer

So strich die Lufthansa zunächst nur einen für Mittwoch geplanten Flug von Frankfurt in die iranische Hauptstadt Teheran. Die Airline wollte den Flugverkehr am Donnerstag eigentlich wieder aufnehmen, ließ dann aber ein Flugzeug umkehren. Der Flug LH 600 auf dem Weg von Frankfurt nach Teheran sei nach rund einer Stunde Flugzeit rein vorsorglich nach Frankfurt zurückkehrt, erklärte eine Lufthansa-Sprecherin am Freitag in Frankfurt. Hintergrund sei eine veränderte Einschätzung der Sicherheitslage für den Luftraum rund um den Flughafen in Teheran gewesen.

Am Mittwoch war ein ukrainisches Flugzeug im Iran mit 176 Menschen an Bord abgestürzt. Zuletzt verdichteten sich die Hinweise, dass ein versehentlicher Raketenbeschuss durch den Iran die Ursache sein könnte. Die Regierungen in Kanada und Großbritannien berichten von Informationen, die auf den Abschuss hinweisen. Diese Theorie wird US-Medienberichten zufolge ebenfalls in den USA verfolgt. Offiziell wird die Ursache für den Absturz noch untersucht.

Nach dem Absturz der ukrainischen Maschine fliegt Lufthansa vorerst nicht in den Iran. „Auch für heute wird der Flug von und nach Teheran vorsorglich gestrichen“, sagte die Sprecherin weiter. Sobald Detailinformationen vorlägen, werde man entscheiden, wann die Iran-Flüge wieder erfolgen könnten.

Bereits am Mittwoch hatte Lufthansa auf TRAVELBOOK-Nachfrage mitgeteilt, dass auch Flüge nach Erbil, die Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, auf unbestimmte Zeit ausgesetzt würden. Zudem meide die Airline sonst weiterhin den dortigen Luftraum. „Wir überfliegen derzeit weder Iran noch Irak“, so Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Das Unternehmen müsse ansonsten nur etwa eine Handvoll Flüge pro Tag umplanen – nämlich auf Strecken nach Indien, etwa nach Bangalore und Chennai. „Es entsteht aber dadurch eine Verspätung von nur wenigen Minuten“, teilte die Sprecherin weiter mit. Alle anderen Flüge in Richtung Asien, etwa nach Thailand oder Singapur, flögen ohnehin nicht über die Krisenregion, sondern nutzten Routen weiter nördlich.

Wer entscheidet über ein Überflugverbot?

Die Entscheidung, die Krisenregion derzeit nicht mehr zu überfliegen, sei eine Mischung aus verschiedenen Faktoren. „Zum einen hat die amerikanische Flugsicherheitsbehörde FAA eine entsprechende Weisung herausgegeben“, so Lufthansa-Sprecher Lamberty. Zudem gebe es Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sowie bestimmte Vorgaben der Länder. „Wir haben aber auch eigene Sicherheitsleute, die die Lage im Blick haben und dann treffen wir eigene Entscheidung, wie wir reagieren.“

Die österreichische Tochter Austrian sagte einen Flug von Wien nach Erbil ab.

Der Iran hatte in der Nacht zu Mittwoch US-Militärstützpunkte im Irak mit Raketen angegriffen. Die FAA begründete das Flugverbot für zivile Flugzeuge aus den USA mit der erhöhten militärischen Aktivität und wachsenden politischen Spannungen. Flugzeuge vieler Airlines überqueren auf dem Weg von Europa nach Südost-Asien oder Australien und zurück bisher regelmäßig die Region am Persischen Golf.

Nur wenig Änderungen bei Condor und Tui

Der deutsche Ferienflieger Condor und die Airlines des Reisekonzerns Tui sehen sich von der Umplanung nur leicht betroffen. Condor nehme auf den Verbindungen nach Kuala Lumpur und auf die Malediven jetzt Routen nördlich und südlich um Iran und Irak herum, sagte eine Sprecherin. Dies habe aber keine übermäßigen Auswirkungen auf den Flugplan. Tui müsse Maschinen nur auf dem Weg ins indische Goa umsteuern, sagte ein Sprecher der deutschen Flugtochter Tuifly. Zudem gebe es gelegentliche Charterflüge nach Abu Dhabi, bei denen die Flugzeuge nun womöglich einen Zwischenstopp einlegen müssten.

Die niederländische KLM, die ihre Maschinen jetzt ebenfalls einen Umweg fliegen lässt, schätzt die zu erwartenden Verspätungen auf zehn bis zwölf Minuten, wie ein KLM-Sprecher dem Rundfunksender NOS sagte. Bei anderen Gesellschaften sind die Auswirkungen heftiger.

Die australische Qantas kostet der Umweg auf der Strecke von Perth nach London etwa 40 bis 50 Minuten, wie ein Sprecher sagte. Auch Vietnam Airlines, Air India und Singapore Airlines sowie China Airlines und Eva Air aus Taiwan planen um. Die Umfliegung kostet viel Treibstoff und Geld. Große Verspätungen können die Flugpläne durcheinander bringen.

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Qatar Airways hat wenig Alternativen

Die arabischen Airlines haben in der Region ihre Drehkreuze, über die sie ihre Langstreckenflüge abwickeln. Qatar Airways steht zudem vor dem Problem, dass sie wegen eines Streits des Emirats Katar mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten die Nachbarländer im Westen, Süden und Osten seit 2017 nicht überfliegen darf. Daher hat die Airline wenig Ausweichmöglichkeiten. Sie schickte ihre Flugzeuge auch am Mittwoch weiterhin über Iran.

Unklar bleibt, wie sehr das von der FAA verhängte Verbot Fluggesellschaften aus den USA überhaupt beeinträchtigt. Denn in einem Großteil der genannten Regionen waren den US-Airlines Flüge schon länger untersagt. Zudem nehmen sie auf Flügen aus den USA etwa nach Asien oder Australien eher den Weg über den Pazifik – und passieren weder Europa noch die Länder am Persischen Golf.

Flugverbot für ukrainische Airlines

Verstärkt wurde die Unsicherheit, als kurz nach den Raketenangriffen auf die Militärbasen aus bislang ungeklärter Ursache ein ukrainisches Passagierflugzeug in der Nähe von Teheran abstürzte. Alle 176 Menschen an Bord der Boeing 737-800 NG starben. Iranische Vertreter gingen von einem Triebwerksbrand als möglicher Absturzursache aus. Die erst im Jahr 2016 ausgelieferte Maschine der Gesellschaft Ukraine International Airlines habe erst am Montag eine reguläre technische Überprüfung ohne Probleme absolviert, sagte ein Manager der Airline.

Die ukrainische Flugsicherheitsbehörde verbot heimischen Airlines daraufhin ab kommender Nacht Flüge über Iran. Russlands Luftfahrtbehörde riet Fluggesellschaften ihres Landes davon ab, den iranischen und irakischen Luftraum zu nutzen.