Nach Abstürzen

Das Update für Boeing 737 Max ist da – doch das Startverbot bleibt

Boeing
Boeing gibt zu, schon vor dem ersten Absturz einer 737 Max 8 im Oktober 2018 von Problemen gewusst zu haben
Foto: Getty Images

Der Flugzeughersteller Boeing hat laut eigenen Angaben die Entwicklung eines Updates für die Steuerungs-Software für den Typ 737 Max abgeschlossen. Abheben dürfen die Maschinen deshalb aber trotzdem noch nicht.

– Ein Fehler im MCAS, der wohl die Nase des Flugzeuges automatisch nach unten drückte, wird als Ursache der beiden Abstürze vermutet, bei denen insgesamt 346 Menschen starben.

Zudem habe man verbesserte Trainings- und Ausbildungsmaterialien entwickelt, die nun von der FAA, von Flugaufsichtsbehörden anderer Länder und von Boeing-Kunden überprüft würden. Dennoch bleiben alle 737 Max vorerst am Boden, bis die Federal Aviation Authority (FAA) die neue Software zertifiziert hat. Konzernchef Dennis Muilenberg zeigt sich jedoch optimistisch: „Wir machen klare und deutliche Fortschritte und sind zuversichtlich, dass die Boeing 737 Max mit upgedateter Software eines der sichersten Flugzeuge sein wird, die jemals geflogen sind.“

Die FAA kündigte laut „nTV“ wiederum an, die Software einer „rigorosen Sicherheitsüberprüfung“ unterziehen zu wollen. Boeing sagte, man werde der FAA auf Anfrage weitere Informationen bereit stellen, die unter anderem Auskunft darüber geben sollen, wie Piloten in verschiedenen Szenarien mit der Flugzeugsteuerung und den Anzeigen interagierten. Nun warte man auf einen abschließenden Testflug, um die Software endgültig von der FAA zertifizieren zu lassen.  Die Aktie des Flugzeugbauers reagierte unterdessen bereits positiv auf die Ankündigung.

Sicherheitslücke war bekannt

Zuvor musste der Konzern eingestehen, bereits seit 2017 von einem Softwareproblem bei seinem Modell 737 Max 8 gewusst zu haben, wie das Unternehmen ebenfalls auf seiner Webseite bekannt gab. Demnach habe man bereits einige Monate nach Auslieferungsbeginn der Maschinen im Mai 2017 festgestellt, dass ein Warnsystem nicht korrekt funktionierte – also etwa ein Jahr vor dem ersten Absturz einer 737 Max 8. Das Warnsystem sei allerdings nicht zwingend notwendig für eine sichere Operation des Flugzeuges, wie der Flugzeughersteller in seinem Statement mehrfach betont – dies hätten interne Untersuchungen ergeben.

Die Federal Aviation Authority, die US-Luftfahrtbehörde, wurde daher erst nach dem Absturz der zweiten Boeing 737 Max 8 am 10. März 2019 in Äthiopien über diesen Umstand informiert. Boeings Chefetage selbst sei nach dem ersten Absturz am 29. Oktober 2018 in Indonesien in Kenntnis gesetzt worden, habe davor nichts von dem möglichen Problem gewusst. Im Dezember 2018 habe zudem ein weiterer Sicherheitscheck nochmals ergeben, dass das fehlerhafte Warnsystem nicht relevant für die Flugsicherheit sei. Den Fehler habe man erst beim „nächsten Display System Software Update“ beheben wollen, so Boeing – wann dieses stattfinden sollte, dazu steht in dem Statement aber kein Wort.

Ausgeschaltetes Warnsystem

Als Ursache für die zwei Flugzeugabstürze, bei denen insgesamt 346 Menschen starben, vermutet man, wie eingangs bereits erwähnt, das eigens für die Boeing 737 Max 8 entwickelte Stabilisierungssystem MCAS („Maneuvering Characteristics Augmentation System“) – gesicherte Kenntnisse, was tatsächlich zu den Abstürzen führte, gibt es aber noch keine. In wohl beiden Fällen hatte dieses System die Nase des Flugzeuges automatisch nach unten gedrückt, die manuelle Gegensteuerung der Piloten war vergebens. Das vom Softwareproblem betroffene Warnsystem, das darauf aufmerksam machen sollte, sobald zwei sogenannte AOA-Sensoren („Angle of Attack“) widersprüchliche Angaben an das MCAS übermitteln, war in beiden Fällen abgeschaltet.

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Dieser „AOA disagree alert“ habe aber laut Boeing in ihren 737-Max-Flugzeugen nur dann korrekt funktioniert, wenn eine diesen Flugzeugtyp einsetzende Airline ein zusätzliches Feature dazu gekauft hätte, einen sogenannten „AOA Indicator“. Ob das fehlerhafte Warnsystem mitverantwortlich für die Abstürze der beiden Boeing-Maschinen ist, beziehungsweise diese möglicherweise hätte verhindern können, bleibt aber vorerst unklar.

189 Menschen kamen am 29. Oktober 2018 in Indonesien ums Leben. Der Flieger der Lion-Air-Fluggesellschaft war auf dem Weg von Jakarta nach Pangkal Pinang und stürzte kurz nach dem Start ins Meer. Am 10. März 2019 kamen bei einem Absturz einer Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines 157 Menschen in Äthiopien ums Leben. Die Maschine war unterwegs von Adis Abeba nach Nairobi und stürzte ebenfalls kurz nach dem Start ab.

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