Schuld war das Kabinenpersonal

Hund stirbt während United-Flug in der Gepäckablage

Hund stirbt in Gepäckablage
Eine Französische Bulldogge überlebte einen dreistündigen Flug mit der United Airlines nicht. Wahrscheinlich ist dem Tier im Gepäckfach die Luft ausgegangen (Symbolbild).
Foto: Getty Images

Eine Flugpassagierin der United Airlines wurde am Montag durch das Kabinenpersonal aufgefordert, ihren Hundewelpen im Gepäckfach zu „verstauen“. Drei Stunden später, bei der Landung am New Yorker Flughafen, war die Französische Bulldogge tot. Die ganze traurige Geschichte.

Für einen United-Airlines-Flug von Houston, Texas, nach New York City hatte eine Passagierin alle nötigen Vorkehrungen getroffen, um ihren Hund zu ihren Füßen transportieren zu dürfen. Neben der zehn Monate alten Französischen Bulldogge hatte sie auch ihre beiden Kinder dabei, eines davon ein Säugling. Doch obgleich sie eine entsprechende Reisebox gekauft und für die Mitnahme ihres Hundes bezahlt hatte – immerhin stolze 200 Dollar (etwa 162 Euro) –, wollte das Kabinenpersonal den Welpen nicht in den Passagierreihen sehen.

„Sie BESTANDEN darauf, dass er drei Stunden lang eingesperrt wird, ohne jegliche Luftzufuhr. Sie haben der Familie die Sicherheit ihres Haustieres garantiert“, so beschreibt Facebook-Nutzerin June Lara, die in der Reihe hinter der Hundebesitzerin saß, jene Szene, die den traurigen Vorfall heraufbeschwor. Der Hund hatte den Flug nicht überlebt, vermutlich ist er erstickt.

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Posted by June Lara on Monday, March 12, 2018

Wieso musste der Hund ins Gepäckfach?

Die Fluggesellschaft hat inzwischen die Verantwortung für den „tragischen Unfall“ übernommen, der nun genauer untersucht werden soll. Denn bislang bleibt die Frage offen, warum die Passagierin ihren Welpen, für den sie eine explizit für Flugreisen konzipierte Transportbox gekauft hatte, nicht unter ihrem Sitz stehen lassen durfte. Sie soll den Durchgang zeitweise versperrt haben – so der bislang einzige Erklärungsansatz.

Mehr und mehr Augenzeugen melden sich in den sozialen Netzwerken zu Wort und schildern das erschütternde Erlebnis. „Am Ende des Flugs fand die Frau ihren verstorbenen Hund vor. Sie saß weinend auf dem Boden des Flugzeuggangs, umgeben von fassungslosen Passagieren“, schreibt etwa Maggie Gremminger auf Twitter. Sie wolle die Geschichte publik mache, um der Mutter und ihren Kindern zu helfen. „Sie haben ihren Hund wegen eines United-Airlines-Flugbegleiters verloren. Mein Herz ist gebrochen.“

Passagierin bekommt Ticketpreis erstattet

Die Frau habe den Ticketpreis für sich und ihre Kinder zurückerstattet bekommen, ebenso die Gebühr für die – als sicher geplante – Mitnahme ihres Hundes. Zudem soll es eine Wiedergutmachungszahlung von rund 125 Dollar (etwa 100 Euro) gegeben haben, wie June Lara auf Facebook schreibt. „Die Humane Society der Vereinigten Staaten“  – eine US-Organisation für Tierschutz und -wohlergehen, Anm. d. Red. – „sagt dazu, dass Flugreisen für Haustiere riskant sein können und besonders gefährlich für Züchtungen wie Bulldoggen und Möpse.“ Diese seien wegen ihrer kurzen Nasengänge empfänglicher für Sauerstoffmangel und Hitzeschläge. Wie sie weiterschreibt, habe man in der Kabine den Todeskampf „des kleinen Kerls“ miterleben können, der gezappelt und gewimmert habe, bis ihm letztendlich die Luft ausgegangen war. „Es gibt keine Entschuldigung dafür, was diese Familie durchmachen musste.“

Es könnte viel Geld fließen

Laut Einschätzung von Jan Bartholl, Rechtsanwalt für Reiserecht, ist hier das letzte Wort längst nicht gesprochen. Er räumt ein, dass der Verlust eines Haustieres rechtlich „sehr emotionslos“ behandelt wird und sich Schadensersatzzahlungen am Sachwert des verlorenen Tieres errechen. Das bedeutet: Der Halterin steht der Betrag zu, den sie selbst in den Kauf ihres Hundes investiert hatte.

Anders als in Deutschland jedoch, wo man gar nicht erst versuchen brauche, Ansprüche auf einen emotionalen Schaden gelten zu machen, komme man hiermit in den USA in der Regel sehr weit. „Ich kann Ihnen garantieren, dass eine ordentliche Summe fließen wird“, so Bartholl gegenüber TRAVELBOOK. Er tippt auf eine Einigung zwischen United Airlines und der Passagierin, über dessen Höhe diese – aufgrund einer Verschwiegenheitserklärung – garantiert nicht öffentlich sprechen werde. Immerhin: „In Amerika ist man hinsichtlich Wiedergutmachungszahlungen von immateriellen Schäden sehr ‚großzügig‘.“ Der Fall sei relativ klar, da die Passagierin den Anweisungen des Flugpersonals Folge geleistet hatte, wozu sie verpflichtet sei. Er hält einen fünfstelligen Betrag für durchaus denkbar.

Alleine im vergangenen Jahr sollen laut „Spiegel Online“ auf Flügen der United Airlines 18 (!) Tiere verstorben sein. Angaben des US-Verkehrsministeriums zufolge seien das doppelt so viele wie bei allen anderen Fluggesellschaften zusammen.