Nach 2 Katastrophen in wenigen Monaten

Boeing 737 Max 8 – ist dieses Kontrollsystem der Grund für die Abstürze?

Eine Boeing 737 MAX 8 beim Landeanflug in London Heathrow
Eine Boeing 737 MAX 8 beim Landeanflug in London Heathrow
Foto: dpa picture alliance

Am Sonntag stürzte eine Maschine der Ethiopian Airlines ab – 157 starben. Es war der zweite Absturz eines Flugzeugs des Typs Boeing 737 Max 8 binnen weniger Monate. Mittlerweile wurde der deutsche Luftraum für Boeing 737 Max 8 gesperrt, die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) forderte den Flugzeughersteller zu Änderungen an den Maschinen dieses Typs auf. Was genau soll geändert werden? Und liegt die Schuld bei dem Kontrollsystem MCAS? TRAVELBOOK sprach mit einem Experten.

Laut der FAA sei es unter anderem nötig, das Kontrollsystems MCAS („zu überarbeiten. Bis spätestens April soll es eine entsprechende Anweisung geben. Doch wie genau funktioniert das MCAS überhaupt? Das erklärt Dr. Elmar Giemulla, Professor für Luftverkehrsrecht an der TU Berlin, auf TRAVELBOOK-Nachfrage: „MCAS ist der Begriff dafür, dass die Bordelektronik so programmiert ist, dass die Nase eines Flugzeug ab einem bestimmten Anstellwinkel (20 Grad) nach unten gedrückt wird. Das ist deshalb nötig, weil im Steigflug der nötige Anstellwinkel durch den Auftrieb an den beiden Triebwerken verstärkt wird.“

Das wiederum läge laut Giemulla daran, dass bei der 737 Max 8 die Triebwerke weiter vorne angebracht sind und mehr Auftrieb erzeugen würden als bei den bisherigen 737. Giemulla weiter: „Wenn dadurch der Anstellwinkel zu groß wird, wird er vom Bordcomputer wieder verkleinert, denn es bestünde die Gefahr des Strömungsabrisses. Das soll durch das ‚Nase-Runterdrücken‘ verhindert werden.“

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Kontrollsystem schon 2018 in der Kritik

Boeing will Software überarbeiten

Am Montag erklärte Boeing in einer Pressemitteilung, dass es eine Überarbeitung der Software für den Typ 737 Max gab und diese in den kommenden Wochen bei sämtlichen 737-Max-Maschinen installiert werde.

Diese Airlines haben die Boeing 737 Max 8 im Einsatz

Technischer Fehler laut Experte „sehr wahrscheinlich“

Auch in dem aktuellen Fall bei Ethiopian Air hält Giemulla einen technischen Fehler für „sehr wahrscheinlich“. Es komme aber seiner Meinung nach auch menschliches Versagen hinzu. „Die Piloten hätten in solchen Situationen den Computer ausschalten müssen und dann selbst das Flugzug steuern müssen. Das muss aber geübt werden, denn der Übergang von der Maschine zum Menschen ist nicht stressfrei. Es sieht so aus, als sei das Training, das der Hersteller den Piloten der bestellenden Firmen üblicherweise gibt, nicht ausreichend gewesen.“

Diese Einschätzung würde sich zumindest auch mit der Ankündigung von Boeing decken, in Zukunft auch das Training der Crews und die Handbücher anzupassen. Bisher sieht das Unternehmen allerdings offiziell keinen Zusammenhang zwischen MCAS und den Abstürzen.