Rechtsstreit um Insel-Bezeichnung

Darf ein Veranstalter Reisen nach „Malle“ anbieten oder nicht?

Ein deutscher Reiseveranstalter darf keine Reisen nach „Malle“ mehr bewerben
Ein deutscher Reiseveranstalter darf wohl keine Reisen nach „Malle“ mehr bewerben
Foto: dpa Picture Alliance

Ein Reiseanbieter aus Norddeutschland bietet regelmäßig Urlaubsschnäppchen für Mallorca an und bewirbt diese gerne als „Malle Reise“. Doch genau das soll der Veranstalter jetzt nicht mehr tun bzw. dafür zahlen und sieht sich deshalb einem Rechtsstreit ausgesetzt, der ihn teuer zu stehen kommen könnte. Was dahinter steckt.

Holger Seyfried ist stinksauer. Das liest man aus fast jedem Wort der langen Stellungnahme heraus, die der Betreiber der Schnäppchenseite reisetiger.net online veröffentlicht hat. „Man verbietet uns, eine Reise nach Malle, als ‘Malle Reise‘ zu bezeichnen“, heißt es darin. Als „ebenso amüsant wie traurig“ und „schlimm doof“ bezeichnet Seyfried das Vorgehen gegen ihn.

Was ist passiert? Wie die lokale „Mallorca Zeitung“ zuerst berichtete, liegt gegen Seyfried eine Unterlassungserklärung vor, weil sich ein findiger Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen bereits im Jahr 2002 die Marke „Malle“ hat schützen lassen. Das bedeutet, das jeder, der den Namen für gewerbliche Zwecke nutzen möchte, zunächst eine Lizenz dafür erwerben muss.

Kosten von mehr als 1800 Euro

Bei dem Reiseveranstalter aus Stade (Niedersachsen) geht es nach eigenen Angaben bei dem Rechtsstreit um ein Angebot für eine 5-tägige Reise auf die Baleareninsel im Oktober, in dem das Wort „Malle“ dreimal erwähnt wird. Dafür solle er derzeit mehr als 1800 Euro zahlen.

„Und da ist die Lizenzierung noch nicht mit drin“, echauffiert sich Seyfried in seiner Stellungnahme. „In der Unterlassungserklärung sollen wir uns zudem verpflichten, für jede Zuwiderhandlung automatisch eine Vertragsstrafe von 3000 Euro zu zahlen. Dauerhaft, auch in 42 Jahren noch. Auch wenn nur jemand aus meinem Team nachts um 3 Uhr bei Facebook 2.0 ein ‚Tolles Hotel auf Malle‘ kommentiert.“ Der Streitwert sei mit 50.000 Euro beziffert worden. „Da sind wir schnell in existenzbedrohlichen Höhen angelangt.“

„Alle denken an die schöne Insel“

„Es gibt wohl niemanden in Deutschland, der den Satz ‘Super, wir haben eine Malle Reise gebucht!“ mit einer Marke in Verbindung bringen würde. Alle denken an die schöne Insel. Und das sollte meiner Meinung nach auch so bleiben!“, sagt Seyfried.

Laut einem Bericht von rtl.de ist Seyfried übrigens nicht der einzige, von dem der Markeninhaber Geld fordert. Demnach haben diverse Kneipen- und Diskotheken-Besitzer sowie Partyveranstalter in den vergangenen Wochen Abmahnungen mit „teilweise horrenden Forderungen“ erhalten. Unter anderem solle eine Wirtin aus Essen auch rückwirkend für Partys zahlen, die sie unter anderem mit „Malle Party“, „Hände hoch Malle“ oder „Malle total“ beworben hatte.

Auch der Name „Ballermann“ ist geschützt

Der Unternehmer aus NRW ist nicht der erste Deutsche, der mit der beliebten Baleareninsel durch die Eintragung einer Marke ordentlich Geld verdient: Bereits im Jahr 1995 ließ sich der damalige Jurastudent und Mallorca-Fan André Engelhardt aus Hamm (ebenfalls NRW) den Namen „Ballermann“ schützen – und kassiert seitdem mit jeder veranstalteten „Ballermann-Party“ und jedem produzierten „Ballermann-Song“ ordentlich Geld. Die ganze Geschichte lesen Sie hier.

 

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