Trotz Corona-Lockdown

Wintersportorte erwarten erneuten Ansturm von Tagesausflüglern

Winterberg Tagesausflügler
Ausflügler mit Schlitten gehen am 1. Januar in Winterberg an einer geschlossenen Skipiste an einem Banner mit Corona-Verhaltensregeln vorbei. Die Stadt will wegen der Corona-Pandemie die Straßen zu ihrem Skigebiet am kommenden Wochenende sperren.
Foto: dpa Picture Alliance

Die Ruhe vor dem erneuten Ansturm? In vielen deutschen Wintersportorten und an Ausflugszielen blieb es zum Wochenstart ruhig. Doch schon in den nächsten Tagen könnte sich das ändern.

Die Wintersportorte und Ausflugsziele in Deutschland haben sich vor dem Feiertag in mehreren Bundesländern am Mittwoch (6. Januar) und dem kommenden Wochenende für neue Besucheranstürme gewappnet. In den Mittelgebirgen war das Wetter weiter winterlich, teilweise fiel auch Neuschnee.

In Bayern wurden für die besonders beliebten Ausflugsregionen mit Blick auf den Dreikönigstag verstärkte Kontrollen durch die Polizei angekündigt. Auch in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg ist der Mittwoch ein Feiertag.

Sperrung von Zufahrtsstraßen

Die Landesregierung im Südwesten appellierte an die Vernunft der Winter-Ausflügler. Mehrere Landkreise im Schwarzwald wollten angesichts des andauernden Ansturms von Ausflüglern mit der Polizei gemeinsame Maßnahmen gegen Gedränge und Verkehrschaos, wie etwa Straßensperrungen, ergreifen. Sachsen-Anhalts Innenminister Michael Richter (CDU) hatte bereits angekündigt, eine Sperrung der Zufahrtsstraßen zum Brocken in Erwägung zu ziehen.

Im nordhessischen Wintersportort Willingen werden Skipisten, Rodelhänge und Parkplätze am Wochenende für Besucher gesperrt. Das beschloss der Landkreis Waldeck-Frankenberg. „Mindestabstände sind bei der Masse an Tagestouristen weder einhaltbar, noch kontrollierbar gewesen – sogar im Freien“, sagte der Gesundheitsdezernent des Landkreises, Karl-Friedrich Frese. Man habe daher keine andere Möglichkeit als das Betretungsverbot gesehen.

Winterberg

Polizisten und eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes stehen auf einer Piste im Skigebiet in Winterberg. Nach dem großen Andrang in den letzten Tagen sind die Pisten und Parkplätze nun gesperrt.
Foto: dpa Picture Alliance

Die Zufahrten zu den Wintersportgebieten Schwarzer Mann und Wolfsschlucht in Rheinland-Pfalz sind noch bis zum Sonntag voll gesperrt. Am Dienstag wurde die direkte Zufahrt zum Erbeskopf im Hunsrück wegen der schwierigen Witterungsbedingungen zugemacht. Der verschneite Höhenzug Deister bei Hannover zog ebenfalls viele Menschen an. Die Polizei sprach von einer angespannten Verkehrslage und überfüllten Parkplätzen.

Die Maßnahmen gegen den Ansturm von Schnee-Touristen in der Eifel-Gemeinde Hellenthal in Nordrhein-Westfalen schienen am Dienstag vorerst zu wirken. „Die Lage ist etwas entspannter“, erklärte ein Vertreter der 8000-Einwohner-Gemeinde. Dort waren die Parkplätze an Ausflugszielen abgesperrt worden.

Nach Hellenthal und Winterberg will auch Reichshof im Bergischen Land in NRW die Straßen zu ihrem Skigebiet am nächsten Wochenende sperren. „Wie sehr wir uns auch immer auf Schnee und die vielen Besucher aus den umliegenden Städten freuen, diesen Winter geht es leider nicht“, erklärte Bürgermeister Rüdiger Gennies.

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Skiurlaub trage „maßgeblich“ zur Virusverbreitung bei

Anfang Dezember wurde noch gemahnt. „Ein zweites Ischgl können wir uns in diesem Winter nicht erlauben, sonst besteht die Gefahr, dass wir europaweit in einer Lockdown-Situation landen, aus der wir nicht mehr hochkommen“, sagte damals der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Damals hatten sich die Menschen in Deutschland mehrheitlich für die Schließung der Skigebiete zur Eindämmung der Pandemie. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der „Augsburger Allgemeinen“ sagten vor knapp einem Monat noch 73,8 Prozent, eine Schließung sei „eindeutig“ oder „eher richtig“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich Anfang Dezember bereits mit Blick auf Winterurlaube für eine Schließung aller Skigebiete in Europa ausgesprochen. Befürworter der Skigebiete-Schließung sprechen zudem warnend von Ischgl, dem österreichischen Skiort, der im Frühjahr maßgeblich zur Virusverbreitung in Europa beigetragen haben soll.

 

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, mahnte strenge Regeln für Skiurlauber an. „Wer jetzt noch meint, trotz hoher Infektionszahlen in den Skiurlaub fahren zu müssen, sollte ganz klar wissen, dass er danach in Quarantäne gehört“, sagte er der „Rheinischen Post“.