Sexismus-Vorwürfe gegen Minister

Uganda will mit kurvigen Frauen den Tourismus ankurbeln

Uganda Tourismus
Tourismus-Minister Godfrey Kiwanda posiert mit Teilnehmerinnen eines umstrittenen „Schönheitswettbewerbs“
Foto: Getty Images

Ugandas Tourismus-Minister sieht sich aktuell harscher Kritik ausgesetzt: Denn um mehr Touristen anzulocken, setzt er voll und ganz auf die „kurvigen Frauen“ in seinem Land und startet einen skurrilen „Schönheitswettbewerb“. Frauenrechtlerinnen sind schockiert.

Ja, Sie haben richtig gelesen, kurvige Frauen sind das Totschlagargument, mit dem Kiwanda künftig wieder vermehrt Urlauber in sein Land zu locken gedenkt – und deshalb hat er im Rahmen einer Kampagne jetzt auch eine Art Schönheitswettberweb ins Leben gerufen, mit der er genau solche Frauen zu finden gedenkt, namentlich den „Miss Curvy Uganda“. Dem „Guardian“ sagte er dazu: „Wir haben natürlich ausgestattete, gut aussehende Frauen. Warum benutzen wir diese Menschen nicht, um unsere Tourismus-Industrie zu bewerben.“ Teilnehmen können alle einheimischen Frauen zwischen 18 und 35 Jahren – die Siegerin, die im Juni gekürt werden soll, solle dann auch Teil einer neuen Tourismuskampagne für Uganda werden.

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Massiver Gegenwind

Uganda

Auf dieser Webseite wird Ugandas neue „Touristenattraktion“ gesucht
Foto: www.misscurvyuganda.com

Womit Kiwanda wohl nicht gerechnet hat, ist der massive Gegenwind, der ihm und seiner Kampagne jetzt entgegenschlägt, sowie die (berechtigten) Sexismus-Vorwürfe, mit denen er sich konfrontiert sieht. So sagte zum Beispiel Simon Lokodo, Minister für Ethik und Integrität: „Das ist beschämend, und ich verurteile es sehr. Es erniedrigt Frauen und zerstört völlig ihre Integrität.“ Sie würden dadurch zu einem unterhaltsamen Spielzeug reduziert, die Initiative sei genauso schlimm, wie wenn Frauen in einem Striptease-Club tanzen müssten.

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Besonders dreist: Kiwanda hat offensichtlich auch das Gesicht bzw. den Körper des weiblichen TV-Stars Grace Msalame benutzt, um seinen Wettbewerb anzupreisen – ohne diese jedoch vorher um Erlaubnis zu bitten oder auch nur zu informieren. Das skurrilste an der Sache: Msalame stammt nicht einmal aus Uganda, sondern aus Kenia. In einem Statement erklärte sie denn auch ihre „große Verärgerung“ darüber, für die „Reduzierung von Frauen auf Objekte“ benutzt worden zu sein.

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Minister: „Kurvige Frauen sind eine Touristenattraktion“

Auch Frauenrechtlerinnen sind schockiert über Kiwandas Idee, so sagte zum Beispiel Rita Aciro, die Vorsitzende des „Uganda Women’s Network“ dem „Guardian“: „Es ist eine Schande für Mädchen und Frauen aus Uganda. Der gesunde Menschenverstand sollte einem schon sagen, dass man Tourismus nicht mit Frauenkörpern ankurbeln sollte.“ Die Aktivistin Primrose Nyonyozi Murungi hat auf der Seite „change.org“ bereits eine Petition gestartet, die die Absage der bizarren Kampagne fordert – unterzeichnet haben ihn bislang weit über 2600 Unterstützer*innen.

Murundi geht laut „SBS News“ sogar noch weiter: Sie fordert Kiwandas Rücktritt und droht mit einer Klage gegen den Schönheitswettbewerb, sollte dieser nicht zurückgezogen werden. In Uganda sei es immer noch an der Tagesordnung, dass Frauen Opfer sexueller Übergriffe würden – und das nicht selten sogar auf offener Straße, am helllichten Tag. Kiwanda allerdings ficht die Aufregung nicht an, so zitiert ihn „SBS News“ mit folgendem Satz: „So vielseitig wie unser Land sind auch die Kurven unserer Frauen – diese Nachricht wollen wir verkünden, denn wir glauben, das ist eine Touristenattraktion.“

Natürlich bleibt ob dieser Debatte ein schaler Beigeschmack: Denn ob kurvig oder nicht, auch in „normalen“ Miss-Wahlen sind die Frauen oft wenig mehr als schöne, aber stumme, dauer-lächelnde Püppchen. Man sollte sich also vielleicht die Frage stellen, ob solche Wettbewerbe nicht generell ein Relikt veralteter Geschlechter-Klischees sind.

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