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Reisende berichten bei TRAVELBOOK

»Wir machen Oster-Urlaub auf Mallorca – na und?!

Oster-Urlaub auf Mallorca
Oster-Urlaub auf Mallorca im Jahr 2021? Hellen und Alexander aus Bayern wollen es tun!Foto: dpa picture Alliance / privat / Collage TRAVELBOOK

Am vergangenen Freitag wurden die Balearen dank sinkender Corona-Fallzahlen von der Liste der Risikogebiete des RKI gestrichen und die Reisewarnung aufgehoben. Diese Nachricht löste einen regelrechten Buchungsboom für Ostern aus. Kurz darauf ruderte die Bundesregierung zurück und rät inzwischen dringend von Mallorca-Reisen zu Ostern ab. Urlaub trotz Corona – ein Facebook-Aufruf von TRAVELBOOK zeigt, wie umstritten das Thema ist.

Als die Nachricht von der Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca kam, zögerten Alexander (37) aus und seine Freundin Hellen (25) aus Roding in Bayern (Foto oben) nicht lange. „Die Entscheidung zu buchen ist am Freitag endgültig gefallen“, sagt Alexander zu TRAVELBOOK. Die Corona-Fallzahlen auf den Balearen habe er schon länger beobachtet, um im Zweifelsfall sofort Flüge und eine Unterkunft reservieren zu können. Vom 1. bis 4. April wird das Paar aus Bayern nun Oster-Urlaub in einem Hotel in Palma machen – vorausgesetzt natürlich, dass die Balearen bis dahin nicht doch wieder Risikogebiet sind.

Eigentlich hatten Alexander und Hellen auf Mallorca eine Finca mieten wollen, um so mehr Abstand zu anderen Urlaubern zu haben. Allerdings hätten die Stornokosten für Ferienhäuser ab Ende März bei fast allen Anbietern mindestens 50 Prozent betragen. „Das war mir zu heikel, deshalb ist jetzt doch ein Hotel geworden“, sagt Alexander.

»Wenn man gut aufpasst, ist das Risiko auf Mallorca nicht höher

Auch Kathrin (38) aus Hannover ist lieber auf Nummer sicher gegangen und hat auf Mallorca ein Hotel gebucht, bei dem man bis zwei Tage vor Abreise kostenlos stornieren kann. Sie wird mit einer Freundin ab dem 1. April für eine Woche in Port de Sóller an der Nordwestküste der Baleareninsel sein. „Das schwirrte schon eine ganze Weile als Idee in meinem Kopf herum, und mit der Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca ist die Entscheidung zu buchen dann am letzten Freitag gefallen“, sagt Kathrin.

Angst, sich unterwegs anzustecken, hat sie nicht. „Ich denke, wenn ich selber gut aufpasse und Abstand wahre und Maske trage, ist das Risiko auf Mallorca auf keinen Fall höher.“

Oster-Urlaub auf Mallorca umstritten

Außer Alexander und Kathrin haben sich noch viele weitere Leser auf den Facebook-Aufruf hin bei TRAVELBOOK gemeldet, die ebenfalls Oster-Urlaub auf Mallorca gebucht haben. In den Kommentaren unter unserem Aufruf zeigt sich aber deutlich, wie umstritten das Thema ist und dass nicht Jeder Verständnis dafür hat. „Wie blöd muss man eigentlich sein, um jetzt so eine Reise zu buchen?“, schreibt etwa eine Userin.

„Mir fällt da nichts mehr dazu ein, außer dass wir sehr, sehr gerne noch viel länger im Lockdown bleiben. Danke“, meint eine weitere Userin. Andere wiederum schreiben, dass sie lieber noch etwas abwarten und die Lage weiter beobachten. „Ich würde so gern. Aber irgendwas in mir sagt, ‚besser nicht‘“, kommentiert ein Leser.

»Die Bundesregierung ist selbst Schuld, dass wir fliegen

Dass die Bundesregierung inzwischen an die Deutschen appelliert, über Ostern nicht zu verreisen, ändert an Alexanders Entscheidung nichts. Er sagt: „Solange die Flüge gehen und ich nach der Rückreise nicht in Quarantäne muss, werden wir fliegen.“ Kathrin drückt es etwas drastischer aus: „Die Bundesregierung ist ja selber schuld und hat mir den Weg für eine Buchung schön freigemacht. Die Aufhebung der Reisewarnung hat ja einen guten Grund, nämlich sehr geringe Fallzahlen – warum sollte ich dann nicht dorthin gehen, wo es weniger gefährlich ist?“

Auch interessant: „Purer Egoismus!“ Heftige Diskussion um Reisen trotz Corona-Lockdown

Ein Problem stellt sich für Kathrin und ihre Freundin allerdings noch: Das balearische Gesundheitsministerium hat inzwischen beschlossen, dass nur Personen aus dem gleichen Haushalt in einem Hotelzimmer übernachten dürfen. Demnach dürfen sich Paare, Freunde oder Verwandte, die in Deutschland nicht zusammen wohnen, beim Oster-Urlaub auf Mallorca kein Zimmer teilen. „Das stellt uns natürlich nun vor ein Problem“, sagt Kathrin. „Es wird ein paar Tage dauern, bis wir uns eine Lösung dafür überlegt haben.“

Fast zwei Drittel gegen Mallorca-Reisen ohne Quarantäne

Fast zwei Drittel der Deutschen halten die Aufhebung der Reisebeschränkungen für Mallorca für falsch. In einer Umfrage lehnten 65 Prozent die von der Bundesregierung beschlossene Aufhebung der Quarantäne und Testpflicht für Rückkehrer von der spanischen Ferieninsel ab.

Die Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab außerdem, dass nur 22 Prozent diesen Schritt für richtig halten. 12 Prozent machten keine Angaben.

Die Bundesregierung hat sich selbst dazu verpflichtet, die Reisewarnung für ein Land oder eine Region aufzuheben, sobald die Zahl der Neuinfektionen unter 50 pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche sinkt. Sie rät aber trotzdem weiterhin generell von touristischen Reisen im In- oder ins Ausland ab.

Mehr als 40 Prozent wollen wieder eine weltweite Reisewarnung

44 Prozent der Befragten sprachen sich bei YouGov dafür aus, sogar die weltweite Reisewarnung zu reaktivieren, die es während der ersten Corona-Welle im vergangenen Frühjahr gab. 35 Prozent finden dagegen die bisherige Praxis der Bewertung einzelner Auslandsregionen nach Infektionslage grundsätzlich richtig. 13 Prozent wären für eine Abschaffung aller Reisebeschränkungen.

Die Bundesregierung hatte vor fast genau einem Jahr eine weltweite Reisewarnung für alle etwa 200 Länder ausgesprochen, die erst nach drei Monaten wieder aufgehoben wurde. Seitdem bewertet die Regierung alle Länder bis in einzelne Regionen hinein separat. Trotzdem gelten auch heute noch etwa 160 Länder ganz oder teilweise als Risikogebiet.

Hinweis: TRAVELBOOK rät allen, die eine Reise planen, dazu, sich an die Empfehlungen der Bundesregierung, des Robert Koch-Instituts und des Auswärtigen Amts zu halten.

(mit Material von dpa)