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Longyearbyen in Norwegen: In dieser Stadt ist Sterben „verboten“

Norwegen

Longyearbyen – die Stadt, in der Sterben „verboten“ ist

Longyearbyen
Longyearbyen ist kein Ort, an dem man für immer bleiben kannFoto: Getty Images

Longyearbyen auf Spitzbergen ist einer der nördlichsten Orte der Welt. Durch seine Nähe zur Arktis ist es dort so kalt, dass der Boden permanent gefroren ist. Das wiederum hat zu einer wahrlich skurrilen Gesetzgebung geführt...

Stellen Sie sich einmal vor, in Ihrer Heimatstadt wäre es Ihnen verboten, zu sterben. Unmöglich? In Longyearbyen auf dem norwegischen Insel-Archipel Spitzbergen ist genau das der Fall. Wobei verboten nicht ganz das richtige Wort ist, wie der Tourismusbeauftragte Ronny Bruvoll TRAVELBOOK sagt: „Sterben können Sie natürlich schon, aber es gibt keine Möglichkeit, hier auch beerdigt zu werden.“

Mehr Tipps und Inspirationen rund um Spitzbergen gibt TRAVELBOOK-Redakteurin Larissa Königs in der folgenden Podcast-Folge von In 5 Minuten um die Welt:

Seit 1950 gibt es laut Bruvoll sogar ein offizielles Gesetz, das besagt, dass man sich zum Sterben auf das norwegische Festland begeben muss – oder eben nach dem Tod dorthin überbracht wird, um begraben zu werden. Das liegt daran, dass es auf Spitzbergen das ganze Jahr über so kalt ist, dass der Boden hier permanent gefroren ist. „Wenn man Leute im Permafrost begräbt, kommen ihre Leichen früher oder später wieder an die Oberfläche“, sagt Bruvoll zu TRAVELBOOK. „Durch die Kälte verrottet hier auch nichts.“

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No country for old men

Eine standesgemäße Beerdigung ist daher schlicht und einfach nicht möglich – zumal Longyearbyen auch nicht gerade ein einladender Platz für den Lebensabend ist: Es gibt hier weder ein richtiges Krankenhaus noch ein Altenheim, auch Pflegedienste sucht man vergeblich. „Wer sich nicht mehr um sich selbst kümmern kann, muss die Insel verlassen“, sagt Bruvoll – auch das sei gesetzlich festgehalten.

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Dennoch gibt es einen kleinen Inselfriedhof, allerdings werden auf diesem laut „BBC“ schon seit 1938 keine Bestattungen mehr durchgeführt. Hier liegen unter anderem Opfer der Spanischen Grippe, die 1918 auch in Longyearbyen um sich griff. Laut Bruvoll gibt es aber doch eine Möglichkeit, auf Spitzbergen die ewige Ruhe zu finden: „Wer sich nach dem Tod verbrennen lässt, kann seine Asche hier verstreuen lassen.“

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Der Friedhof von Longyearbyen
Der Friedhof von Longyearbyen: Hier liegen 33 Menschen. Heutzutage wird hier niemand mehr beerdigt.Foto: Getty Images

Mein Besuch in Longyearbyen

2018 hatte ich die Möglichkeit, Longyearbyen selbst zu besuchen. Ich erinnere mich noch an den ersten Blick aus dem Flugzeug, als zwischen den unendlichen Eiswüsten auf einmal der kleine Ort auftauchte, die nördlichste Stadt der Welt, langgezogen zwischen zwei Bergrücken. Von oben wirkte es riesig, doch bei meiner ersten Durchfahrt merkte ich dann, dass man in kaum 20 Minuten bereits fast alles gesehen hat. Abgesehen von weiter entfernten „Sehenswürdigkeiten“ wie etwa dem Friedhof, der sich oberhalb der Stadt befindet. So winzig dieser Ort auch ist, so empfehlenswert ist dennoch eine Reise dorthin – wer fasziniert ist von der arktischen Wildnis, kann von hier als Ausgangspunkt traumhafte Ausflüge erleben.

Larissa Königs , Redakteurin TRAVELBOOK

Spitzbergen – persönliche Tipps von TRAVELBOOK-Redakteurin Larissa Königs

Was ist ein Highlight?
Spitzbergen an sich ist ein Highlight – wer noch nie im „ewigen Eis“ war, wird begeistert sein von den endlosen Weiten, den gigantischen weißen Flächen und der wilden Natur. Wenn ich mich auf ein Highlight festlegen müsste, wäre es vermutlich die arktische Nacht, in der die Sonne nie über den endlosen Schnee-Weiten untergeht. Für dieses Erlebnis empfiehlt es sich, etwa zwischen März und April nach Spitzbergen zu kommen.

Was man unbedingt tun sollte
Eine Schlittenhundetour buchen – und zwar eine, bei der man auch die Hunde selbst mit anleint und bereit für die Fahrt macht. Dabei erfährt man oft auch viel über die Charaktere der Hunde. Für Hundeliebhaber die keine Angst davor haben, auch mal wirklich mit den Tieren zu arbeiten, ein absolutes Highlight. Übrigens haben Schlittenhundetouren und die Unterbringung der Hunde in großen Sheltern nichts mit Tierquälerei zu tun. Huskys und Malamutes lieben es, den ganzen Tag draußen im Rudel zu sein und sich einmal am Tag so richtig auszupowern.

Welche Gegend sollte man meiden?
Keine spezielle, und „meiden“ ist auch das falsche Wort, denn: Überall außerhalb der Ortschaften können Eisbären die Wege kreuzen, und das ist wirklich gefährlich. Die zahlreichen Schilder und Warnungen stehen auf Spitzbergen auf jeden Fall nicht ohne Grund überall rum. Wer sich in die Natur raus wagt, sollte also auf jeden Fall in Begleitung eines Guides sein – die wissen nämlich, wie sie im Zweifelsfall die Eisbären verschrecken oder notfalls auch abwehren können.

Wie kommt man am besten hin?
Entweder im Rahmen einer Kreuzfahrt oder mit dem Flieger nach Longyearbyen. Ich bin damals über Oslo geflogen und hab die Zeit dort auch noch gleich für einen Tagesaufenthalt genutzt. Übrigens: Schiffe, die nach Spitzbergen fahren, dürfen nur mit Flüssiggas oder Batteriebetrieben fahren, weil es sich hier um eine besondere Schutzzone handelt.

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