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Wie gefährlich sind die Tiere?

Österreich warnt Urlauber mit Online-Wanderkarten vor Kuh-Unfällen

Österreich Kühe
Besonders in den Bergen treffen Wanderer in Österreich immer wieder auf Kühe. Dabei gibt es einiges zu beachten.Foto: Getty Images

Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen mit Kühen und Wanderern – die im seltenen und schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Österreich will Unfälle verhindern und Touristen besser aufklären – unter anderem mit neuen Online-Wanderkarten. Doch sind Kühe tatsächlich so gefährlich? Und wie verhält man sich bei einer Begegnung? TRAVELBOOK klärt auf.

In Österreich stehen nach Angaben des Ministeriums rund 300.000 Rinder auf den rund 8000 bewirtschafteten Almen. Viele Wanderwege kreuzen die Areale. Immer wieder kommt es zu Unfällen mit Kühen, die im schlimmsten Fall tödlich enden.

So starb etwa 2014 starb eine deutsche Wanderin in den österreichischen Alpen nach einer Attacke von 20 Kühen mit ihren Kälbern, der betroffene Landwirt wurde zu einer hohen Schadensersatz-Zahlung an die Hinterbliebenen verurteilt. Österreich führte deswegen bereits 2019 einen Verhaltenskodex ein, den „Aktionsplan für sichere Almen“. Doch auch danach gab es immer wieder negative Vorfälle, als Wanderer in Österreich auf Kühe trafen. Deshalb sollen jetzt Almwanderer in Österreich verstärkt darüber informiert werden, wie man sich richtig verhält, wenn man auf Kühe trifft.

Online-Wanderkarten in Österreich sollen vor Mutter-Kühen warnen

Unter anderem soll nun auf Online-Wanderkarten der Alpenvereine vor Mutter-Kühen gewarnt werden. Wanderer sollen so bereits bei ihrer Tourenplanung erkennen, wo sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Mutterkühe und Weidetiere aufhielten.

Der bald verfügbare Service sei nicht zuletzt wichtig für Menschen, die ihren Hund mit auf die Alm bringen möchten, sagte Gerald Dunkel-Schwarzenberger, Präsident des Verbands alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ), am Dienstag in Wien.

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Wie gefährlich sind Kühe tatsächlich?

2014 soll es in Deutschland 10.200 Kuhangriffe gegeben haben, berichtete damals die Tageszeitung WELT. Vier von ihnen endeten tödlich. Weltweit seien es jedes Jahr sogar durchschnittlich 20 Todesfälle, die auf eine Kuh-Begegnung zurückzuführen sind. Der weiße Hai sei hingegen jährlich nur für rund zehn Todesfälle verantwortlich. Bevor man die Kuh aber als „Killerkuh“ stigmatisiert, sollte bedacht werden, dass Kühe uns im Alltag deutlich häufiger begegnen als Haie, weshalb der Vergleich wenig aussagekräftig ist.

Das Fernsehmagazin „Quarks & Co.“ erklärt, dass Kühe Fluchttiere sind und es eher in ihrer Natur liegt, einer Konfliktsituation auszuweichen als anzugreifen. Dennoch: Ist die Kuh Mutter und hat ein Kälbchen, reagiert sie, wie viele andere Tiere, deutlich konfliktbereiter und wird auch aggressiv handeln, wenn sie eine Gefahrensituation für ihr Kälbchen erkennt. Ebenso schützen Kühe ihr Revier vor Eindringlingen, wenn sie diese als Gefahr betrachten. Dies passiert besonders schnell, wenn ein Wanderer mit einem Hund unterwegs ist.

Kühe bei Wanderung
Besonders Hunde können Kühe schnell als Bedrohung wahrnehmen. Passiert man eine Herde, sollte man seinen Hund angeleint direkt neben sich führen.Foto: Getty Images

Wie sollte man sich verhalten?

Welche Verhaltensregeln man beachten sollte, wenn man bei seiner Wanderung Kühen begegnet, verraten unter anderem das Wandermagazin „Bergwelten“ und der „Österreichische Tierschutzverein“. TRAVELBOOK fasst die Tipps zusammen:

  • Auf den Wegen bleiben: Abkürzungen über Weidegebiete sollten vermieden werden. Ist die Weide eingezäunt, sollte sie keinesfalls passiert werden.
  • Abstand zu den Kühen halten: Begegnet man auf seiner Wanderung Kühen, so sollte man die Herden großräumig umlaufen und einen Abstand von mindestens 20 Metern halten. Auch auf Streicheleinheiten – besonders bei Kälbchen – sollte unbedingt verzichtet werden. Das gilt auch fürs Füttern.
  • Vom Rad absteigen: Ist man mit dem Fahrrad unterwegs, sollte man absteigen und das Fahrrad langsam schieben, wenn man eine Herde passiert. Kühe sehen recht unscharf und ein Radfahrer kann schnell eine Panikreaktion hervorrufen.
  • Auf Körpersprache achten: Die Tiere sollten man im Auge behalten, ihnen aber nicht direkt in die Augen schauen. Wird man von den Kühen fixiert oder senkt eine von ihnen bedrohlich den Kopf, sollten man sich langsam entfernen. Schnaubt die Kuh oder scharrt mit ihrem Huf, sollten man mit ruhigen und langsamen Bewegungen möglichst schnell Abstand zwischen sich und das Tier bringen.
  • Besonders Hundebesitzer sollten vorsichtig sein: Hunde sollten in Gebieten mit Kühen unbedingt angeleint bleiben. Ebenso sollte verhindert werden, dass der Hund laute Geräusche – wie etwa ein Bellen – macht. Dies könnte auf die Kühe bedrohlich wirken und sie zum Angreifen animieren. Bei vielen Kuhangriffen sollen Hunde eine entscheidende Rolle gespielt haben. Kommt es jedoch zu einem Angriff, sollte man seinen Hund umgehend ableinen, da die Kuh eher den Hund angreifen wird, als den Menschen. Dieser ist in der Regel aber deutlich schneller als die Kuh.

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Wenn es zum Kuhangriff kommt …

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Angriff, sollte man unbedingt ruhig bleiben und der Kuh nicht den Rücken zuwenden. Laufen Sie langsam rückwärts von der Kuh weg. Ist es auch dafür zu spät, können laute, selbstsichere und tiefe Geräusche, etwa durch ein lautes Brüllen, helfen. Machen Sie sich groß und imposant, indem sie zum Beispiel ihre Jacke mit den Händen hochhalten. Auch ein Stock kann im Ernstfall helfen, die Kuh zu verscheuchen – etwa durch einen Schlag auf die Nase.

Am Ende gilt: Kühe sind weder Kuscheltiere noch Killermaschinen. Sie verteidigen lediglich ihr Revier und beschützen ihren Nachwuchs. Wer den Tieren mit der nötigen Vorsicht begegnet und Abstand hält, bleibt von unangenehmen Zwischenfällen in der Regel verschont.