Wie gefährlich sind die Tiere?

Österreich warnt Urlauber vor Kuh-Unfällen

Kühe in den Alpen
Besonders in den Bergen treffen Wanderer immer wieder auf Kühe. Dabei gibt es einiges zu beachten.
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Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen mit Kühen und Wanderern – die im seltenen und schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Österreich will Unfälle verhindern und Touristen besser aufklären. Doch sind Kühe tatsächlich so gefährlich? Und wie verhält man sich bei einer Begegnung? TRAVELBOOK klärt auf.

2014 starb eine deutsche Wanderin in den österreichischen Alpen nach einer Kuh-Attacke, der betroffene Landwirt wurde zu einer hohen Schadensersatz-Zahlung an die Hinterbliebenen verurteilt. Österreich führte deswegen bereits 2019 einen Verhaltenskodex ein, den „Aktionsplan für sichere Almen“. Doch auch danach gab es immer wieder negative Vorfälle. Deshalb sollen jetzt Almwanderer in Österreich verstärkt darüber informiert werden, wie man sich Kühen gegenüber richtig verhält.

Man wolle Touristen und einheimische Wanderer über „alle Kanäle“ ansprechen, sagte Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger nach einem „Almen-Gipfel“ mit Vertretern aus Almenwirtschaft, Tourismus und Alpenverein. So sollen Verhaltensregeln etwa in sozialen Netzwerken und Lokalzeitungen veröffentlicht sowie in Hotels ausgelegt werden. Außerdem sollen zusätzliche Schilder Wanderer vor Orten warnen, an denen besonders viele Mutter- und Jungtiere weiden.

Fragwürdige Challenge in sozialen Medien

Köstinger kritisierte in diesem Zusammenhang besonders eine Aktion auf der Kurzvideo-Plattform TikTok, die die Almwirtschaft in den vergangenen Wochen „massiv beunruhigt“ habe: Im Rahmen der sogenannten Kulikitaka-Challenge hatten Nutzer sich dabei gefilmt, wie sie mit wedelnden Handbewegungen auf Kühe zugerannt waren und die Weidetiere so erschreckt hatten. Mittlerweile seien die Videos glücklicherweise von der Plattform gelöscht worden, sagte Köstinger. Auch auf Instagram wurden solche fragwürdigen Videos verbreitet.

In Österreich stehen nach Angaben des Ministeriums rund 300.000 Rinder auf den rund 8000 bewirtschafteten Almen. Viele Wanderwege kreuzen die Areale. Immer wieder kommt es zu Unfällen mit Kühen, die im schlimmsten Fall tödlich enden.

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Wie gefährlich sind Kühe tatsächlich?

2014 soll es in Deutschland 10.200 Kuhangriffe gegeben haben, berichtete damals die Tageszeitung WELT. Vier von ihnen endeten tödlich. Weltweit seien es jedes Jahr sogar durchschnittlich 20 Todesfälle, die auf eine Kuh-Begegnung zurückzuführen sind. Der weiße Hai sei hingegen jährlich nur für rund zehn Todesfälle verantwortlich. Bevor man die Kuh aber als „Killerkuh“ stigmatisiert, sollte bedacht werden, dass Kühe uns im Alltag deutlich häufiger begegnen als Haie, weshalb der Vergleich wenig aussagekräftig ist.

 

Das Fernsehmagazin „Quarks & Co.“ erklärt, dass Kühe Fluchttiere sind und es eher in ihrer Natur liegt, einer Konfliktsituation auszuweichen als anzugreifen. Dennoch: Ist die Kuh Mutter und hat ein Kälbchen, reagiert sie, wie viele andere Tiere, deutlich konfliktbereiter und wird auch aggressiv handeln, wenn sie eine Gefahrensituation für ihr Kälbchen erkennt. Ebenso schützen Kühe ihr Revier vor Eindringlingen, wenn sie diese als Gefahr betrachten. Dies passiert besonders schnell, wenn ein Wanderer mit einem Hund unterwegs ist.

Kühe bei Wanderung

Besonders Hunde können Kühe schnell als Bedrohung wahrnehmen. Passiert man eine Herde, sollte man seinen Hund angeleint direkt neben sich führen.
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Wie sollte man sich verhalten?

Welche Verhaltensregeln man beachten sollte, wenn man bei seiner Wanderung Kühen begegnet, verraten unter anderem das Wandermagazin „Bergwelten“ und der „Österreichische Tierschutzverein“. TRAVELBOOK fasst die Tipps zusammen:

  • Auf den Wegen bleiben: Abkürzungen über Weidegebiete sollten vermieden werden. Ist die Weide eingezäunt, sollte sie keinesfalls passiert werden.
  • Abstand zu den Kühen halten: Begegnet man auf seiner Wanderung Kühen, so sollte man die Herden großräumig umlaufen und einen Abstand von mindestens 20 Metern halten. Auch auf Streicheleinheiten – besonders bei Kälbchen – sollte unbedingt verzichtet werden. Das gilt auch fürs Füttern.
  • Vom Rad absteigen: Ist man mit dem Fahrrad unterwegs, sollte man absteigen und das Fahrrad langsam schieben, wenn man eine Herde passiert. Kühe sehen recht unscharf und ein Radfahrer kann schnell eine Panikreaktion hervorrufen.
  • Auf Körpersprache achten: Die Tiere sollten man im Auge behalten, ihnen aber nicht direkt in die Augen schauen. Wird man von den Kühen fixiert oder senkt eine von ihnen bedrohlich den Kopf, sollten man sich langsam entfernen. Schnaubt die Kuh oder scharrt mit ihrem Huf, sollten man mit ruhigen und langsamen Bewegungen möglichst schnell Abstand zwischen sich und das Tier bringen.
  • Besonders Hundebesitzer sollten vorsichtig sein: Hunde sollten in Gebieten mit Kühen unbedingt angeleint bleiben. Ebenso sollte verhindert werden, dass der Hund laute Geräusche – wie etwa ein Bellen – macht. Dies könnte auf die Kühe bedrohlich wirken und sie zum Angreifen animieren. Bei vielen Kuhangriffen sollen Hunde eine entscheidende Rolle gespielt haben. Kommt es jedoch zu einem Angriff, sollte man seinen Hund umgehend ableinen, da die Kuh eher den Hund angreifen wird, als den Menschen. Dieser ist in der Regel aber deutlich schneller als die Kuh.

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Wenn es zum Kuhangriff kommt …

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Angriff, sollte man unbedingt ruhig bleiben und der Kuh nicht den Rücken zuwenden. Laufen Sie langsam rückwärts von der Kuh weg. Ist es auch dafür zu spät, können laute, selbstsichere und tiefe Geräusche, etwa durch ein lautes Brüllen, helfen. Machen Sie sich groß und imposant, indem sie zum Beispiel ihre Jacke mit den Händen hochhalten. Auch ein Stock kann im Ernstfall helfen, die Kuh zu verscheuchen – etwa durch einen Schlag auf die Nase.

Am Ende gilt: Kühe sind weder Kuscheltiere noch Killermaschinen. Sie verteidigen lediglich ihr Revier und beschützen ihren Nachwuchs. Wer den Tieren mit der nötigen Vorsicht begegnet und Abstand hält, bleibt von unangenehmen Zwischenfällen in der Regel verschont.