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Neuerungen, Züge, Fahrplanwechsel

Bahn plant Verbindungen im 30-Minuten-Takt

ICE
Zwischen einigen deutschen Großstädten sollen die Züge künftig alle halbe Stunde verkehrenFoto: Picture Alliance

Wer in Berlin, Hamburg oder München den ICE verpasst, soll nicht lang auf den nächsten warten: Die Bahn plant einen 30-Minuten-Takt und steckt Milliarden in Züge. Das nächste ICE-Modell könnte die Fahrgäste überraschen.

„Am Ende bedeutet das, dass wir den Fernverkehr ausbauen wollen zu einer metropolenverbindenden S-Bahn“, bekräftigte der Bahn-Vorstand für Personenverkehr, Berthold Huber.

Jede halbe Stunde

Den 30-Minuten-Takt für die großen Städte hatte die Bahn im Sommer in ihre neue Strategie „Starke Schiene“ aufgenommen, sagte der zuständige Vorstand Huber – und machte deutlich, dass noch einige Jahre vergehen, bis es so weit sein könnte.

Milliardeninvestition in Zugflotte

„Die Metropolen und der Verkehr zwischen den Metropolen werden weiter wachsen“, sagte Huber. So seien auf der Neubaustrecke Berlin-München auch in diesem Jahr die Fahrgastzahlen um 14 Prozent gestiegen. Seit Sonntag schickt die Bahn dort nochmals zusätzliche Züge aufs Gleis.

Huber sagte, die Bahn investiere bis 2026 rund zwölf Milliarden Euro in ihre Fahrzeugflotte. Die Hälfte der Summe entfällt auf den Großauftrag für den ICE4, von dem seit 2017 allerdings schon 39 ausgeliefert wurden. 2025 sollen es 137 sein; es ist der größte Einzelauftrag in der Geschichte der Bahn.

Hinzu kommen 23 neue Eurocity-Züge vom spanischen Hersteller Talgo und 86 Doppelstock-Intercitys, von denen schon 44 fahren. Außerdem schreibt die Bahn in Kürze den Auftrag für weitere 30 weitere Hochgeschwindigkeitszüge aus, die in drei Jahren aufs Netz kommen sollen.

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Erreichung der Klimaziele im Fokus

Das bundeseigene Unternehmen ist im Investitionsmodus: Um die Klimaziele zu erreichen, fließt deutlich mehr Geld in das Netz, und der Bund stockt auch das Eigenkapital der Bahn auf. Inzwischen sollen sogar stillgelegte Strecken reaktiviert werden. Bahnchef Richard Lutz spricht von „Rückenwind fast mit Sturmstärke“. Jahrelang habe die Politik mit der Bahn gefremdelt, jetzt werde geklotzt.

Die neuen Fernzüge finanziere man aber selbst, betont die Bahn. Dabei hilft die geplante Mehrwertsteuersenkung für Fernzugtickets. Die billigeren Fahrkarten werden fünf Millionen zusätzliche Fahrgäste im Jahr bringen, kalkuliert der Konzern. Diese Mehreinnahmen finanzieren die 30 zusätzlichen Schnellzüge, die weitere sechs Millionen neuer Fahrgäste bringen, so Hubers Erwartung.

Möglicher ICE3 Nachfolger

Die Konzernzentrale denkt auch über einen Nachfolger für den ICE3 nach, den Zug mit der runden Nase, der seit dem Jahr 2000 fährt. In acht oder neun Jahren sollen die ersten Neulinge kommen – mit möglicherweise ungewöhnlicher Bauweise für einen Zug, der bis zu 330 Kilometer pro Stunde fahren soll, wie Huber andeutet: „Es könnte auch ein Doppelstockzug werden.“

Keine Reservierungspflicht geplant

Denn die Bahn ist überzeugt, dass sie deutlich mehr Fahrgäste befördern könnte, wenn das Netz es nur hergäbe. „Der Markt ist nicht der begrenzende Faktor, es ist die Kapazität.“ Manche Gleisabschnitte sind echte Staufallen für Züge, etwa zwischen Köln und Dortmund oder um Hamburg.

Seit 2015 sei die Auslastung der Fernzüge von durchschnittlich 43 auf 56 Prozent gestiegen. Hubers Überlegung: Wüchse die Bahn mit weiteren Doppelstöckern nun auch in der höchsten Zugklasse in die Höhe, würde das Probleme zumindest nicht verschärft.

Höhere Preise im Nahverkehr

„Wir halten Wort“, sicherte zumindest ein Bahnsprecher zu. In jedem Fall aber senkt die Bahn am 1. Januar den Super-Sparpreis, der dann bei 17,90 Euro beginnt, zwei Euro weniger. Im Nahverkehr jedoch sind die Preise mit dem Fahrplanwechsel durchschnittlich um 1,7 Prozent gestiegen, Verbundtarife erhöhen sich teils noch stärker.

140 Bahnmitarbeiter haben in den vergangenen Monaten am neuen Fahrplan gearbeitet, sagte ihr Chef Frank Hoffmann. Für die Fahrgäste gibt es auf einer Reihe von Strecken mehr Sitzplätze oder dichtere Fahrtakte, auch eine neue Intercity-Strecke ist im Angebot. Doch es gibt auch Einschränkungen.

Intercity-Strecke Rostock-Dresden

Die Bahn fährt die neue Fernverkehrsstrecke über Berlin stufenweise hoch, erst mit 10 Fahrten täglich, ab März mit 16. Dann fahren auch Doppelstock-Züge als Intercity, die die Bahn von der österreichischen Westbahn gekauft und umlackiert hat.

So will sie schneller mehr Städte an den Fernverkehr anschließen. Mit Elsterwerda und Doberlug-Kirchhain hält der Zug in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern. Weitere Stationen sind Oranienburg, Neustrelitz und Waren (Müritz), ab Mai auch Warnemünde und Schönefeld, wo im Oktober der Hauptstadtflughafen BER eröffnen soll.

Mehr ICE-Züge

Mehr Züge sorgen für einen Stundentakt auf den ICE-Strecken Berlin-Erfurt-München und Berlin-Braunschweig-Frankfurt/Main. Auch auf den Verbindungen von Hamburg ins Ruhrgebiet und an den Rhein sowie nach München werde das Angebot erhöht, teilte die Bahn mit. Möglich macht das der ICE4, von dem die Bahn derzeit alle drei Wochen einen neuen Zug von den Herstellern bekommt.

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Flixtrain

Mannheim-Stuttgart

Die ICE-Strecke wird vom 10. April bis 31. Oktober gesperrt und generalüberholt. Gleise und Weichen müssen nach rund 30 Jahren ausgetauscht werden. Das hat gravierende Folgen, denn über den Abschnitt fährt jeder sechste Kunde im Fernverkehr – üblicherweise in etwa 40 Minuten. Nun werden die Züge umgeleitet. 35 bis 60 Minuten zusätzlich sind fahrplanmäßig zu erwarten. Außerdem fallen Fahrten aus, auch zwischen Karlsruhe und Stuttgart.

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Über Grenzen

Der Intercity der sogenannten Vogelfluglinie über Fehmarn und die Fähre ab Puttgarden wird für mehrere Jahre umgeleitet, weil in Dänemark am Schiennetz gebaut wird; das hängt mit dem geplanten Ostseetunnel zwischen Dänemark und Deutschland zusammen. Es fahren nur noch halb so viele Züge – diese dafür mit doppelter Kapazität. Zudem gibt keinen Halt in Lübeck. Neu ist ab Mai die Railjet-Verbindung Berlin-Dresden-Prag-Wien-Graz. Ab dem Sommer ist der Eurocity Berlin-Warschau eine halbe Stunde schneller.

 

Nachtzüge

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